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Fieldgen und Sainte-Anne pilgern zur Trösterin
Mit dem Disney-Lied „How far I'll go“ sangen sich die Mitglieder des Fieldgenchores bei der Muttergottesoktave in die Herzen der Gemeinschaft.

Fieldgen und Sainte-Anne pilgern zur Trösterin

Foto: Gerry Huberty
Mit dem Disney-Lied „How far I'll go“ sangen sich die Mitglieder des Fieldgenchores bei der Muttergottesoktave in die Herzen der Gemeinschaft.
Lokales 14 6 Min. 15.05.2019

Fieldgen und Sainte-Anne pilgern zur Trösterin

Rosa CLEMENTE
Rosa CLEMENTE
Am Mittwoch fanden in der Kathedrale zwei Jugendmessen statt - eine für die städtische École privée Fieldgen, die andere für die Ettelbrücker Mädchenschule Sainte-Anne.

Früher war die Anteilnahme an religiösen Wallfahrten eine Selbstverständlichkeit für jeden, der sich zum Glauben und zur katholischen Kirche bekannte. Heute zählt die traditionelle Muttergottesoktave in etwa noch 60.000 Pilger, allerdings finden seit der Abschaffung des Pilgertages für die Grundschulen vor einigen Jahren immer weniger junge Menschen den Weg in die Kathedrale. 

Anders die Schüler der 127 Jahren alten katholischen Schwesternschule École privée Fieldgen – für sie gehört der Gang zur Notre-Dame zur Tradition. Und so fand am Mittwochmorgen in der Kathedrale für Schüler, Lehrer und Personal ein einstündiger Gottesdienst statt, zelebriert von Chanoine Edmond Ries.

Treffpunkt für die Jugend

Bereits rund eine Dreiviertelstunde vor Beginn der Messe trafen die ersten Jugendlichen, mit Liedtexten in der Hand, ein. Die Sonne strahlte von ihrer schönsten Seite, die Schüler sind fröhlich und mit einer für die Morgenstunde ungewöhnlichen Energie geladen: „Das Wetter ist super heute. Ich freue mich auf die Messe und dann auf den Mäertchen“, meint eine Schülerin, die über den Parvis zum Seiteneingang der Kathedrale geht.

Raphaël Weickmans, Leiter des zehnköpfigen Seelsorgerteams, das das Programm für die Oktavmesse vorbereitet hat, erklärt: „Für uns ist das ein sehr besonderer Moment. Denn an diesem Tag findet ein gemeinsames Treffen statt, und das unter Gottes Dach.“ 

Im Lyzeum an der Rue d’Anvers lernen und unterrichten rund 1.500 Schüler und 150 Lehrer, beschreibt er weiter: „Wir haben in unserem Schulgebäude nicht die Möglichkeit, alle in einem großen Saal zu versammeln. Heute ist also der einzige Tag im Jahr, an dem wir alle vereint sind.“

Aufgrund der hohen Anzahl an Schülern sei es deshalb auch wichtig, sich an diesem Tag für den Weg bis ins Stadtzentrum Zeit zu nehmen. „Schließlich kann die ganze Schule nicht einfach so zu Stoßzeiten über die Straßen laufen. Davon hat uns die Polizei abgeraten, da ansonsten der Verkehr beeinträchtigt würde.“ 

Stattdessen sind die Schüler in kleineren Gruppen aus allen Richtungen zum Mariendom gepilgert. „Es gab keinen Plan, die Lehrer haben selbst entschieden, wann sie mit den Schülern losziehen und welchen Weg sie nehmen“, erzählt einer der Lehrer, der mit seiner 7e-Klasse über die Passerelle-Brücke gekommen ist. Andere Klassen kamen wiederum über die Avenue de la Liberté und den Boulevard Roosevelt bis zur Notre-Dame.

Ein Gottesdienst mal anders

9.35 Uhr: Die Glocken läuten, im Inneren der Kathedrale ist das Rascheln der Notenblätter und das leise Getuschele, die Stimmen der Schüler, zu hören. Die Kirche ist prall gefüllt, alle Stühle sind besetzt. Die Übrigen finden mit ihren Schulranzen Platz auf dem Boden, auf den Treppen vor dem Altar, zwischen den Beichtstühlen oder auf den Emporen des Doms

Ganz vorne in den ersten Sitzreihen beim Votivaltar warten die Abschlussklassen darauf, dass der Gottesdienst beginnt. In ihren Gesichtern ist die Nervosität zu lesen, die sich in den kommenden Tagen womöglich noch verstärken wird. Denn: Am Mittwoch ist für sie der vorerst letzte Schultag – am Montag beginnen die Premièresexamen.

Ihnen widmet Direktorin Renelde Urbain fünf Minuten vor Beginn der Messe denn auch die ersten Worte ihrer Ansprache. „Wir freuen uns sehr, dass der Fieldgen-Gottesdienst dieses Jahr in der ersten Woche stattfindet, so können all unsere Abschlussschüler teilnehmen. Wir wünschen für Montag natürlich viel Glück.“

9.45 Uhr: Das erste Lied „Wir machen uns auf den Weg“ ertönt, gesungen vom Schulchor, der aus circa 45 Schülern besteht und von Sabrina Paciotti geführt wird. Raphaël Weickmans begleitet die Sänger auf dem Keyboard. Dann fährt Abbé Edmond Ries mit dem Gottesdienst fort. Rund eine Stunde dauert die außergewöhnliche Jugendmesse, bei der zwischen Kyrie, Lesungen und Fürbitten auch noch Platz für kleine Witze und Applaus ist. 

