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"Faire Chancen für alle Schüler"
Lokales 2 Min. 24.09.2018

"Faire Chancen für alle Schüler"

Bei der Besichtigung der Räumlichkeiten zeigte Großherzogin Maria Teresa großes Interesse an den Betreuungs- und Therapieformen.

"Faire Chancen für alle Schüler"

Bei der Besichtigung der Räumlichkeiten zeigte Großherzogin Maria Teresa großes Interesse an den Betreuungs- und Therapieformen.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 2 Min. 24.09.2018

"Faire Chancen für alle Schüler"

Nadine SCHARTZ
Nadine SCHARTZ
Seit diesem Montag hat das neue „Centre de développement des apprentissages Grande-Duchesse Maria Teresa“ in Strassen offiziell seine Türen geöffnet. Die Einrichtung richtet sich vor allem an Kinder mit Lernschwierigkeiten oder Konzentrationsproblemen.

Etwa fünf Prozent der Luxemburger Schüler sind von Lern- beziehungsweise Konzentrationsschwierigkeiten betroffen. Bis dato gab es jedoch gerade für diese Kinder keine auf sie spezialisierte, staatliche Hilfestellung. Wenn Lernprobleme wie Dyslexie, Dysphasie oder Dyscalculie erkannt wurden, wurden die betroffenen Kinder und Jugendlichen von privaten oder staatlich anerkannten Dienstleistern unterstützt. Doch erst nach dem in 2016 organisierten „Dysforum“ wurde deutlich, wie groß der Bedarf eines nationalen Kompetenz-zentrums ist. Mit dem Centre de développement des apprentissages Grande-Duchesse Maria Teresa (CDA) wurde nun am Montagvormittag in Strassen eine von neun im Gesetz vom 20. Juli vorgesehenen Strukturen offiziell im Beisein von Großherzogin Maria Teresa eröffnet.

Allerdings werden diese Räumlichkeiten an der Rue Thomas Edison nur während einer Übergangsphase genutzt; für 2021 ist bereits der Umzug in ein neues Gebäude geplant. Nichtsdestotrotz wurde die aktuelle Struktur den Bedürfnissen entsprechend eingerichtet. So befinden sich dort 16 Therapie- und Beratungsräume, zwei Psychomotoriksäle, drei Zimmer für Fortbildungen und Konferenzen sowie Büros für die Verwaltung.

Im Erdgeschoss wurde unterdessen der sogenannte Troisième Lieu – das Informations- und Dokumentationszentrum des CDA eingerichtet. Dieses umfasst unter anderem eine Bibliothek, eine „Testothèque“, in der Personen mit einer sozio-edukativen Berufsausbildung Standardtests zur Verfügung gestellt werden, sowie einen Raum, in dem sich Bücher, pädagogische Spiele und Lernprogramme befinden. Wie CDA-Direktor Alex Kockhans gestern in seiner Ansprache unterstrich, soll der „Troisième lieu“ zu einem Treffpunkt und Ort des Austauschs werden.

Alex Kockhans leitet das neue Centre de développement des apprentissages Grande-Duchesse Maria Teresa in Strassen.
Alex Kockhans leitet das neue Centre de développement des apprentissages Grande-Duchesse Maria Teresa in Strassen.
Foto: Pierre Matgé

Hauptziel: Inklusion der Kinder

Hauptziel des CDA ist aber vor allem die schulische und soziale Inklusion der Kinder im geregelten Schulsystem. Dabei wird in der ersten Phase eine Bindung zwischen dem Heranwachsenden und den Mitarbeitern aufgebaut, bevor eine Diagnose und eine auf die Bedürfnisse des Kindes angepasste Betreuung erstellt wird. Zusätzlich wird Wert auf die Zusammenarbeit mit dem Umfeld des Schülers – Eltern, Lehrer, Betreuer – gelegt. Darüber hinaus werden in dem Kompetenzzentrum Fortbildungen und Coaching für Fachkräfte angeboten.

Das Team des CDA besteht aus 28 Mitarbeitern, darunter Psychologen, Pädagogen, Psychomotoriker, Sprachtherapeuten und Lehrer. Im laufenden Schuljahr richtet sich die Betreuung an die Grundschüler. Zur Rentrée 2019 soll das Angebot auf die Lyzeumschüler ausgeweitet werden. In diesem Zusammenhang richtete Alex Kockhans denn auch einen Aufruf in Richtung Unterrichtsminister Claude Meisch: „Wir brauchen dafür das nötige Personal.“

Der Minister hob unterdessen die Wichtigkeit eines solchen Zentrums hervor und erklärte, dass es dabei vor allem darum gehe, Probleme möglichst früh zu erkennen und jedem Kind eine faire Chance zu geben, sich im Schulsystem zu integrieren. „Dies ist ein sehr bewegender Moment für mich“, gab Großherzogin Maria Teresa zu verstehen. Da bei ihrem Sohn Louis ebenfalls Dyslexie diagnostiziert wurde, wisse sie aus eigener Erfahrung, was dies für die Kinder selbst, aber auch für die Eltern und Lehrer bedeute. Umso wichtiger sei es, dass nun etwas für die Betroffenen getan werde, so die Großherzogin.


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