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Explosion in Waldhof: Ermittlungen laufen
Lokales 3 Min. 14.03.2019

Explosion in Waldhof: Ermittlungen laufen

Das Unglück ereignete sich am 14. Februar auf dem Gelände des Munitionslagers der Luxemburger Armee. Es dient auch als Stützpunkt für den Kampfmittelräumdienst.

Explosion in Waldhof: Ermittlungen laufen

Das Unglück ereignete sich am 14. Februar auf dem Gelände des Munitionslagers der Luxemburger Armee. Es dient auch als Stützpunkt für den Kampfmittelräumdienst.
Foto: Guy Jallay / LW-Archiv
Lokales 3 Min. 14.03.2019

Explosion in Waldhof: Ermittlungen laufen

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Bei einer Detonation im Militärlager in Waldhof starben vor einem Monat zwei Menschen - zwei weitere wurden schwer verletzt. Die Unfallursache ist weiterhin unbekannt.

Inmitten der Wirren des Zweiten Weltkrieges wurde sie von Menschenhand geschaffen, um Leben zu nehmen. Fast 75 Jahre nach dem Ende des Konfliktes erfüllte die etwa 48 Kilogramm schwere Artilleriegranate ihre blutige Mission, als sie am 14. Februar dieses Jahres im Munitionsdepot der Luxemburger Armee in Waldhof unerwartet ohne Zünder explodierte. Zwei Menschen starben, zwei weitere wurden verletzt – einer von ihnen lebensgefährlich.


Lokales- reportage iwert den déminage vun der Arméi - SEDAL- Service de Déminage de l’Armée Luxembourgeoise, Waffe, Minenräumung, Armée, soldat,  foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
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Luc D. und Mike B., zwei erfahrene Unteroffiziere des Kampfmittelräumdienstes, bereiteten den Sprengkörper an jenem Donnerstagmorgen für einen Abtransport nach Belgien vor, um ihn dort zu beseitigen. Eine Routinemission, wie der Chef d'Etat-major Alain Duschène nur wenige Stunden nach dem Unglück betonte. Zu den Aufgaben des Dienstes gehört nämlich unter anderem das Bergen und Zerstören von Munition aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Etwa 300 Einsätze haben sie jährlich – alleine im vergangenen Jahr wurden rund vier Tonnen Munition entsorgt.

Warum der Sprengsatz plötzlich gegen 10.30 Uhr in der Halle in Waldhof explodierte und die beiden Männer tötete, ist auch vier Wochen später weiterhin Gegenstand von Ermittlungen. Unter anderem sollen die Gutachten von mehreren Experten die Umstände des Unglückes klären, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf LW-Nachfrage. Weitere Informationen sind nicht bekannt, auch die Luxemburger Armee hält sich zur möglichen Unfallursache bedeckt und verweist auf die Ermittlungen der Justiz.

Etwa 300 Mal im Jahr bergen die Mitglieder des Service de déminage in Luxemburg Munitionsreste und Blindgänger aus beiden Weltkriegen.
Etwa 300 Mal im Jahr bergen die Mitglieder des Service de déminage in Luxemburg Munitionsreste und Blindgänger aus beiden Weltkriegen.
Foto: Chris Karaba / LW-Archiv

Möglich ist allerdings, dass der Sprengkörper jahrzehntelang als Blindgänger unter der Erde schlummerte, bevor er vom Service de déminage (Sedal) geborgen wurde. Sprengstoffexperten zufolge könnte das Geschoss durch die Witterungseinflüsse im Laufe der Zeit immer instabiler geworden sein. Unter diesen Bedingungen können auch relativ leichte Erschütterungen zu einer Detonation führen.

Zwei Verletzte und ihre Retter

Zum Zeitpunkt der Explosion befanden sich zwei weitere Unteroffiziere in der Halle, um dort Material abzuholen. Die beiden wurden verletzt, einer von ihnen lebensgefährlich. In einem Interview mit RTL-Radio betonte Verteidigungsminister François Bausch Anfang März, dass der Schwerstverletzte wohl nur überlebt habe, da eine fünfte Person ihm schnell erste Hilfe leistete und so die schwersten Blutungen stoppen konnte. Sie hatte die Halle wohl nur Sekunden vor dem Unglück verlassen. Auch zwei weitere Personen seien kurz darauf eingetroffen und hätten die Verletzten versorgt. 


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Der schwer verletzte Unteroffizier musste mehrere Stunden notoperiert werden, ist aber mittlerweile wieder aus dem Koma erwacht. Er wird zurzeit in einem Krankenhaus im Ausland behandelt. Ihm steht wohl noch ein längerer Genesungsweg bevor. Einer Sprecherin der Armee zufolge muss er noch mehrmals operiert werden. 

Die Explosion war wohl zudem deutlich heftiger als in den ersten Stunden nach dem Unglück angenommen wurde. Chef d'Etat-major hatte anfangs von leichten Schäden an der Halle gesprochen, gegenüber RTL betonte Verteidigungsminister Bausch, dass wohl doch erheblicher Schaden an dem Gebäude entstanden sei.


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Damit der Sedal seine Missionen hierzulande weiter fortsetzen kann, werden die Militärangehörigen bis auf Weiteres von der belgischen Armee unterstützt. Denn durch das Unglück sank die Zahl der Mitglieder mit einem Schlag von sechs auf vier. 

Die Anteilnahme nach dem Unfall war indes groß: Eine Woche nach dem Unglück wurde in Diekirch eine Gedenkzeremonie für die verstorbenen Soldaten abgehalten. Wenige Tage später wurden die beiden Unteroffiziere dann in ihren jeweiligen Heimatgemeinden mit militärischen Ehren beigesetzt.



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