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Europatag: Bürgermeister zeigen Flagge
Lokales 21 1 2 Min. 09.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Europatag: Bürgermeister zeigen Flagge

In Schengen zündete Kardinal Hollerich eine Kerze an.

Europatag: Bürgermeister zeigen Flagge

In Schengen zündete Kardinal Hollerich eine Kerze an.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 21 1 2 Min. 09.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Europatag: Bürgermeister zeigen Flagge

Seit Wochen sorgen die Kontrollen an den Übergängen nach Luxemburg für Frust. Am Samstag setzten Gemeindevertreter von hüben wie drüben nun gemeinsam ein Zeichen für ein Europa der offenen Grenzen.

(jl/vb) - Noch waren die Lobeshymnen auf das große Gemeinschaftsprojekt Europa nicht verhallt, die zum 75-Jahr-Gedenken an die Endphase des Zweiten Weltkriegs über den Mahnmälern erklungen waren, da erhob im März auch schon das Europa der Einzelstaaten wieder voller Inbrunst sein altes Lied.

Statt im Angesicht eines Virus, das keine geografischen Linien kennt, eine gemeinsam agierende Front zu bilden, fielen an zahlreichen EU-Binnengrenzen wie instinktiv wieder die Schlagbäume – und bei manchem Staatenlenker wohl auch die sonst gern getragene paneuropäische Maske.

Europa der Bürger ergreift das Wort

Anlässlich des Europatags erhob dagegen nun am Samstagvormittag das Europa der Bürger seine Stimme. Das Europa jener Menschen, die in einer mittlerweile eng verknüpften Großregion seit Jahrzehnten gutnachbarschaftliche Beziehungen pflegen, zusammen leben, zusammen arbeiten und zusammen wachsen.  

Stellvertretend für diese hatten sich so jedenfalls die Bürgermeister zahlreicher Luxemburger Grenzgemeinden mit ihren Amtskollegen aus den deutschen, belgischen und französischen Nachbarkommunen an den Grenzübergängen verabredet, um die zuvor auf halbmast gesenkten EU-Flaggen wieder bis zum Anschlag zu hissen und eine unverzügliche Beendigung der Grenzkontrollen einzufordern, die zuletzt zunehmend als Belastung und Beschämung empfunden worden waren und auch Misstrauen und Ressentiments zwischen den Nationen neu geschürt hatten. 

Hier ein Video aus Wormeldingen: 

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Bekenntnis zu offenem Europa

Ein Akt, der zugleich als klares Bekenntnis zu einer solidarisch und vereint agierenden Union verstanden werden sollte, und der natürlich gerade in Schengen besondere Symbolkraft entfaltete, steht der Moselort doch seit 1985 mit seinem Namen für den freien Güter- und Personenverkehr in Europa.


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Doch auch andernorts setzte der grenzübergreifende Schulterschluss dem Verdruss über die EU ein deutliches Zeichen des festen Glaubens an die europäische Idee entgegen.

Umgeben vom EU-Abgeordneten Christophe Hansen und CSV-Präsident Fränk Engel sowie den Bürgermeistern der Region zeigte sich der Vorsitzende des Gemeindeverbunds Syvicol, der Clerfer Bürgermeister Emile Eicher, an der Dasburgerbrücke überzeugt, dass die grenzüberschreitenden Verbindungen und Freundschaften an der Our allzu stark seien, als dass sie durch die derzeitige Krise auseinanderbrechen könnten.

"Wir sind Europa!"

Und auch Amtskollege Andreas Kruppert von der Verbandsgemeinde Arzfeld versprach, dass weder ein Virus noch Grenzkontrollen einen Keil zwischen die Nachbarn treiben werden: „Wir halten zusammen, wir stehen zusammen, wir sind Europa!“ 

Wasserbilliger Brücke

Bei einer Gedenkveranstaltung an der Wasserbilliger Brücke waren der deutsche Botschafter in Luxemburg, Dr. Heinrich Kreft, und der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe zu Gast. Leibe, der mit einem durch den Merterter Bürgermeister Jérôme Laurent unterzeichneten Passierschein die Grenze überschritten hatte, zweifelte den Nutzen der Polizeikontrollen an. "Die Polizisten tun mir leid. Sie müssen eine sinnlose Aufgabe erledigen, dürfen nicht Fieber messen und können nicht erkennen, ob Personen das Virus haben oder nicht", sagte er.  Oberbürgermeister Leibe unterstrich, dass sich die Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und dem Saarland mit Nachdruck für ein Ende der Kontrollen eingesetzt hätten. Er äußerte die Hoffnung, dass die Kontrollen in zwei Wochen beendet sein werden.   

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