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Ettelbrück: Bahnhofsviertel wird umgebaut
An den staatlichen Plänen für die Aufwertung des Bahnhofsviertels schieden sich die Geister.

Ettelbrück: Bahnhofsviertel wird umgebaut

Foto: Arlette Schmit
An den staatlichen Plänen für die Aufwertung des Bahnhofsviertels schieden sich die Geister.
Lokales 3 Min. 09.11.2012

Ettelbrück: Bahnhofsviertel wird umgebaut

Rund 50 Millionen Euro will der Staat in die Umgestaltung und Aufwertung des Ettelbrücker Bahnhofes investieren. Das Projekt soll aber nicht ohne die Zustimmung des Ettelbrücker Gemeinderates realisiert werden.

Rund 50 Millionen Euro will der Staat in die Umgestaltung und Aufwertung des Ettelbrücker Bahnhofes investieren. Das Projekt soll aber nicht ohne die Zustimmung des Ettelbrücker Gemeinderates realisiert werden. Deshalb hatte der Schöffenrat einen Antrag ausgearbeitet, um dem zuständigen Minister das prinzipielle Einverständnis mit dem staatlichen Vorhaben zu signalisieren. Damit zeigten sich aber die Oppositionsparteien nicht einverstanden.

Gut zwei Stunden dauerten die teils heftigen Diskussionen um die „Motion“ zum zukünftigen Bahnhofsviertel, ehe es zu einer Entscheidung kam. Eingangs der Gemeinderatssitzung vom vergangenen Mittwochabend in Ettelbrück forderte Rat Abbes Jacoby (Déi Gréng), den Punkt von der Tagesordnung zu nehmen, da sich zur Zeit eine regionale und eine kommunale Mobilitätsstudie in Ausarbeitung befänden, die unbedingt in das Bahnhofsprojekt mit einfließen müssten.

Längere Diskussionen

Es könnten nur dann seriöse Diskussionen um das umstrittene Projekt geführt werden, wenn die Resultate dieser Studien vorlägen. Man könne wenig Verständnis von den Bürgern erwarten, wenn man teuere Studien anfertigen lasse, deren Ergebnissen man dann aber vorgreife. Das mit der Studie beauftragte Büro für Verkehrsplanung habe aber keinen Auftrag, alternative Ideen für die Entwicklung des Bahnhofsviertels auszuarbeiten, so Bürgermeister Jean-Paul Schaaf (CSV) erklärend.

Das vom Staat erarbeitete Projekt sei ein festes Element, an dem nicht gerüttelt werde und das als gegeben in die Studie übernommen wird. Somit habe das Vorhaben auch keinen Einfluss auf die Mobilitätsstudien. Nach einer längeren Diskussion um die Notwendigkeit, eine Systementscheidung der Achse Ettelbrück-Diekirch abzuwarten, und um den relativ engen Zeitrahmen des Projekts, wurde beschlossen, die „Motion“ nicht von der Tagesordnung zu nehmen und zur Abstimmung zu stellen. „Es müssen heute Entscheidungen fallen“, so Schaaf.

Bau eines Parkhauses

In der späteren, eigentlichen Diskussion um den Punkt ging Schaaf dann auf das Zeitfenster des Vorprojekts ein. Während einer internen Informationsversammlung mit den zuständigen Ministern sowie Vertretern der CFL und Straßenbauverwaltung vor rund einem Monat, habe Minister Claude Wiseler betont, das Projekt nur mit der Zustimmung des Gemeinderats zu realisieren, so der Bürgermeister. Liege ein positiver Entscheid für das Projekt vor, dann werde das Projekt im Detail ausgearbeitet, um Ende des kommenden Jahres als Gesetzesprojekt deponiert zu werden.

Definitiv gestimmt werden soll das Gesetz dann noch vor den Landeswahlen 2014. Das Ettelbrücker Bahnhofsviertel soll im Sinne eines leistungsfähigeren öffentlichen Transports, einer höheren Verkehrssicherheit sowie einer Steigerung der Lebensqualität umgebaut werden. Wichtigste Punkte dürften der Bau eines Parkhauses mit rund 500 Stellplätzen, ein neuer Busbahnhof sowie ein neues Bahnhofsgebäude sein und in der Straßenführung der Bau eines Tunnels.

Rat Abbes Jacoby sprach von einem „fertigen Plan“ nach dem Motto „Vogel friß oder stirb“, der dem Gemeinderat vorgelegt wurde, ohne großen Diskussionsspielraum, und das obwohl doch eine ganze Reihe von Bedenken und ungeklärten Fragen offen seien. Er sprach zudem den großen Umschlagplatz für Baumaterialien der CFL an, der ursprünglich in die zukünftige Urbanisierung des Bahnhofsbereiches integriert werden sollte und nun plötzlich nicht mehr zur Verfügung stehe, sowie die vor zwei Jahren von der CFL versprochene „mise en conformité“ des Bahnhofs.

„Eine einmalige Chance für die Stadt Ettelbrück

Rat Alain Feypel (DP) fragte seinerseits nach den Kosten für die Stadt und bedauerte, dass mit dem geplanten Abriss des Bahnhofsgebäudes historische Bausubstanz verschwinde. Auch die Sorgen der Geschäftswelt im Viertel, die während der Bauarbeiten mit Einschränkungen zu rechnen hätten, lagen dem Politiker am Herzen. Schöffe Claude Halsdorf (LSAP) sprach von einer „einmaligen Chance“ für die Stadt Ettelbrück, liege der finanzielle Impakt doch in der Größenordnung nahezu aller größeren, in den vergangenen 20 Jahren realisierten Projekte der Ortschaft.

Das vorliegende Projekt sei das Einzige, das realisiert werden könne, so Bürgermeister Schaaf. Es sei nicht Hals über Kopf entstanden und ausführlich, auch mit der Bürgerinitiative, diskutiert worden. Nun müsse man ein positives Zeichen nach außen setzen. Mit den Gegenstimmen der Oppositionsparteien wurde der Antrag für eine Unterstützung der staatlichen Pläne schließlich angenommen.