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Bausch: "Es gibt kein Geheimnis"
Lokales 3 Min. 16.03.2016 Aus unserem online-Archiv
Fluglärm auf Findel

Bausch: "Es gibt kein Geheimnis"

Für die Cargolux gilt seit Jahren eine Ausnahmeregelung bei den Nachtflügen.
Fluglärm auf Findel

Bausch: "Es gibt kein Geheimnis"

Für die Cargolux gilt seit Jahren eine Ausnahmeregelung bei den Nachtflügen.
Foto: Teddy Jaans
Lokales 3 Min. 16.03.2016 Aus unserem online-Archiv
Fluglärm auf Findel

Bausch: "Es gibt kein Geheimnis"

Maxime LEMMER
Maxime LEMMER
Minister Bausch hat eigenen Aussagen nach in Bezug auf die Nachtflüge nichts zu verbergen. Eine Aufhebung des Nachtflugverbots komme nicht in Frage.

(ml) - Die Nachtflüge auf Findel  sind ein politischer Dauerbrenner. 2011 wurden deren hierzulande 1.224 registriert. Im vergangenen Jahr waren es 1.806. Inzwischen seien Ausnahmen zur Regel geworden, hieß es am Dienstag bei einer Pressekonferenz des Dachverbandes der hauptstädtischen Interessenverbände. Im Kreuzfeuer der Kritik stand Nachhaltigkeitsminister François Bausch. Statt die Zahl der nächtlichen Starts und Landungen um fünf Prozent zu reduzieren, habe der grüne Politiker eine Steigerung von 30 Prozent zu verantworten.

Die Zahlen müsse man etwas differenzierter betrachten, sagte Bausch dem "Luxemburger Wort". 80 Prozent der Nachtflüge, die 2015 registriert wurden, hätten zwischen 23.00 und 1.00 Uhr stattgefunden. Nur ein Viertel der Nachtflüge sei nach 1.00 Uhr erfasst worden. Demnach würde im Schnitt täglich nur ein Flug nach 1.00 Uhr abgewickelt werden.

"Damit würden wir der Cargolux den Hals zudrehen"

Trotz der Sorgen und Befürchtungen von manchen Einwohnern, die der Nachhaltigkeitsminister nachvollziehen kann, kommt für ihn eine Aufhebung des Nachtflugverbotes nicht in Frage. Die Behauptung, die Situation habe sich im Vergleich zu früher verschlechtert, widerlegt François Bausch. Im vergangenen Jahr habe er 23 Prozent weniger Anfragen für Flugzeuge genehmigt, die nach 0.00 Uhr starten, als 2014. "Auf Findel könnten weitaus mehr Frachtgesellschaften tätig sein. Wir lehnen sie jedoch ab, weil wir keine zusätzlichen Nachtflüge wollen", betont der Minister.

Für die Cargolux, die rund 90 Prozent der Nachtflüge ausmacht, besteht seit 1998 eine Ausnahmeregelung. Sie darf nachts zu jeder Zeit den Flughafen ansteuern. Bei der Diskussion, ob diese Regelung berechtigt sei, dürfe man nie aus den Augen verlieren, welche finanzielle Rolle diese Bestimmung für die Frachtgesellschaft, aber auch für Luxair-Cargo und den Flughafen habe. "Auch als ich noch Oppositionspolitiker war, hatte ich nie gefordert, diese Ausnahmeregelung außer Kraft zu setzen. Damit würden wir der Cargolux den Hals zudrehen", so Bausch. 

Aktionsplan zur Lärmbekämpfung

Dennoch gebe es viele Möglichkeiten, die Lärmbelästigung zu mindern, unterstreicht der ehemalige hauptstädtische Verkehrschöffe. Zum einen sollen verstärkt Flugzeuge eingesetzt werden, die weniger Lärm machen. Zum anderen soll der Flughafen anders angesteuert werden als bisher. Die Maschinen sollen sozusagen "hineinseglen".

Die Behauptung, dass für Landungen zwischen 23 und 6 Uhr keine Gebühren entrichtet werden müssen, sei irreführend, so Bausch. Aufgrund einer europäischen Richtlinie sei das Gebührenreglement geändert worden. Mittlerweile gelte das Verursacherprinzip: Bei Flugzeugen, die mehr Lärm machen, würden höhere Gebühren anstehen. 

Unter Federführung des Umweltministeriums wird derzeit ein Aktionsplan zur Lärmbekämpfung ausgearbeitet. Angesichts der strengen europäischen Vorschriften wird genau definiert, wie verhindert werden kann, dass die festgelegte Grenze des Lärmpegels überschritten wird. Der Aktionsplan, der u. a. Zuschüsse beim Einrichten einer dreifachen Verglasung vorsieht, soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden.

"Wir haben nichts zu verbergen"

Die Interessenvereine beschwerten sich am Dienstag darüber, dass ihnen eine Einsicht in die Resultate der Messstationen auf Findel verwehrt bleibe. "Es gibt kein Geheimnis! Wir haben nichts zu verbergen", kontert Bausch. Sämtliche Daten stünden zur Verfügung. Um einen Interessenkonflikt zu vermeiden, habe er die Leitung des Begleitausschusses des Flughafens in die Hände des Umweltministeriums gelegt. Außerdem hätten nun alle betroffenen Interessenverbände ein Recht darauf, in diesem Gremium vertreten zu sein. 

Wegen der stückweisen Erneuerung der Startbahn auf Findel, steht eine monatelange nächtliche Sperrung bevor. Eine Alternative gebe es nicht, da sonst eine Schließung des Flughafens drohe, sagt François Bausch. Der entsprechende Gesetzentwurf soll im September eingereicht werden.

Finanzielle Entschädigung für die Cargolux?

Zurzeit berate man darüber, wie die bevorstehenden Einbussen für die Cargolux abgefedert werden können. Ob eine finanzielle Entschädigung für die Cargolux überhaupt juristisch möglich ist - so wie sie vom CEO Dirk Reich angedacht wurde, sei fraglich, so Bausch. Die Frachtflüge, die nachts gestrichen werden, könnten problemlos tagsüber nachgeholt werden, da noch zahlreiche "Slots" frei wären. Weitaus schwieriger und kostspieliger wird es jedoch, wenn die Maschinen Verspätung haben und auf andere Flughäfen ausweichen müssen.


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