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Fatima-Wallfahrt: Glauben und grillen
Lokales 106 5 Min. 10.05.2018 Aus unserem online-Archiv

Fatima-Wallfahrt: Glauben und grillen

Tausende Pilger nahmen an der Fatima-Wallfahrt in Wiltz teil.

Fatima-Wallfahrt: Glauben und grillen

Tausende Pilger nahmen an der Fatima-Wallfahrt in Wiltz teil.
Foto: Anouk Antony
Lokales 106 5 Min. 10.05.2018 Aus unserem online-Archiv

Fatima-Wallfahrt: Glauben und grillen

Tausende Menschen sind auch diesmal wieder an Christi Himmelfahrt nach Wiltz gekommen. Während die einen mit vollbepackten Rucksäcken zu Fuß bis dorthin gepilgert sind, haben andere Grill, Kühltruhen und reichlich Essen in den Kofferraum ihres Autos gepackt und sind losgefahren. Dies, um vor Ort der Muttergottes von Fatima zu huldigen und eine schöne Zeit zu verbringen.

VON DIANA HOFFMANN UND ROSA CLEMENTE

Der Zug in Richtung Wiltz war an diesem Morgen gut gefüllt. Doch wo wollen diese Menschen bloß hin, so vollgepackt, wie einige von ihnen sind? In den Urlaub – mit Tüten? Und wieso haben so viele Blumen mit dabei und sind ziemlich schick angezogen? Wer nicht wusste, dass Christi Himmelfahrt war und in Wiltz die Wallfahrt zur Heiligen Muttergottes von Fatima stattfand, dem könnten die Zugpassagiere kurz nach 9 Uhr am Donnerstag möglicherweise sonderbar geschienen haben.

Zu den Mitfahrenden gehörten unter anderem rund 20 Jugendliche der Gruppe Jovens de Cristo aus Luxemburg-Stadt, die mit ihrer guten Laune für Stimmung sorgten. Begleitet wurden sie von einer Schwester. „Wir sind dieses Jahr zum zweiten Mal dabei und freuen uns, an den verschiedenen Aktivitäten teilzunehmen“, sagte sie. Nach einer Stunde Fahrt stieg die Gruppe am Bahnhof in Wiltz aus und folgte den Menschen, die sich in Richtung Zentrum bewegten. Dort angekommen, waren sie aber bei Weitem nicht die Ersten.

Etwas für die Füße

Viele Pilger kamen von weither und waren bereits seit mehreren Stunden auf den Beinen. Ihre Füße schmerzten. Betreut wurden sie vor Ort in einem kleinen Raum unweit der Kirche. Hier sorgten die Pfadfinder der Gruppe Saint-Alphonse Luxembourg für Kaffee und Plätzchen. „Wir verarzten die kleinen Wehwehchen an den Füßen der Pilger, machen eine pflegende Fußmassage und bieten eine kleine Verstärkung an“, erklärte Stéfanie, ein Mitglied der Pfadfindergruppe. 

Auch die Füße von Adelaide Sousa steckten bereits in einer Wanne mit warmen Wasser. „Ich pilgere bereits seit 20 Jahren nach Wiltz. Unsere Gruppe von circa 70 Leuten ist am Vortag gegen 6.45 Uhr von Luxemburg-Stadt aus losgegangen. Die Nacht haben wir in einem Hotel im Heiderscheidergrund verbracht und sind am Morgen dann bis nach Wiltz weitergepilgert“, erklärte die Gläubige.

Während die erschöpften Pilger sich einen Augenblick Pause gönnten, war auf der Straße das Fest bereits in vollem Gange. Auf dem Grill brutzelten um 10 Uhr die ersten Bifanas, doch der Hunger ließ noch auf sich warten. Die Menschen tummelten sich vor den Blumenständen, an denen sie Nelken oder Rosen als Geschenk für die Muttergottes erwarben. Mit ihren Sträußen in der Hand spazierten sie zur Kirche, vor der sich bereits viele Menschen versammelten.

Bevor es hineinging, wollten viele noch Kerzen kaufen. Im Innern dann warteten die einen geduldig in einer Schlange, um zur Fatima zu gelangen, andere stimmten in das Kirchenlied auf Portugiesisch ein. Es herrschte eine besondere Atmosphäre. Der Anblick der Muttergottesstatue von Fatima rührte manche so sehr, dass ihnen die Tränen in die Augen schossen. Vorne angekommen, stellten die Gläubigen kleine weiße Kerzen auf Metalltischen auf. Jedoch war der Andrang dermaßen groß, dass die Organisatoren sie quasi im Sekundentakt entfernen mussten, um Platz für neue zu schaffen. Die Kirche füllte sich mit dem Rauch der erloschenen Kerzen. Um die Statue herum häuften sich die farbigen Blumen in etlichen Vasen.

Aus der Kirche auf den Hügel

Das Rosenkranzgebet war vorüber, einige Gläubige verließen die Kirche. Schwerfällig erhoben sich Menschen mit gelben Westen von ihren Stühlen. Sie hatten eine mehrstündige Wanderung hinter sich. Ob sie in knapp vier Stunden noch bei der großen Prozession teilnehmen werden? „Ganz sicher“, meinte ein Mann Mitte 40.

Um 14.30 Uhr dann der Höhepunkt der Wallfahrt: Die Prozession im Beisein von Erzbischof Jean-Claude Hollerich und dem Erzbischof von Braga, Jorge Ferreira da Costa Ortiga begann. Die Muttergottesstatue verließ reich geschmückt die kleine Kirche. Quer durch die Straßen von Wiltz wurde sie getragen. Einen steilen Hügel ging es hoch, vorbei an Feldern, an gelben Blumen und Kühen. Trotz des nicht gerade sonnigen Wetters, ließen es sich Tausende Menschen nicht nehmen die Muttergottes auf dem anderthalb Kilometer langen Weg zu begleiten. Die Pfadfinder von Saint-Alphonse Luxembourg sicherten sie mit Seilen ab. „Manche Gläubige wollen der Statue ganz nahe sein und sie anfassen. Das geht natürlich nicht“, erklärt Stéfanie. Nach einer guten Stunde hatte die Muttergottesstatue dann ihren vorläufigen Platz auf dem Hügel erreicht. Von dort aus überblickte sie nun das gesamte Tal. Zu ihren Ehren wurde dort oben eine Messe gehalten.

Die ganz Tapferen pilgerten danach noch für eine Abschiedszeremonie zurück in die Kirche. Alle anderen gaben sich jedoch spätestens jetzt dem Feiern hin. Denn, mindestens so wie die Fatima zu Wiltz gehört, so gehört auch das Grillen unter Freunden und mit der Familie an Christi Himmelfahrt einfach dazu.


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