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Feuer und Flamme für die Tradition
Lokales 3 Min. 17.02.2018 Aus unserem online-Archiv
Burgbrennen

Feuer und Flamme für die Tradition

Noch etwas Schräglage hat die Burg auf diesem Foto, aufgenommen 1984 in Dreiborn. Bis zum Zeitpunkt des Anzündens hatte man sie aber sicherlich ganz aufgerichtet – mit vereinten Kräften.
Burgbrennen

Feuer und Flamme für die Tradition

Noch etwas Schräglage hat die Burg auf diesem Foto, aufgenommen 1984 in Dreiborn. Bis zum Zeitpunkt des Anzündens hatte man sie aber sicherlich ganz aufgerichtet – mit vereinten Kräften.
(FOTO: JEAN WEYRICH / LW-ARCHIV)
Lokales 3 Min. 17.02.2018 Aus unserem online-Archiv
Burgbrennen

Feuer und Flamme für die Tradition

Das Burgbrennen hat Tradition und erfreut sich auch 2018 großer Beliebtheit.

(lea) - Jedes Jahr am Fastensonntag wird nach Einbruch der Dunkelheit die Holzkonstruktion, an der lokale Vereine das ganze Wochenende über gebastelt haben, in Brand gesteckt. In den meisten Ortschaften können die hell leuchtenden Kreuze dann von den Besuchern bestaunt werden. Dabei steht nicht nur die Burg im Mittelpunkt, sondern auch das Drumherum, das die alte Tradition des Burgbrennens immer wieder zum Ereignis für die ganze Einwohnerschaft macht. Bei Glühwein, Ierbsebulli und Gegrilltem wird gerne mal die Welt verbessert, Dorfklatsch ausgetauscht und nicht zuletzt über das richtige Errichten der Burg gefachsimpelt.

Alle packen mit an

Zuständig sind meist lokale Vereine wie die Pfadfinder, die freiwillige Feuerwehr, die Jugend- oder Sportvereine – einige Dörfer haben sogar eigens nur dafür zuständige Vereinigungen. Die Vereine arbeiten schon seit Wochen an den Vorbereitungen. Die Arbeit beginnt bereits beim Beschaffen des Brennmaterials. Dazu gehören alte Weihnachtsbäume, Stroh, Reisig und sonstige Holzreste. Beliebt sind auch Europaletten. Es ist allerdings verboten, andere Gegenstände zu verbrennen. Denn das Ganze soll nicht zur Müllentsorgung ausarten. Deshalb muss auch immer besonders darauf geachtet werden, dass sich nicht noch Dekoration an den Weihnachtsbäumen oder Nägel in den Europaletten befinden.

Die Gesetzesgebung in Luxemburg sieht eigentlich vor, dass das Verbrennen von Grün- und Holzabfällen unter freiem Himmel untersagt ist. Das Verbot gilt allerdings nicht für das Burgbrennen. Laut Umweltministerium werden keine Strafzettel für das Anzünden der Burgen der Vereine vergeben.

Kreuz statt Burg

In den meisten Fällen wird auch keine Burg an sich, sondern ein großes Kreuz verbrannt. Dabei handelt es sich nicht um ein christliches Kreuz, denn der Brauch an sich existierte wohl schon lange vor der Gründung des Christentums. Wo genau das Burgbrennen nun seinen Ursprung hat, ist nicht zu 100 Prozent bekannt. Allerdings wird vermutet, dass es auf die Kelten zurückzuführen ist. Demnach handelt es sich ursprünglich um einen heidnischen Brauch. Nach dem Winter veranstalteten die Kelten ein großes Fest. Einerseits um die bösen Geister des Winters zu verjagen, aber auch um den Frühling willkommen zu heißen. Zu diesem Anlass wurde ein großes Rad- oder Sonnenkreuz verbrannt, das den Jahreszeitenzyklus symbolisieren sollte. Das Kreuz, das wir heute noch kennen, wäre dann die vereinfachte Darstellung des keltischen Symbols.

Das Wort Burg könnte auf das lateinische „combure“ oder „burere“ zurückgehen, was verbrennen bedeutet."

Eine weitere Erklärung für die Herkunft des Burgbrennens liefern die Römer. Das Fest ist demnach eine Überlieferung ihrer Neujahrsfeier. Dem römischen Kalender zufolge beginnt das neue Jahr am 1. März. Außerdem würde dies auch erklären, wieso von einer Burg gesprochen wird, wenn es sich doch eigentlich um ein Kreuz handelt. Das Wort Burg soll sich über die Jahre aus dem lateinischen Begriff „combure“ oder „burere“ abgeleitet haben, das verbrennen bedeutet. Ob es sich dabei um zwei verschiedene Bräuche handelt oder die Römer das Fest von den Kelten übernommen haben, ist umstritten.

Auch in anderen Regionen werden ähnliche Feste gefeiert und am ersten Fastensonntag Konstruktionen aus Holzresten und Gartenabfällen verbrannt – etwa beim Hüttenbrennen in der Eifel, beim Biikebrennen in Schleswig-Holstein oder beim Funkenfeuer im Schwabenland.

Angriff auf Nachbarburgen

In manchen Dörfern in Luxemburg werden auch noch die alten Gebräuche rund ums Burgbrennen zelebriert. Wie etwa, dass jenes Paar, das zuletzt im Dorf geheiratet hat, die Burg anzündet. Ein weiterer Brauch ist es, über Nacht die Burg des Nachbardorfes frühzeitig anzuzünden. Aus diesem Grund werden oft Nachtposten aufgestellt, die die Burg bewachen. Den meisten Burgenbauern wird es dabei wohl nicht schwer fallen, sich die Nacht um die Ohren zu schlagen. Denn auch das Beisammensein nach getaner Arbeit und das ein oder andere Pättchen haben Tradition.


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