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Facebook-Foto sorgt für Aufregung: Flüchtlinge bemängeln inakzeptable Umstände
Das Bild schlägt unter den Flüchtlingen hohe Wellen.

Facebook-Foto sorgt für Aufregung: Flüchtlinge bemängeln inakzeptable Umstände

(Foto: Facebook)
Das Bild schlägt unter den Flüchtlingen hohe Wellen.
Lokales 7 2 Min. 30.09.2016

Facebook-Foto sorgt für Aufregung: Flüchtlinge bemängeln inakzeptable Umstände

Laurence BERVARD
Einige Flüchtlinge haben die Nase voll. Vorgestern erschien ein vielsagendes Foto auf der Facebook-Seite „Iraqis in Luxembourg“, das die Zustände im Foyer von Bourscheid darstellen soll.

(lb) - Vorgestern erschien ein vielsagendes Foto auf der Facebook-Seite „Iraqis in Luxembourg“, das offensichtlich die Zustände im Foyer von Bourscheid im Norden des Landes darstellen soll, in dem Flüchtlinge untergebracht sind. Auf dem Foto sieht man eine selbst gebastelte Vogelscheuche, die geknebelt ist und die Augen verbunden hat. Zudem ist sie mit dem linken Arm an einen Mast gefesselt. Darüber hängt ein Schild mit der Aufschrift „Prison Guantánamo in Bourscheid“. Das Bild schlägt unter den Flüchtlingen hohe Wellen.

„Die Zustände in Bourscheid sind eine Zumutung“, so ein Asylbewerber im Gespräch mit dem LW. Er berichtet, wie die Menschen dort in den Chalets vom „Office luxembourgeois de l'accueil et de l'intégration“ (OLAI) untergebracht sind: In einigen Chalets würden bis zu acht Bewohner auf engstem Raum zusammen wohnen, meist vier pro Zimmer. Es gebe nur eine Toilette, auch nur eine Dusche. Morgens und abends stünden die Bewohner Schlange.

Zudem mache ihnen die Isolation zu schaffen. Um in die Hauptstadt zu gelangen, wo die Sprachkurse stattfinden, müsste zunächst ein 15-minütiger Marsch durch den Wald zurückgelegt werden – danach seien es nochmals knapp zwei Stunden bis zur Ankunft in der Hauptstadt. An Wochenenden gebe es fast keine Busse. „Ich fühle mich dort wie in einem Gefängnis, weil ich nicht weg kann“, betont der Asylbewerber.

Psychologische Misshandlung

ASTI-Präsidentin Laura Zuccoli überrascht diese Frustration nicht. „Man muss wissen, dass im Foyer in Bourscheid nur Männer leben, und man darf nicht vergessen, dass sie keine Arbeit und oft auch keine Beschäftigung haben. Wenn sie dann in solchen Zuständen leben, dann sind diese für sie nach einigen Monaten einfach nicht mehr hinnehmbar. Dort leben gut ausgebildete Menschen, mit Diplomen, die sich hier in gewissem Sinne wie der letzten Dreck behandelt fühlen“, bemängelt Zuccoli. In anderen Foyers, wie beispielsweise im „Don Bosco“ in Limpertsberg sei der Unmut vergleichbar.

Die Leiterin des Integrationsprojektes Sportunity, Eryn Aleksandrova, die den sozialen Zusammenhalt fördert, indem sie sportliche Aktivitäten für Flüchtlinge anbietet, geht noch weiter: „Es gibt mehrere Hinweise dafür, dass das OLAI einige Flüchtlinge psychologisch misshandelt (,psychological mistreatment‘). Das OLAI genießt unter Flüchtlingen den schlechtesten Ruf überhaupt.“ Auch Zuccoli unterstreicht: „Regelmäßig beschrieben uns die Flüchtlinge ihre Hilflosigkeit und das Gefühl, vom OLAI allein gelassen zu werden.“ Das OLAI war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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