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Ex-Polizist soll Interna verraten haben
Lokales 2 Min. 19.07.2017 Aus unserem online-Archiv
Fall Tanja Gräff

Ex-Polizist soll Interna verraten haben

Der Fall Tanja Gräff beschäftigt die Justiz auch noch nach Einstellung des Ermittlungsverfahrens.
Fall Tanja Gräff

Ex-Polizist soll Interna verraten haben

Der Fall Tanja Gräff beschäftigt die Justiz auch noch nach Einstellung des Ermittlungsverfahrens.
Foto: Steve Remesch
Lokales 2 Min. 19.07.2017 Aus unserem online-Archiv
Fall Tanja Gräff

Ex-Polizist soll Interna verraten haben

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Der Fall der vermissten Trierer Studentin Tanja Gräff ist kaum zu den Akten gelegt, da beginnt das juristische Nachspiel: Der Staatsanwalt ermittelt laut dem "Trierischen Volksfreund" gegen einen pensionierten Kriminalpolizisten.

(tom) - Wie der "Trierische Volksfreund" in seiner online-Ausgabe berichtet, hat die Koblenzer Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen einen pensionierten Polizeibeamten aufgenommen. Der Mann soll möglicherweise Dienstgeheimnisse verraten haben, als er in einem Zeitungsartikel in einer nordrhein-westfälischen Zeitung die Ermittlungsarbeiten seiner ehemaligen Kollegen im Fall Tanja Gräff heftig kritisierte und aus seiner Sicht verdächtige Personen ins Gespräch brachte, die nicht gründlich genug verhört worden seien. Eine im Bericht genannte Person hatte nach Veröffentlichung Anzeige erstattet. 

Die Trierer Studentin Tanja Gräff war im Juni 2007 vom Sommerfest an der Fachhochschule spurlos verschwunden. Erst Jahre später, im  Mai 2015, wurden ihre sterblichen Überreste am Fuß einer rund 50 Meter hohen Felswand nahe der Fachhochschule entdeckt. Erste Untersuchungen schlossen auf einen Unfalltod - die junge Frau sei in die Tiefe gefallen und an den Folgen des Aufpralls verstorben. Im Juni 2017 hatte die Trierer Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren eingestellt. Es gebe keine hinreichenden Beweise für ein Fremdverschulden.

Kritik an Polizei, Staatsanwaltschaft und Ministerium

Während der "Volksfreund" keine Namen nennt, liegt der Schluss nahe, dass es sich bei dem pensionierten Polizisten um Günter Deschunty handelt. Er hatte Anfang 2015 zunächst in einem Leserbrief an den "Trierischen Volksfreund" seine ehemaligen Kollegen der Sonderkommission kritisiert. Die Ermittlungen seien "völlig unzureichend" gewesen. "Eine Handvoll Verantwortliche" bei Staatsanwaltschaft und Justizministerium blockierten die Ermittlungen, so Deschunty weiter. Den Leserbrief hatte ein Journalist des "Bonner Generalanzeigers" aufgegriffen und den Fall Tanja Gräff inklusive Deschuntys Sichtweise detailliert zusammengefasst

Die Trierer Staatsanwaltschaft nannte die Vorwürfe "haltlos", Polizeisprecher Uwe Konz sagte damals im Gespräch mit dem "Luxemburger Wort", die Aussagen des Ex-Polizisten seien "anmaßend und abwegig" und kündigte Ermittlungen an: "Wir prüfen, ob Herr Deschunty gegen dienstrechtliche Pflichten verstoßen hat."

Diese Ermittlungen liegen jetzt laut "Volksfreund" bei der Staatsanwaltschaft Koblenz. Der Trierer Oberstaatsanwalt Peter Fritzen begründet das gegenüber der Trierer Lokalzeitung damit, dass man "jeglichem Anschein einer etwaigen Voreingenommenheit" habe vorbeugen wollen. Im Zuge der Ermittlungen wurde die Wohnung des pensionierten Beamten durchsucht und Dateien auf seinem Computer sichergestellt, die jetzt ausgewertet werden sollen. 

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