Fahrzeug-Attacken

Was bringen die Betonblöcke?

Mittlerweile sind sämtliche Zugangswege zur Schueberfouer mit Betonblöcken gesichert.
Mittlerweile sind sämtliche Zugangswege zur Schueberfouer mit Betonblöcken gesichert.
Foto: Gerry Huberty

Von Michel Thiel

Fehlende Fahrzeug-Hindernisse gegen mögliche Terrorattacken an mehreren Zugängen zur diesjährigen Schueberfouer sorgten zur Eröffnung des Volksfests am Mittwoch für hitzige Diskussionen in der Öffentlichkeit. Zahlreiche Bürger äußerten in den sozialen Netzen ihr Unverständnis dafür, dass nach den rezenten Fahrzeug-Attacken durch Terroristen in Katalonien und Frankreich derartige Sperren auf der Schueberfouer erst installiert wurden, nachdem der Jahrmarkt bereits eröffnet war.

Bürgermeisterin Lydie Polfer sagte dem "Luxemburger Wort" auf Nachfrage, dass ein Teil der Beton-Hindernisse aus organisatorischen Gründen erst am zweiten Tag aufgestellt worden sei: "Ein Fahrgeschäft konnte erst am Dienstagabend aufgebaut werden und die Installation war am Mittwochnachmittag nicht möglich, weil die Fouer bereits eröffnet war".

Rund um das Glacis-Feld seien 80 Blöcke an strategisch wichtigen Stellen aufgestellt worden, so Polfer. Dies sei in Absprache mit der Polizei geschehen, die prinzipiell für die Sicherheit auf der Schueberfouer zuständig sei: "Wir haben dieses Jahr die doppelte Zahl an Blöcken gegenüber dem Vorjahr aufgestellt, vor allem aufgrund der räumlichen Neuorganisation des Jahrmarkts." Nach einer weiteren Risikoeinschätzung würden derzeit 20 zusätzliche Blöcke aufgestellt, so Polfer: "Wir nehmen Sicherheitsfragen in solchen Fällen sehr Ernst und arbeiten eng mit der Polizei und anderen staatlichen Diensten zusammen".

Die Betonblöcke sind als permanente Lösung ungeeignet, da die Zugänge für Sicherheitskräfte und Zulieferer passierbar sein müssen.
Die Betonblöcke sind als permanente Lösung ungeeignet, da die Zugänge für Sicherheitskräfte und Zulieferer passierbar sein müssen.

Bei der Polizei wollte man die verzögerte Aufstellung der Fahrzeugsperren nicht kommentieren, da die Logistik in den Zuständigkeitsbereich der Stadtverwaltung fallen würde. Eine Sprecherin unterstrich jedoch, dass die Polizei eine mobile Wache auf dem Jahrmarkt betreibe und auch regelmäßig Streifengänge auf dem Glacis und im Stadtpark durchführe. Weitere Details über zusätzliche Vorkehrungen gegen Terroranschläge wollte die Sprecherin "aus polizeitaktischen Gründen" jedoch nicht liefern.

Luc Feller vom "Haut comissariat à la protection nationale", der Leiter der staatlichen Stelle also, die unter anderem für die landesweite strategische Planung im Sicherheitsbereich zuständig ist, weist zudem darauf hin, dass der Einsatz von Fahrzeug-Sperren komplex sei und sich nicht von einem Standort auf den anderen übertragen lasse: "Die Polizei ist für die Planung und Beratung zuständig, die Organisatoren für die Umsetzung. Wie solche Maßnahmen konkret aussehen, muss sich jeweils nach den spezifischen Gegebenheiten vor Ort richten."

Wirksamkeit der Betonblöcke umstritten

Die Wirksamkeit einfacher Betonblöcke als Hindernis gegen Fahrzeug-Attacken ist zudem umstritten. Ein Test, der im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks von der Prüfgesellschaft Dekra durchgeführt wurde, war in diesem Zusammenhang aufschlussreich. Auf den Prüfstand kamen Betonblöcke mit einer Kantenlänge von 0,8 mal 0,8 mal 1,6 Metern und ein Gewicht von 2,4 Tonnen, wie sie auch in Luxemburg eingesetzt werden.

Ein Lastwagen mit einem Gesamtgewicht von zehn Tonnen, wie er auch beim Anschlag in Nice benutzt wurde, durchbrach mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde die Sperren oder schob sie einfach zur Seite, ohne das der Lastwagen gestoppt werden konnte. 

Die geringe Effektivität solcher Sperren ergibt sich vor allem dadurch, dass sie nicht am Boden fixiert sind und bei einer Kollision einfach verschoben werden. Sie eignen sich also vor allem als provisorische Lösung.

Fest installierte Fahrzeughindernisse aus Stahl bieten einen wesentlich besseren Schutz und können zudem so konzipiert werden, dass sie bei Bedarf eingefahren werden können, um beispielsweise Rettungskräften den Zugang zu erlauben.

Solche Lösungen sind aber teurer und erfordern eine langwierigere Planung und Umsetzung. Bei der rezenten Erneuerung des Glacis-Felds spielte dieser Aspekt offenbar kaum eine Rolle. Während zehn Monaten wurden unter anderem Infrastrukturen wie Abwasserkanäle, Strom- und Gasleitungen sowie die Straßenbeleuchtung erneuert. Die Arbeiten waren zwar wie angekündigt rechtzeitig zur Schueberfouer abgeschlossen. Besondere Sicherheitsmaßnahmen wurden aber nicht umgesetzt.

Feste Sperrvorrichtungen im Stadtzentrum geplant

Da in absehbarer Zeit nicht damit zu rechnen ist, dass die Gefahr durch Fahrzeug-Attacken abnimmt, plant die Stadtverwaltung  nun die Installation fester Sicherheitsschranken an den Zufahrten zu den Fußgängerzonen der Hauptstadt, wie Bürgermeisterin Lydie Polfer bekanntgab: "Wir ziehen die Installation geeigneter Lösungen in Betracht, da ohnehin eine Erneuerung der Infrastrukturen im Stadtkern ansteht."

Genau wie auf der Schueberfouer müssten sich solche Sperren natürlich bei Bedarf öffnen lassen, um Rettungseinsätze und die Belieferung von Geschäften zu erlauben.