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Eyecatcher für die römische Siedlung
Lokales 4 Min. 22.06.2019

Eyecatcher für die römische Siedlung

Nur ein Bruchteil der antiken Kleinstadt ist ausgegraben und kann besichtigt werden.

Eyecatcher für die römische Siedlung

Nur ein Bruchteil der antiken Kleinstadt ist ausgegraben und kann besichtigt werden.
Foto: Caroline Martin
Lokales 4 Min. 22.06.2019

Eyecatcher für die römische Siedlung

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Von der römischen Kleinstadt Ricciacum bei Dalheim mit ihren einst stattlichen Ausmaßen ist bisher nur ein kleiner Teil zu besichtigen. Ein Interessenverein und der Denkmalschutz machen sich für weitere Grabungen stark.

Von der römischen Kleinstadt Ricciacum bei Dalheim mit ihren einst stattlichen Ausmaßen ist bisher nur ein kleiner Teil ausgegraben. Der Interessensverein Ricciacus-Frënn möchte das römische Erbe besser in Szene setzen und engagiert sich für weitere Grabungen. Auch das Centre national de recherche archéologique (CNRA) denkt an eine Aufwertung.

In ihrer Blütezeit im 3. Jahrhundert lebten rund 2 000 Menschen in der Siedlung mit ihrem Tempelbezirk, den Wohngebäuden und den ausgedehnten Gräberfeldern. Für einen gewöhnlichen Besucher ist von dem 35 Hektar großen Stadtgebiet nur ein kleiner Bruchteil zu besichtigen, nämlich das römische Theater und die ausgegrabenen Fundamente der Vicus-Bebauung. Der weitaus größte Teil ruht unter den Wiesen und Feldern des Hochplateaus Pëtzel.

Wie dicht unter der Erdoberfläche die Reste der Kleinstadt liegen, wissen die Landwirte der Umgebung. Beim Pflügen kommt es immer wieder dazu, dass Pflugscharen an Mauerreste aus der Römerzeit stoßen.


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Dass die Siedlungsreste nur ein paar Handbreit unter der Erde liegen, begünstigt ihre Erforschung. Durch Luftaufnahmen und geophysikalische Verfahren hat das CNRA über die Jahre präzise Erkenntnisse gewonnen. „Wir kennen das Layout der Siedlung ziemlich genau“, sagt Nena Sand. Die Archäologin des CNRA ist der gallo-römischen Stätte bei Dalheim zugeordnet.

Überraschungsfund

Nena Sand arbeitet derzeit an einem Projekt, von dem Besucher direkt etwas hätten. Im Blick hat sie eine Landparzelle an der Drei-Kanton-Straße, 200 Meter vom Dalheimer Adler in Richtung Welfringen. Dort war bereits dem Notarschreiber Ernest Dupaix in den Jahren 1863 und 1864 ein Überraschungsfund geglückt. Er war auf die Überreste eines achteckigen Tempels gestoßen – eine für diese Gegend seltene Bauform. Durch weitere Forschungen wurde hundert Jahre später klar, dass sich an dieser Stelle ein großer Tempelbezirk mit zwei weiteren Kultstätten befunden hatte.

„In den 1990er-Jahren wurden Grabungen am Standort des achteckigen Tempels unternommen“, erklärt Nena Sand. Nach dem Abschluss der Arbeiten im Jahr 1998 wurde das Gelände wieder mit Erdboden bedeckt, um die Relikte zu schützen. „Jetzt müsste man erneut nachgraben, um die genaue Lage und den Zustand des achteckigen Tempels zu klären“, sagt die Archäologin. „Anschließend kann das gesamte Ensemble der drei Tempel touristisch aufbereitet werden.“

Um den Tempelbezirk auch für Laien anschaulich zu machen, kommen im Prinzip drei Möglichkeiten infrage. Die Fundamente könnten freigelegt und aufgemauert werden, das heißt, mit neuen Steinen ergänzt werden. Die zweite Möglichkeit wäre, das Aussehen der Gebäude mit Leichtbauwänden aus Aluminium zu demonstrieren. Wenig Chancen auf Realisierung hat die dritte Möglichkeit, nämlich die Tempelgebäude ähnlich wie die Villa Borg im Saarland zu rekonstruieren. „Weil es sich bei dem achteckigen Gebäude um eine seltene Tempelform handelt, wäre es ein Eyecatcher für die gesamte archäologische Stätte“, sagt Nena Sand.

Früher hatte das Amphitheater 3 500 Sitzplätze, der heute 
zugängliche Teil fasst 130 Menschen.
Früher hatte das Amphitheater 3 500 Sitzplätze, der heute 
zugängliche Teil fasst 130 Menschen.
Foto: Volker Bingenheimer

Knackpunkt bei diesem Projekt ist das Grundstück. Die Gemeinde steht in Verhandlungen mit dem privaten Besitzer. Bürgermeister Jos Heisbourg: „Wenn das Gelände zu bekommen ist, sind wir als Gemeinde gerne dazu bereit, unseren Beitrag zu leisten.“

Unbekanntes Terrain

Noch weiter würden die Ricciacus Frënn gehen und im wahrsten Sinne des Wortes Neuland betreten. Sie haben ihr Auge auf ein Grundstück gegenüber der Säule mit dem Adler geworfen und würden sich freuen, wenn auch dort Ausgrabungen stattfinden könnten. Dort werden Fundamente von zivilen Häusern direkt an der römischen Landstraße vermutet. „Wir wissen nicht genau, was das war“, sagt Vereinspräsident Georges Karmeyer.

Sein Verein möchte mehr aus dem römischen Erbe machen und es der Bevölkerung nahebringen. Ein Anliegen wäre, das Theater komplett freizulegen und von der Straße „Neie Wee“ zu befreien, die bis jetzt noch hindurchführt. „Ziel ist es, die drei Sehenswürdigkeiten Theater, Thermen und den Vicus auf Pëtzel zu einer Stätte zu vereinigen“, sagt Karmeyer.