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Flugunfall in Saarbrücken: Copilotin der Luxair für Bauchlandung verantwortlich
Adrien Ney, CEO von Luxair, bei der Präsentation der internen Untersuchung.

Flugunfall in Saarbrücken: Copilotin der Luxair für Bauchlandung verantwortlich

Foto: Gerry Huberty
Adrien Ney, CEO von Luxair, bei der Präsentation der internen Untersuchung.
Lokales 11 2 Min. 17.11.2015

Flugunfall in Saarbrücken: Copilotin der Luxair für Bauchlandung verantwortlich

Die Bauchlandung einer Luxair-Maschine Ende September in Saarbrücken ist auf einen Fehler der Copilotin zurückzuführen. Dies bestätigte das Management der Fluggesellschaft. Für die Frau hat der Vorfall unangenehme Folgen.

(ml/jag) - Zu der Bauchlandung einer Luxair-Maschine auf dem Flughafen von Saarbrücken am 30. September kam es nicht aufgrund eines technischen Defekts. Es handele sich um menschliches Versagen, teilte die luxemburgische Airline am Dienstag bei einer Pressekonferenz mit. Das Management präsentierte dabei die Ergebnisse einer internen Untersuchung. Diese basiert einerseits auf den technischen Daten eines Flugschreibers, den die Luxair in Eigenregie einbauen ließ. Zum anderen wurden die Aussagen des Flugpersonals ausgewertet.  

Der Copilotin wird vorgeworfen, ungewollt das Fahrwerk zu früh eingezogen zu haben, so dass das Flugzeug mit dem Heck auf den Boden schlug. Die Copilotin tat dies, als die Abhebegeschwindigkeit erreicht wurde. Nur das Bugrad hatte zu dem Moment abgehoben, das Hauptfahrwerk hatte noch Kontakt zur Piste. Die Sicherung, die ein Einfahren der Räder am Boden verhindern soll, hatte die Copilotin mit dem Betätigen des Hebels ebenfalls ausgeschaltet. Sie soll laut Luxair vorschriftsmäßig funktioniert haben, dies hätten Tests nach dem Zwischenfall erwiesen.

Der Pilot habe gut reagiert, indem er den Flug abgebrochen habe statt zu versuchen, weiter an Höhe zu gewinnen, heißt es seitens der Luxair. Auch der Kabinen-Crew wird bescheinigt, richtig gehandelt zu haben. Alle Regeln seien eingehalten worden. Für die Copilotin, die den Unfall verursacht hat, hat der Zwischenfall schwerwiegende Folgen: Sie wird künftig nicht mehr im Cockpit einer Luxair-Maschine sitzen. Ihr wurde ein anderer Job im Unternehmen angeboten.

Die Luxair-Verantwortlichen stellten zudem klar, dass die Maschine absolut 100 Prozent flugtauglich gewesen sei. Tests nach dem Unfall hätten ergeben, dass sämtliche Systeme, inklusive des Fahrwerks, einwandfrei funktionierten. Auch die Flugregeln und Prozeduren seien eingehalten worden. Die Passagiere an Bord wurden psychologisch betreut, sie erhielten bereits eine Entschädigung, die laut Luxair "großzügig" gewesen sei.

Keine Verletzten

Die Luxair-Maschine, die nach Luxemburg zurückfliegen sollte, hatte am 30. September ihren Start in Saarbrücken abgebrochen und war dabei auf dem Bauch gelandet. Keiner der 16 Passagiere und vier Crew-Mitglieder wurde verletzt. Über die Unglücksursache wurde in den vergangenen Wochen viel spekuliert.

In den Wochen zuvor hatte die Airline sich geweigert, Stellung zu den Gründe des Zwischenfalls in Saarbrücken zu beziehen. Nachdem die nationale Fluggesellschaft in einem internen Schreiben dem Personal nahegelegt hatte, den Unfall in Saarbrücken nicht zu kommentieren - weder bei Kunden noch bei Freunden und Familienmitgliedern - scheint sie nun um Transparenz bemüht zu sein.

Teure Konsequenzen

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung leitet die offiziellen Untersuchungen, mit einem Zwischenbericht wird in ein paar Monaten gerechnet. Für die Luxair wird der Zwischenfall indes zum teuren Spaß, neben den Schäden an der Maschine welche in die Millionen gehen dürften, litt auch das Fluggeschäft wegen der fehlenden Maschine.

Eine der Konsequenzen: Luxair wird ihre Embraer-Jets nicht wie geplant im Frühjahr abstoßen, sondern bis Herbst behalten. Nur so kann der Sommerflugplan eingehalten werden. Erst im Dezember soll geklärt werden, ob die havarierte Maschine in Saarbrücken repariert wird oder nicht. Die Arbeiten würden mindestens sechs Monate dauern.    

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