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Fehlende Sicherheit, fehlender Plan
Lokales 2 Min. 19.09.2018

Fehlende Sicherheit, fehlender Plan

Der Park Gerlache in Differdingen scheint tagsüber freundlich und friedlich.

Fehlende Sicherheit, fehlender Plan

Der Park Gerlache in Differdingen scheint tagsüber freundlich und friedlich.
Foto: Claude Piscitelli
Lokales 2 Min. 19.09.2018

Fehlende Sicherheit, fehlender Plan

Anne Julie HEINTZ
Anne Julie HEINTZ
In Differdingen kreisen Gruppen junger Männer und Frauen spät abends und nachts um den Park Gerlache wie Motten um das Licht. Sie sind laut, Angst einflößend und zum Teil gewalttätig. Die Bürger der Stadt fordern mehr Schutz und Sicherheitsmaßnahmen.

Nach 21 Uhr traut sich im Zentrum von Differdingen niemand mehr auf die Straße, schon gar nicht allein. Zu groß ist die Angst, überfallen, belästigt oder bedroht zu werden. Vor allem der Stadtpark Gerlache gilt bis spät in die Nacht hinein als Gefahrenzone. Dies war am Dienstagabend im Kulturzentrum Aalt Stadhaus in Differdingen bei einer Bürgerversammlung zu erfahren. Die Einwohner machten ihrem Ärger Luft und schafften sich beim Schöffenrat und bei den Vertretern der Polizei Gehör.

Puls der Bürger fühlen

Es ist jedoch kein neues, sondern ein altes und wohlbekanntes Problem, das nicht nur für die Bürger, sondern auch für die Gemeindeverantwortlichen seit Jahren ein prekäres Thema ist. Ganz bewusst und vor allem jetzt wollten Letztere den Puls bei den Gemeindebewohnern fühlen. „Beim diesjährigen Multikulti-Festival hatten wir eine Tafel mit der Zentrumskarte von Differdingen aufgestellt. Die Bürger konnten anhand von roten und schwarzen Markierungen festhalten, an welchen Orten es ihnen in der Gemeinde gefällt und wo nicht. Als wir die vielen schwarzen Punkte bemerkten, die sich auf den Park Gerlache konzentrierten, mussten wir reagieren und wollten uns die Anliegen der Gemeindebewohner anhören“, so der Differdinger Bürgermeister Roberto Traversini.


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Und in der Tat, es ist erschreckend, wenn man die Geschichten und Erfahrungen der Bürger hört. Brennpunkt sind der Park Gerlache, das Zentrum, die Rue Michel Rodange und die Avenue de la Liberté.

„Zwei Mal innerhalb von drei Monaten wurde ich von einem Exhibitionisten im Park belästigt. Ich war jeweils allein unterwegs und kann von Glück reden, dass mir nichts passiert ist“, erzählt eine Frau. Eine andere schildert die Situation der Anwohner in der Rue Michel Rodange und rund um den Park Gerlache: „Ich wohne seit vielen Jahren hier, aber ich fühle mich in meiner Straße nicht mehr sicher. Ich bleibe abends zu Hause und lasse wegen dem unerträglichen Lärm und der lauten Musik im Park und in den Bars alle Fenster nur noch geschlossen. Ich kann nicht mehr schlafen wegen dem Geschrei in den Cafés und den Gruppen vieler Männer und Jugendlichen im Park. Eine Nachbarin von mir ist morgens um 6 Uhr in unserer Straße überfallen worden. Und sie ist kein Einzelfall.“

Die Bürger der Stadt bedauern, dass durch diese Umstände die Lebensqualität in Differdingen abnimmt und das soziale Miteinander den Bach runter geht. Ihnen fehlt es an einem Sicherheitskonzept für das Zentrum der Stadt und an pädagogischen Maßnahmen, um diese Leute und Gruppen aufzufangen.

Vorschläge für mehr Sicherheit

Hört man sich die Wunschliste in puncto Sicherheit der Bürger an, ist eine stärkere Präsenz der Polizei aber deutlich wünschenswert. Auch viele weitere Vorschläge wurden diesbezüglich gemacht: Kameraüberwachung, den Park und das Zentrum heller beleuchten, Streetworker einsetzen, den Park nachts zusperren, pädagogische Unterstützung der Jugendlichen und Gruppen im Park, den Bars die Sperrstunden verkürzen, und so weiter.

„In Differdingen treffen 117 verschiedene Nationalitäten aufeinander. 57 Prozent der Einwohner sind Nicht-Luxemburger. Wir müssen dafür sorgen, dass ein friedliches Miteinander die Regel ist", so Bürgermeister Traversini.

Intensiv will er zusammen mit dem Schöffenrat nach Lösungen suchen, ein Konzept ausarbeiten und vor allem noch mehr in die Präventionsarbeit bei Jugendlichen investieren.


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