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Escher Hochhaus wieder aktuell
Wo einst Autos verkauft wurden, soll ein Mix aus Wohn- und Arbeitsraum entstehen.

Escher Hochhaus wieder aktuell

Archivbild: Lex Kleren
Wo einst Autos verkauft wurden, soll ein Mix aus Wohn- und Arbeitsraum entstehen.
Lokales 2 Min. 21.01.2019

Escher Hochhaus wieder aktuell

Luc EWEN
Luc EWEN
Nun soll dem in einer Bürgerversammlung geäußerten Willen der Anwohner zum Projekt Portal Eent doch noch Rechnung getragen werden. Nachdem der vorige Schöffenrat sich gegen ein Hochhaus ausgesprochen hatte, liegt nun die Anfrage für eine PAP-Abänderung vor.

Der einst angedachte Turm auf dem Gebiet des ehemaligen Autohauses Losch am sogenannten Prënzereng, dem Boulevard Prince Henri, scheint doch noch Realität zu werden. Der Stadt Esch/Alzette liegt eine entsprechende Anfrage des Bauherrn für eine punktuelle Abänderung des Plan d'aménagement particulier (PAP) vor. Das wurde dem LW gestern Nachmittag auf Nachfrage hin bei der Stadtverwaltung bestätigt.

Bei den neu eingereichten Plänen handele es sich demnach exakt um das erste Projekt, das bereits 2015 vom Unternehmer Claude Konrath nach Plänen des Architektenbüros BalliniPitt Architectures vorgestellt worden war. Am Montag  Abend wurde das „neue“ alte Projekt noch einmal im Schöffenrat diskutiert. Es habe dabei keine Vorbehalte der einzelnen Schöffenratsparteien gegeben, hieß es anschließend auf den Rathausfluren.

Die wieder aktuell gewordene Originalvariante (oben) sieht mehr Grünflächen als die zweite (unten) vor. Auch beinhaltet sie einen 60 Meter hohen Turm mit 19 Stockwerken. Zum Vergleich: Die „Maison du savoir“ in Belval ist etwa 80 Meter hoch.
Die wieder aktuell gewordene Originalvariante (oben) sieht mehr Grünflächen als die zweite (unten) vor. Auch beinhaltet sie einen 60 Meter hohen Turm mit 19 Stockwerken. Zum Vergleich: Die „Maison du savoir“ in Belval ist etwa 80 Meter hoch.
(GRAFIK: PROJEKTENTWICKLER CLAUDE KONRATH / ARCHITEKTURBÜRO BALLINIPITT)

Bautenschöffe Martin Kox (Déi Gréng) und Stadtarchitekt Luc Everling betonten denn auch nach der Sitzung die Vorteile der Turmvariante im Gespräch mit dem LW. Diese Variante war auch einst von den meisten Bürgern bei der öffentlichen Vorstellung des Projekts befürwortet worden (das LW berichtete). Es war vor allem der damalige Koalitionspartner von Déi Gréng, die LSAP, die für eine alternative Lösung plädierte.

Gegenwind vom ehemaligen Schöffenrat

Damals war es denn auch nie zu einer Genehmigungsprozedur für die Turmvariante gekommen, weil der damalige Schöffenrat sich auf Druck der LSAP hin von vornherein skeptisch geäußert hatte. Die Politiker konnten den Bauherrn damals dazu bewegen, ein alternatives Projekt vorzustellen, das ohne Turm auskam. Dieses zweite Projekt durchlief daraufhin die Prozeduren.

Stadtarchitekt Luc Everling betont aber, dass in beiden Varianten, jener mit Turm und jener ohne Turm, exakt dieselbe Zahl an Wohnungen, Büros, Geschäften oder Parkplätzen vorgesehen ist. Auch die Auswirkungen auf den Verkehr seien dieselben. „Der einzige Unterschied ist, dass die oberen Stockwerke des Turms bei der zweiten Variante neben dem Turm gebaut worden wären. „Dies hätte eine dichtere Bebauung, mehr Grundversiegelung und weniger Freiraum zur Folge gehabt“, so Everling. Die Turmvariante sei urbanistisch besser und in der Bürgerversammlung auch bei den meisten Nachbarn beliebter gewesen als die Variante ohne Turm.

Das Alternativprojekt ohne Turm sah zwischen der Rue Victor Hugo (1) und dem Boulevard Prince Henri (2)  eine Reihe von elf Einfamilienhäusern (3), ein Studentenwohnheim (4) und ein Doppelgebäude (5) mit Geschäften, Büros und 50 Wohnungen vor.
Das Alternativprojekt ohne Turm sah zwischen der Rue Victor Hugo (1) und dem Boulevard Prince Henri (2) eine Reihe von elf Einfamilienhäusern (3), ein Studentenwohnheim (4) und ein Doppelgebäude (5) mit Geschäften, Büros und 50 Wohnungen vor.
Grafik: Ballinipitt Architectes Urbanistes

Mittlerweile haben sich die Machtverhältnisse im Rathaus geändert. Déi Gréng sind nun in einer Koalition mit CSV und DP. Aber: „Wenn ein Bauherr eine solche Abänderung eines PAP vorlegt, dann müssen wir uns an die Prozeduren halten. Da haben wir keinen Spielraum“, so Everling. Besagte Prozedur sieht unter anderem den öffentlichen Aushang des Projekts vor. Dies ist mittlerweile geschehen.

Interessierte Bürger haben demnach noch bis zum 11. Februar das Recht, Anmerkungen oder Beschwerden zur Abänderung des PAP zu formulieren. Erst danach, vermutlich spätestens im April, wird im Gemeinderat über die Abänderung abgestimmt. Martin Kox fügt hinzu, dass es sich bei diesem Projekt um den Escher Stadteingang vom Crassier Terres Rouges aus gesehen handelt. Auch dort soll es künftig eine hohe Bebauung geben.

„Der Raum in Esch ist begrenzt“, so Kox. Deshalb sei es langfristig mit Blick auf die Wohnungsnot und die Bodenversiegelung schwer, sich einer höheren Bebauung zu verschließen. Luc Everling erinnert daran, dass eine Bedingung der Stadt von vornherein war, dass beim Portal Eent hochwertiger Wohnraum geschaffen wird. Befürchtungen, es entstehe ein sozialer Brennpunkt, seien also unbegründet.


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Rout Lëns - site Lentille Rouge Terres-Rouges - Esch-sur-Alzette - Foto : Pierre Matgé/Luxemburger Wort