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Esch will eine essbare Stadt werden
Die Ampel bei den Salatköpfen zeigt rot, noch muss sich Aloyse Heinen im Garten beim CIPA mit der Ernte gedulden.

Esch will eine essbare Stadt werden

Foto: Anne Heintz
Die Ampel bei den Salatköpfen zeigt rot, noch muss sich Aloyse Heinen im Garten beim CIPA mit der Ernte gedulden.
Lokales 4 Min. 10.09.2018

Esch will eine essbare Stadt werden

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Gemeinschaftsgärten haben in Esch Blütezeit. Mehrere Projekte, teils von unterschiedlichen Partnern geleitet, wurden in den vergangenen Monaten und Jahren gesät. So langsam wird geerntet. Geht es laut Schöffe Martin Kox, soll Esch nach und nach zur essbaren Stadt werden.

„Salate und Rüben, das ist es, was ich mag“, sagt der 69-jährige Aloyse Heinen, während er den bunten, runden Stadtgarten beim Escher CIPA mit prüfendem Blick betrachtet. Er wohnt in einem Haus, direkt daneben. Dann zeigt er etwas höher: „Das Mangold, das habe ich nicht so gerne.“

Dementsprechend überlässt er es anderen. Denn am Garten beim Escher CIPA darf jeder aus der Umgebung eine Hand mit anpacken, aber auch mit ernten. Ein Ampelsystem auf kleinen Anzeigetafeln zeigt, welches Gemüse gerade reif ist.

Aloyse Heinen bei der Arbeit im Gemeinschaftsgarten beim Escher CIPA.
Aloyse Heinen bei der Arbeit im Gemeinschaftsgarten beim Escher CIPA.
Foto: Anne Heintz

Aloyse Heinen kontrolliert das schon, er wacht über diesen Garten“, lacht der Escher Schöffe Martin Kox (Déi Gréng). Damit haben Stadtverwaltung und die Beschäftigungsinitiative des Escher CIGL das erreicht was sie wollten: Einwohner und CIPA-Bewohner sollen sich zum Großteil selbst um ihren Garten kümmern. Zu ihrer Verfügung stehen eine Geschirrkiste und ein Wasserbehälter. Auch ein Komposthaufen wurde angelegt.

Erasmus für Beschäftigungsinitiativen

Liz Hof zeigt ein Bild, mit den Teilnehmern, die den Garten beim Escher CIAP errichtet haben. Sie kommen zum Teil aus Deutschland, Frankreich und Belgien.
Liz Hof zeigt ein Bild, mit den Teilnehmern, die den Garten beim Escher CIAP errichtet haben. Sie kommen zum Teil aus Deutschland, Frankreich und Belgien.
Foto: Anne Heintz

Das Projekt besteht aus mehr als nur Gemüse. „Wir gehören dem europäischen Projekt Kreavert an“, erklärt Projektleiterin Liz Hof. Dies sei mit einem Erasmus für Beschäftigungsinitiativen vergleichbar. So arbeitet der Escher CIGL mit Initiativen aus Andernach (D), Saarbrücken (D), Sarreguemines (F) und Haccourt (B) zusammen.

Vertreter dieser Vereinigungen haben auch beim Anlegen des Gartens beim CIPA geholfen. Ziel war dabei nicht nur das Transfer von Know-how, sondern den Einwohnern wieder vor Augen zu führen, wo das Essen herkommt, so Hof.

Vorbild Andernach

In Nähe des CIPA befinden sich noch diese Beete.
In Nähe des CIPA befinden sich noch diese Beete.
Foto: Anne Heintz

Entsprechend möchte die Stadt Esch, inspiriert vom Vorbild aus Andernach, zu einer essbaren Stadt werden, erklärt Martin Kox. Um zu untermauern, dass sie auf gutem Weg ist, führt er um das CIPA herum. Hier wurden neben zusätzlichen Beeten auch Obstbäume und Traubenreben angepflanzt. Passanten können sich hier bedienen.

Transition Minett mit Vorarbeit

Der Viertelgarten am Breedewee.
Der Viertelgarten am Breedewee.
Foto: Anne Heintz

Aber es ist nicht der einzige Gemeinschaftsgarten von Esch. So hat die Vereinigung Transition Minett bereits 2013 ein ähnliches Projekt gestartet. Der Garten befindet sich entlang der Rue Large (Breedewee), etwa gegenüber dem Park Laval.

„Das Ziel war, einen sozialen Treffpunkt im Viertel zu errichten. Wo man nebenbei ein paar Kräuter mitnehmen kann“, erklärt Mireille Dondlinger, ehrenamtliches Mitglied bei Transition Minett.

Luxemburgisch lernen beim Gärtnern

 Virginie Parré poliert den Tisch im Gemeinschaftsgarten am Breedewee.
Virginie Parré poliert den Tisch im Gemeinschaftsgarten am Breedewee.
Foto: Anne Heintz

Dass auch dies funktioniert, zeigt das Beispiel von Virginie Parré. Die Französin wohnt nun seit vier Jahren in Esch. Sie ist gerade dabei, den alten Gartentisch aufzupolieren. „Der war seiner Aufgabe nicht mehr würdig“, sagt sie mit einem Lachen.

Seit diesem Sommer ist sie im Viertelgarten aktiv. Das würde ihr auch viel beim Luxemburgischlernen helfen, erzählt sie.

Versteckte Grünoase

Der Cockerills Park befindet sich in einem Hinterhof am Boulevard Kennedy, in Höhe der Gebäude mit Nummer 118-120.
Der Cockerills Park befindet sich in einem Hinterhof am Boulevard Kennedy, in Höhe der Gebäude mit Nummer 118-120.
Foto: Anne Heintz

Ähnliche weitere Projekte bestehen im Cockerills Park, wo eine grüne Oase in einem Hinterhof am Boulevard Kennedy versteckt ist oder noch in Belval, wo ein Projekt mithilfe von Studenten gedeiht.

„Angefangen hat es alles mit dem Garten bei der Paterkirche“, sagt Martin Kox rückblickend. Mittlerweile zählt die Stadt 18 dieser grünen Punkte. Nicht überall kann aber gepflückt werden.

Jardins éphémères

Dieser "Jardin éphémère" befindet sich bei der Joseph-Kirche.
Dieser "Jardin éphémère" befindet sich bei der Joseph-Kirche.
Foto: Anne Heintz

So zum Beispiel nicht bei den aktuell drei Jardins éphémères der Stadt Esch. Ein vierter beim Jungenlyzeum ist in Planung. „Er wurde mit einer Lyzeumsklasse entworfen“, erklärt Stadtgärtner Claude Werer. Diese Gärten werden im Winter weichen.

Lediglich der Garten beim Rathausplatz bleibt etwas länger, weil er in die Dekoration um den Weihnachtsmarkt eingebaut wird.

Zur Biodiversität beitragen

„Außerhalb der Stadt gibt es vermehrt nur mehr einheitliche Landwirtschaft“, sagt Martin Kox noch. Weshalb die Stadt auf ihrem Gebiet gefordert sei, um das ihre zum Erhalt der Biodiversität beizutragen. Dank der Gemeinschaftsgärten soll auch der soziale Zusammenhalt gestärkt werden.

Deshalb will die Stadt sich nach und nach von der Philosophie der Schrebergärten verabschieden. „Lieber ein großer Gemeinschaftsgarten als viele kleine individuelle Gärten“, sagt Martin Kox. Aloyse Heinen und Virginie Parré dürften sich nicht daran stören.


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