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Escher Großbrand: Ist der Täter ein Pyromane?
Dicke, schwarze Rauchschwaden quollen aus den Geschäftsräumen in der Escher Rue de l'Alzette. Der mutmaßliche Brandstifter steht vor Gericht.

Escher Großbrand: Ist der Täter ein Pyromane?

Foto: Gerry Huberty
Dicke, schwarze Rauchschwaden quollen aus den Geschäftsräumen in der Escher Rue de l'Alzette. Der mutmaßliche Brandstifter steht vor Gericht.
Lokales 2 Min. 04.12.2012

Escher Großbrand: Ist der Täter ein Pyromane?

Vor der Kriminalkammer Luxemburg musste sich am Dienstagnachmittag jener Mann verantworten, der für den Großbrand im Februar 2011 in Esch/Alzette verantwortlich sein soll.

(gs) - Vor der Kriminalkammer Luxemburg musste sich am Dienstagnachmittag jener Mann verantworten, der für den Großbrand im Februar 2011 in Esch/Alzette verantwortlich sein soll.

Im Mittelpunkt des Prozesses steht neben dem Motiv der Tat vor allem die Frage, ob der heute 63-Jährige zum Zeitpunkt der Tat überhaupt zurechnungsfähig war, gar gänzlich schuldunfähig ist oder es das Gericht hier mit einem ausgewiesenen Pyromanen zu tun hat.

Der zuständige Brandexperte sprach am Dienstag von einem „selten gesehenen Großbrand“ und erklärte, dass das folgenschwere Feuer in dem Geschäft am „Scholesch Eck“ sich sehr schnell aufgrund des dortigen Belüftungssystems ausgebreitet und auch auf das benachbarte Gebäude übergegriffen habe. Laut Brandexperten hätten die Flammen ohne Eingreifen der Feuerwehr auch die Gebäude auf der anderen Straßenseite in Mitleidenschaft ziehen können und es wäre ein noch größerer Schaden entstanden, als er sowieso schon verzeichnet werden musste.

Der Angeklagte gab die Vorwürfe vor dem Richterpult ohne Umschweife zu. Er erklärte an jenem Tag „wütend“ gewesen zu sein. Dies wegen unterschiedlicher Umstände. Auf Nachfrage des vorsitzenden Richters Prosper Klein bestätigte der Beschuldigte, dass ihn der Anblick von Feuer beruhigen würde, wenn er aufgebracht sei. Vor zehn Jahren musste sich der Mann denn auch schon einmal wegen Brandstiftung vor Gericht verantworten, wie sich Richter Klein erinnerte.

Gutachterin erkennt leichte psychische Schwächen

Die verantwortliche psychologische Gutachterin attestierte dem Beschuldigten am Dienstag, bereits seit dem Kindesalter vom Feuer fasziniert zu sein. Die Flammen seien das Einzige, was ihm Freude bereite und ihm Ruhe vermittle. Dadurch, dass der Mann aufgrund von paranoiden Anflügen und Konzentrationsschwächen negative Erlebnisse sehr schwer verarbeiten könne und sich regelrecht in sein Leid hineinsteigern würde, suche er – vor allem in Verbindung mit Alkoholmissbrauch – seine Befriedigung im Feuer.

Ob der Mann dadurch allerdings eine ständige Gefahr darstelle, darüber wollte sich die Gutachterin nicht explizit äußern. Auf Nachfrage des vorsitzenden Richters betonte die Sachverständige aber, dass der Angeklagte am Tattag nicht von einer höheren Macht gesteuert worden sei, sondern schon die Möglichkeit gehabt habe, aus freien Stücken zu entscheiden. 

Das Verfahren wird am Mittwoch fortgesetzt und soll bereits am Donnerstag abgeschlossen werden.