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Filmen im Bus: Voyeurismus erlaubt
Lokales 05.09.2017

Filmen im Bus: Voyeurismus erlaubt

Der Mann filmt die Frauen bis heute gegen ihren Willen: die Justiz ist machtlos.

Filmen im Bus: Voyeurismus erlaubt

Der Mann filmt die Frauen bis heute gegen ihren Willen: die Justiz ist machtlos.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 05.09.2017

Filmen im Bus: Voyeurismus erlaubt

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Seit Jahren filmt ein Mann in einem städtischen Bus Frauen gegen deren Willen. Die Frauen führten Klage, die Justiz ist aber machtlos.

Von Jacques Ganser

2012 erreicht die Justiz die Klage einer jungen Frau, die auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz auf Kirchberg von einem Unbekannten gefilmt wird. Mehrere Zeuginnen und Freundinnen der Frau werden auf den Mann aufmerksam, der regelmäßig die Buslinien 18, 7 und 20 vom Bahnhof zum Kirchberg benutzt. Jedes Mal das gleiche Szenario: Der Mann filmt mit einer in seiner Handtasche versteckten Kamera unter die Röcke der Frauen. Diese machen ihrerseits Aufnahmen des Mannes und schicken sie der Polizei. Zugleich wurde eine Klage eingereicht.

Eine der betroffenen Frauen hat sich schriftlich an uns gerichtet und beklagt ihr Leid: Die Polizei sei sehr zuvorkommend gewesen und habe eine Untersuchung eingeleitet. Der Mann habe in der Tat mit versteckter Kamera gefilmt, die Polizei habe laut der Zeugin hunderte von Filmen auf seinem Computer entdeckt. Die Frauen glaubten, damit habe ihr Leiden ein Ende und der Betroffene würde sein Treiben künftig unterlassen. Dies war allerdings nicht der Fall. Laut der Zeugin sei überhaupt nichts geschehen, der Mann sei auf freiem Fuß und treibe sein Unwesen weiterhin in den betroffenen Buslinien. Bis zum heutigen Tage.

Justiz ist machtlos

Auf Nachfrage bestätigte uns die Justizsprecherin den vorliegenden Fall. Zu den Fakten sei zu sagen, dass mehrere Frauen angaben, über einen Zeitraum von fünf Jahren im Bus oder aber an Haltestellen ohne ihr Einverständnis gefilmt wurden. Die Justiz habe sich der Klage angenommen, letztendlich habe sie aber keine Handhabe gehabt und die Affäre bereits 2012 klassiert. 

Der gesetzliche Ermessensspielraum scheint in der Tat sehr eingeengt: Ein Angriff auf die Schamhaftigkeit laut Artikel 372.1 lag nicht vor, ebenso wenig ein Verstoß gegen die Sitten laut Artikel 385 des Strafgesetzes. Auch ein Eingriff in das Privatleben konnte laut Justiz nicht festgestellt werden. Artikel zwei sieht zwar die Möglichkeit einer Geldstrafe in Höhe von 251 bis 5000 Euro vor, wenn jemand per elektronischem Gerät die Privatsphäre eines anderen Menschen verletzt.

Allerdings muss dies in einem nicht zugänglichen, also nicht-öffentlichem Raum wie beispielsweise einer Umkleidekabine geschehen.  Der Bus wird aber als öffentlicher Raum betrachtet, womit die rechtliche Basis für eine Anklage fehlt. In jedem Fall wird der Gesetzgeber hier gefordert sein, nachzubessern. Für die betroffenen Frauen, die bis heute gefilmt und belästigt werden, ist die Situation auf jeden Fall unzumutbar.