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Europol sucht Luxemburger Mafia-Handlanger
Lokales 6 3 Min. 22.10.2019

Europol sucht Luxemburger Mafia-Handlanger

Europol sucht Luxemburger Mafia-Handlanger

Foto: Enfast
Lokales 6 3 Min. 22.10.2019

Europol sucht Luxemburger Mafia-Handlanger

Yeon Choy Teoh gilt als Mitglied der chinesischen Triaden und war 2003 an einer Schutzgelderpressung in Mamer beteiligt. Als er 2008 zu zwölf Jahren Haft verurteilt wird, taucht er unter.

(str) - Es wurde lange Zeit angenommen, dass die chinesische Mafia, die sogenannten Triaden, im Großherzogtum ebenso vertreten und aktiv sei wie im europäischen Ausland.

Gewissheit gab es aber erst nach einem blutigen Zwischenfall im Jahr 2003 in Mamer und den daraus hervorgehenden Prozessen in den Jahren 2006, 2007 und 2008. Dabei offenbarte sich eine von Angst regierte und sehr verschlossene Parallelwelt unter chinesischen Restaurantbetreibern.

Nun ist dieser Teil der heimischen Kriminalgeschichte wieder brandaktuell. Denn die Luxemburger Abteilung der europäischen Zielfahndungseinheit Enfast hat einen der Verurteilten, der vor seinem Haftantritt untergetaucht war, auf die Europol-Liste der meistgesuchten Verbrecher Europas gesetzt.

Zu zwölf Jahren Haft verurteilt

Yeon Choy Teoh, der im kriminellen Milieu auch unter den Decknamen Suzuki und Tai Lau bekannt ist, war im Januar 2008 in zweiter Instanz zu einer Haftstrafe von zwölf Jahren verurteilt worden. Doch dann tauchte er unter.

Yeon Choy "Suzuki" Teoh ist in Luxemburg als Mitglied einer kriminellen Organisation und wegen Schutzgelderpressung verurteilt.
Yeon Choy "Suzuki" Teoh ist in Luxemburg als Mitglied einer kriminellen Organisation und wegen Schutzgelderpressung verurteilt.
Foto: Enfast

Fünf Jahre zuvor hatte er bei einem Erpressungsversuch in einem China-Restaurant in Mamer eine lebensbedrohliche Schusswunde erlitten. Er überlebte allerdings und die Ermittlungen führten auch zur Verurteilung der zwei mutmaßlichen Paten der chinesischen Mafia in Luxemburg, den Brüdern W., die seit fast 40 Jahren in Luxemburg leben.

Yeon Choy Teoh hingegen lebte zur Tatzeit in Belgien. Wie der Prozess zeigte, war er ein Handlanger der Luxemburger Triaden, der deren Interessen – Schutzgelderpressung, Menschenhandel, Kreditwucher und Drogenhandel – im Großherzogtum unter Gewaltanwendung vertrat.

In Belgien stand er zum Zeitpunkt seiner Festnahme zudem unter Mordverdacht. Verurteilt wurde er deswegen aber nicht.

Restaurantbetreiber leistet Widerstand

So war er den Ermittlungen zufolge auch am 21. Januar 2003 aus Belgien angereist, um gemeinsam mit Komplizen in Mamer den widerspenstigen Restaurantbesitzer des „Golden Dragon“ zur Zahlung von Schutzgeld zu bewegen. Dieser hatte bereits 25.000 Euro an die Triaden gezahlt und weigerte sich, weitere Zahlungen zu leisten.

Als die beiden Mafiosi den Restaurantbesitzer mit einer Waffe bedrohten, kam es zu einem Gerangel. Aus der Waffe eines Komplizen löste sich ein Schuss und traf Yeon Choy Teoh in die Brust.


Seit Februar 2018 suchen Luxemburger Kripo-Spezialisten hauptamtlich nach flüchtigen Straftätern.
Im Visier der Zielfahnder
Über Monate sammeln sie jedes Detail aus dem Leben ihrer Zielperson, bis sie jeden ihrer Schritte nachvollziehen können. Dann schnappt die Falle zu.

Die beiden Angreifer wurden noch vor Ort von der Polizei gestellt, ein weiterer, unbekannter Täter, der in einem bereitstehenden Wagen wartete, entkam mit der Tatwaffe. Teoh wurde noch vor Ort von der Polizei gestellt und in einem Krankenhaus notoperiert.

Er kam zunächst in Untersuchungshaft. Bereits im August 2003 wurde ihm dann aber Haftverschonung gewährt. Nach der Urteilsverkündung in zweiter Instanz, am 29. Januar 2008, verschwand er von der Bildfläche. Seitdem wird nach ihm gefahndet.

Gefährlich und bewaffnet

Wie Enfast auf der Europe's-Most-Wanted-Webseite schreibt, lebt Yeon Choy Teoh heute möglicherweise unter falscher Identität in Europa – eventuell in Belgien. Der Flüchtige gilt als gefährlich und bewaffnet. Der heute 56-Jährige spricht Englisch, Französisch, Kantonesisch und Mandarin. Hinweise, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden, nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Die Luxemburger Enfast-Einheit sucht indes auch noch immer nach drei weiteren Flüchtigen: Der wegen Raubmords verurteilte Jean Marc Sirichai Kiesch wird in Thailand vermutet. Mohamed Ezzi, der seine Frau bis zur Blindheit misshandelt hatte, ist in Tunesien untergetaucht. Und der G4S-Räuber Cihan Guzel wird auch heute noch im belgischen schwerkriminellen Milieu vermutet. Zu Letzterem liegt ein neues Fahndungsfoto vor.


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