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Ex-Richter vor Gericht: Staatsanwaltschaft lässt Strafmaß offen
Lokales 23.05.2019

Ex-Richter vor Gericht: Staatsanwaltschaft lässt Strafmaß offen

Die Angeklagten sind seit mehr als 20 Jahren befreundet.

Ex-Richter vor Gericht: Staatsanwaltschaft lässt Strafmaß offen

Die Angeklagten sind seit mehr als 20 Jahren befreundet.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 23.05.2019

Ex-Richter vor Gericht: Staatsanwaltschaft lässt Strafmaß offen

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Ein ehemaliger Richter und ein Anwalt müssen sich wegen Amtsmissbrauchs vor Gericht verantworten. Die beiden sind enge Freunde.

Das gemeinsame Fahrradtraining in der Mittagspause, ein Abendessen oder ein Wintersporturlaub: Sandro L. und Luc T. pflegen bereits seit Jahren eine gute Freundschaft. Nun müssen sie sich gemeinsam wegen Amtsmissbrauchs vor Gericht verantworten. Denn es besteht der Verdacht, dass der ehemalige Juge des tutelles, Sandro L., den Anwalt, Luc T., zwischen 2004 und 2015 bei der Verteilung von Vormundschaften bevorteilt haben soll.


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Eindeutig konnte ihnen dies aber weder von dem zuständigen Ermittler noch einem Disziplinarausschuss des obersten Gerichtshofs nachgewiesen werden, der sich bereits mit dem Fall beschäftigt hatte. Das betonten am zweiten Prozesstag die Anwälte der Angeklagten. Ihre Mandanten seien unschuldig und ihre Dossiers stets einwandfrei gewesen.

Sandro L. habe strikt zwischen Privatem und Beruflichem trennen können. Auch sei die Beziehung in Justizkreisen bekannt gewesen – nie hätte sich jemand an einer Nominierung von Luc T. gestört. Sie forderten einen Freispruch.

Schlechtes Bild der Justiz

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft sah dies anders. Auch wenn keine eindeutige Bevorteilung vorliegt, zeichne das Verhalten der Männer ein schlechtes Bild von der Justiz. Der Richter hätte die Dossiers abgeben müssen, denn durch die Freundschaft hätte sein Urteilsvermögen beeinträchtigt werden können. Er forderte einen Schuldspruch, ließ das Strafmaß aber offen.


21.09.12 cite judiciaire luxembourg, justice gericht luxemburg, justiz, gerechtigkeit,  , photo: Marc Wilwert
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Sandro L. ist wegen Amtsmissbrauchs vorbestraft. Im Juli 2017 wurde er zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt, weil er mit einer Schutzbefohlenen eine sexuelle Beziehung eingegangen war. Im Zuge dieser Affäre musste Sandro L. sein Richteramt abgeben. Das Urteil ergeht am 20. Juni.


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