Nicht zu vergessen ist der etwas andere „Auftritt“ des Schulchores. Dieser sang neben klassischen Kirchenliedern während der Kommunion dann zwei bekannte englische Songs: Zunächst „Let it be“ von den Beatles und dann „How far I'll go“ aus dem Disney-Film „Vaiana“. Zum Schluss gab es dafür vonseiten der Mitschüler, Lehrer und sogar der Geistlichen reichlich Applaus.

„Ech hunn Iech all gären“

So wie für das Lyzeum Fieldgen am Morgen fand am Mittwochnachmittag ebenfalls eine Oktavmesse unter dem Motto „Zesummen ënnerwee“ für die Ettelbrücker École Sainte-Anne statt. Eine enge Verbindung zwischen den Schulen gibt es seit vielen Jahren, denn: Beide wurden von den Schwestern der „Doctrine chrétienne“ gegründet. 

„Früher gab es zur Oktavzeit sogar eine gemeinsame Messe in der Kathedrale. Seit etwa 20 Jahren feiern wir aber einzeln, da im Mariendom kein Platz für so viele Schüler gleichzeitig ist“, erklärt Georges Kayser, der seit fast drei Jahren die Mädchenschule in Ettelbrück leitet. 

In diesem Jahr nahmen aus der Sainte-Anne-Schule insgesamt 50 Klassen am Gottesdienst teil. Rund 1.000 Schülerinnen reisten demnach am Mittwoch mit dem Zug aus Ettelbrück an – begleitet von ihren Lehrern. Einige Klassen stiegen bereits in Heisdorf oder Dommeldingen aus, um bis ins Stadtzentrum zu pilgern. Fast alle Schülerinnen trugen dabei ein buntes Poloshirt mit dem Schullogo. Zudem hatten die Schülerinnen von der Direktion noch jeweils einen Button mit ihrem Oktavmotto erhalten, diesen steckten sich die meisten über der Brust an. 

Mit Pilgerstab zur Kathedrale

Gegen 13.30 Uhr treffen die ersten Schülergruppen auf dem Parvis der Kathedrale ein. Im Inneren des Mariendoms wird dann bis zum Beginn des Gottesdienstes fleißig geprobt: Einige wiederholen die Fürbitten am Mikrofon, andere wärmen ihre Gesangsstimmen auf. 

14 Uhr: Die Messe beginnt mit der Hymne des diesjährigen Jugendwelttages in Panama – ein Lied, das vom Sainte-Anne-Chor in verschiedenen Sprachen gesungen wird. Währenddessen schreiten mehrere Schülerinnen vor den Votivaltar, in ihren Händen halten sie hölzerne Pilgerstäbe. 

Mit Fotos und kleinen Sprichwörtern dekorierten die Sainte-Anne-Schülerinnen die mitgebrachten hölzernen Pilgerstäbe.
Mit Fotos und kleinen Sprichwörtern dekorierten die Sainte-Anne-Schülerinnen die mitgebrachten hölzernen Pilgerstäbe.
Guy Jallay

Diese stehen jeweils für eine Klasse des Lyzeums und wurden im Verlauf des Schuljahres von den Schülerinnen selbst dekoriert – mit Fotos, Stoff und Farbe. „Diese Stäbe sollen den gemeinsamen Weg und somit die zusammen erlebten Momente der Jugendlichen festhalten“, erklärt Georges Kayser. 

„Gott verurteilt niemanden“ 

Die fast anderthalbstündige Messe wird von Erzbischof Jean-Claude Hollerich und dem Ettelbrücker Pfarrer Maurice Péporté – auch Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Luxemburg – zelebriert. Besonders gespannt hören die Schülerinnen zu, als der Erzbischof eine Geschichte aus seiner Zeit als Dozent an der Universität in Tokio erzählt. Er spricht über den Leidensweg einer ehemaligen Studentin, die an Aids erkrankte. 

Erzbischof Jean-Claude Hollerich zelebrierte die Jugendmesse am Nachmittag und nahm am Morgen auch am Gottesdienst des Fieldgen teil.
Erzbischof Jean-Claude Hollerich zelebrierte die Jugendmesse am Nachmittag und nahm am Morgen auch am Gottesdienst des Fieldgen teil.
Guy Jallay

Hollerich betont, wie wichtig die Unterstützung von Freunden und Familie in solchen Fällen ist. Und, dass Gott einen Leidenden nie verurteilt, egal, welche Fehler dieser begangen hat. Dann, kurz bevor es zum Abschluss des Gottesdienstes kommt, spricht Jean-Claude Hollerich noch die Worte „Ech hunn Iech all gären“ ins Mikrofon und erntet dafür von den Mädchen zahlreiche „Ooooh's“. 


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