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Flüchtlingsheim in Esch-Neudorf vor Eröffnung
Lokales 7 3 Min. 18.06.2019

Flüchtlingsheim in Esch-Neudorf vor Eröffnung

Das neue Heim kann maximal 150 Leute aufnehmen.

Flüchtlingsheim in Esch-Neudorf vor Eröffnung

Das neue Heim kann maximal 150 Leute aufnehmen.
Foto: Lex Kleren
Lokales 7 3 Min. 18.06.2019

Flüchtlingsheim in Esch-Neudorf vor Eröffnung

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Im August sollen die ersten Asylbewerber im neuen Flüchtlingsheim im Escher Neudorf einziehen. Dies war bei einer Informationsversammlung am Montagabend zu erfahren, die ganz sachlich verlief.

Im August werden voraussichtlich die ersten Asylbewerber im Flüchtlingsheim am Quai Neudorf in Esch/Alzette einziehen. Dies erklärte Yves Piron, Direktor des Office luxembourgeois de l'Accueil et de l'intégration (OLAI), während einer Informationsversammlung am Montagabend im Escher Rathaus.

Für 150 gebaut, aber nur 120 erwartet

Bestätigt wurde, dass das Heim für maximal 150 Personen konzipiert wurde. Allerdings wird damit gerechnet, dass nur um die 120 Personen tatsächlich dort untergebracht werden.

"Es stehen 75 Zimmer mit jeweils zwei Betten zur Verfügung. Wenn aber eine Familie aus drei Personen besteht, dann bekommt sie zwei Zimmer und es bleibt ein Bett frei", erklärte Piron. Ein Zimmer ist zwölf Quadratmeter groß. Demnach sind es sechs Quadratmeter pro Einwohner. Von Luxus könne demnach keine Rede sein, erklärt er.

Zur Schule nach Dellhéicht

Gerechnet wird mit etwa 25 Kindern, die die Grundschule besuchen werden. Nur die Kleinsten, der Zyklus C1, soll die Schule im Neudorf besuchen. Die anderen Schulkinder werden in der Dellhéicht-Schule  unterrichtet werden. Sie werden in bestehenden Klassen eingegliedert, es sei denn, es wären zu viele im selben Alter. Dann wird eine "Classe étatique" gebildet.

Vor allem Flüchtlinge aus Eritrea und Syrien erwartet

Es sei zum aktuellen Zeitpunkt unmöglich zu wissen, wer in ein paar Wochen Asyl beantragen werde. Wie Immigrationsminister Jean Asselborn erklärte, kommen derzeit aber vor allem Asylbewerber aus Eritrea, Syrien, Irak und Afghanistan nach Luxemburg. Er berichtet von eigenen Besuchen in Eritrea und Afghanistan und ging auch auf die Lage in Irak und Syrien ein. So verdeutlichte er die hoffnungslose Lage, in der sich viele Flüchtlinge befinden.  

Offiziell dauert die Verarbeitung eines Asylantrages zwischen sechs und neun Monaten. In der Praxis bleiben die Asylbewerber im Durchschnitt aber zwischen ein und zwei Jahren in den Heimen. Dies, weil es für die meisten schwierig ist, eine bezahlbare Wohnung zu finden, wenn sie bis Asyl erhalten haben.

Keine Polemik


Reportage Fluchtlinge in Ediff-Struktur in Lallingen, Esch-sur-Alzette, 13 Avril 2017. Photo: Chris Karaba
Flüchtlinge: Die neuen Nachbarn aus der früheren Ediff-Schule
Bei der Bürgerversammlung zur Flüchtlingsstruktur in der früheren Ediff-Schule kochten die Gemüter hoch. Bei manchen Einwohnern waren Ängste klar zu spüren. Ein Blick ins Flüchtlingsheim zeigt aber, dass diese zum Großteil unberechtigt sind.

Kommentare, die gegen den Bau des Flüchtlingsheimes oder die Aufnahme von Asylbewerber gerichtet waren, gab es keine. Die Sitzung, an der geschätzte 120 Personen teilgenommen haben, war nicht mit der hitzigen Informationssitzung zu vergleichen, die im April 2017 in Lallingen stattgefunden hatte. Damals stand die Eröffnung des Flüchtlingsheims in der früheren Ediff-Schule auf Monnericher Gebiet bevor.

In Neudorf scheint man sich mit dem Neubau mehr oder weniger angefreundet zu haben. So zeigte sich André Even, Präsident des lokalen Interessenvereins, nach der Versammlung zufrieden. "Gibt es die notwendigen Informationen, dann kommt auch die Akzeptanz", schlussfolgerte er. Nicht aber ohne zuvor moniert zu haben, dass die Einwohner bisher vieles aus der Presse erfahren mussten.

Ein Provisorium

Während der Sitzung hat er auch die Bestätigung erhalten, dass das Heim als Provisorium gedacht ist, das fünf Jahre in Betrieb bleiben soll. Danach soll der Fonds de logement es übernehmen. Bestätigt wurde auch, dass das Heim bei Lallingen, in der früheren Ediff-Schule, schließen wird. Ein Datum wurde aber nicht genannt. Die Flüchtlinge aus der früheren Ediff-Schule werden aber nicht ins neue Heim im Stadtteil Neudorf umziehen. Dies, weil es sich bei Lallingen um einzelne Personen handelt und im Neudorf vor allem Familien untergebracht werden sollen.

Zur Erinnerung: Eingangs war im Neudorf eine Struktur für 300 Personen geplant. Unter anderem nach den Bedenken des Interessenvereins und dem Einsatz der Gemeinde wurde diese Zahl halbiert. Dass es am Montagabend keine Kritik am Projekt gab, dürfte aber auch an Caritas-Präsidentin Marie-Josée Jacobs gelegen haben. In einer emotionalen Rede ging sie auf die Lage der Flüchtlinge ein. "Es geht keiner weg von zu Hause nur aus Spaß", sagte sie.

850 Ehrenamtliche

Sie erwähnte aber auch die guten Erfahrungen, die die Hilfsorganisation, die für die Betreuung im Heim zuständig sein wird, bereits anderswo gemacht hat. Im vergangenen Jahr hat Caritas in diesen Zusammenhang auf 850 ehrenamtliche Helfer zählen können. Auch unterstrich sie, dass es 2018 in den Caritas-Heimen, die insgesamt 1300 Betten zählen, zu keinen größeren Zwischenfällen gekommen sei. Das gelte auch für das bereits bestehende Flüchtlingsheim in der Grand-Rue in Esch, wie Jean Asselborn zuvor betont hatte.

Die Arbeiten im Innenbereich sollen in den nächsten Tagen abgeschlossen werden.
Die Arbeiten im Innenbereich sollen in den nächsten Tagen abgeschlossen werden.
Foto: Lex Kleren

Auch für das Heim im Viertel Neudorf wird auf die Hilfe von Ehrenamtlichen gesetzt. Freiwillige, die eine Hand anpacken wollen, können sich beim Dienst für Chancengleichheit der Escher Stadtverwaltung melden.

Zu berichten bleibt noch, dass Bürgermeister Georges Mischo angekündigt hat, dass ein Konzept für die Schule im Neudorf im September vorgestellt wird. Auch wird ein Tag der offenen Tür im Flüchtlingsheim, am 13. Juli zwischen 9 und 12 Uhr, organisiert.




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