Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Esch: Polemik um Studenten-WGs
Lokales 3 Min. 15.06.2020

Esch: Polemik um Studenten-WGs

Studenten-WGs, wie hier in Belval, bleiben weiterhin in Esch in Appartementhäusern möglich. In Einfamilienhäusern ist dies derzeit aber nicht möglich.

Esch: Polemik um Studenten-WGs

Studenten-WGs, wie hier in Belval, bleiben weiterhin in Esch in Appartementhäusern möglich. In Einfamilienhäusern ist dies derzeit aber nicht möglich.
Foto: Julia Zipfel/LW-Archiv
Lokales 3 Min. 15.06.2020

Esch: Polemik um Studenten-WGs

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Seit einigen Tagen sorgt ein vermeintliches WG-Verbot in Esch für Diskussionen. Was für reichlich Kritik in den sozialen Medien sorgte. Bürgermeister Georges Mischo nimmt nun dazu Stellung.

Seit einigen Tagen sorgt ein vermeintliches WG-Verbot in Esch für Diskussionen. Auslöser ist ein knapp gehaltener Brief der Stadt Esch, der eine Ablehnung enthält. 

„Eine Doktorandin wollte in Esch in eine Wohnung umziehen, in der bereits andere Personen wohnten und sich dort anmelden. Doch das wurde ihr verwehrt“, erzählt Benoît Majerus. Er ist Geschichtsprofessor am Institut für Zeitgeschichte der Universität in Belval. 

Über Ablehnung verwundert

Wie aus der Antwort der Stadt Esch an die Doktorandin hervorgeht, erlaube es der neue allgemeine Bebauungsplan (PAG) Eigentümern oder Mietern nicht, zusätzliche Leute bei sich anzumelden, die nicht mit ihnen verwandt sind. 

Über diese Entscheidung verwundert, postete Benoît Majerus den Antwortbrief am Donnerstag auf Facebook. „Ich war selbst überrascht über den ganzen Wirbel, den es verursacht hat“, sagt er über die vielen Reaktionen, die nicht nur aus dem Uni-Milieu gekommen sind. 

Mittlerweile hätten sich über ein Dutzend Personen bei ihm gemeldet, die ähnliche Erfahrungen gemacht hätten. „Da war kein Student darunter“, betont er. 

Codello: "Einer Uni-Stadt unwürdig"

Resümieren lässt sich der Inhalt der Kommentare auf Facebook mit dem Statement vom ehemaligen Schöffen und heutigen unabhängigen Ratsmitglied Dan Codello: „Dies ist einer Uni-Stadt und einer offenen Stadt unwürdig.“ 

Mischo: Nicht verbieten, sondern reglementieren 

Bürgermeister Georges Mischo (CSV) reagierte am Dienstag auf Nachfrage auf diese Kritiken. „Wir wollen die WGs nicht verbieten, sondern sie reglementieren.“ 

2015 hat die Universität in Belval ihre Türen eröffnet.
2015 hat die Universität in Belval ihre Türen eröffnet.
Foto: Lex Kleren

So betont er, dass das Verbot, Zimmer weiterzuvermieten, nur für Einfamilienhäuser und nicht für Appartements gilt. Vorausgesetzt, in Letzteren gibt es einen zweiten Fluchtweg.

Dieses Verbot erklärt Georges Mischo mit drei Gründen. Erstens, weil manche Eigentümer „zu sehr profitierten, um zusätzliche, versteckte Zimmer anzubieten“. In manchen Fällen seien diese Zimmer in „grausamen Zuständen“. Personen, die sich keine andere Wohnung leisten können, werden auf diese Weise ausgebeutet. Stichwort Cafézimmer.

Preiserhöhung verhindern

Zweitens trage das Angebot von einzelnen Zimmern dazu bei, die Preise der Häuser weiter nach oben zu drücken. „Anstatt ein Haus für 1.200 Euro im Monat zu vermieten, kann es an sechs bis acht Leute für jeweils 500 bis 600 Euro vermietet werden. Dadurch bekommt es einen ganz anderen Wert“, so Mischo. 

Dies erschwere die Lage junger Familien, die nach Esch ziehen möchten. Und verschlimmere die Parking-Situation. 

Drittens wolle die Stadt auch die Einfamilienhäuser schützen, so Mischo weiter. Angesichts des bestehenden Drucks, „riskieren wir, dass es ohne Regulierung eines Tages keine Einfamilienhäuser mehr im Escher Zentrum geben wird“, warnt der Bürgermeister. 

Eine Lockerung in Sicht

Zu Dan Codellos Facebook-Kommentar erinnert Mischo daran, dass der unabhängige Rat den PAG in erster Lesung am 8. März mitgestimmt hatte.   

Ganz ohne Effekt scheint die Kritik der vergangenen Tage aber nicht gewesen zu sein. So erklärt Georges Mischo, dass am 3. Juli noch eine zweite Abstimmung über den neuen PAG bevorsteht. 

Dann wird der Schöffenrat vorschlagen, den Text so umzuändern, dass in einem Einfamilienhaus pro 100 Quadratmeter jeweils ein Student einziehen darf. Als Voraussetzung gilt, dass der Hauseigner auch dort wohnt. 

Manche Eigner haben reklamiert

Zudem haben manche Besitzer von Einzelhäusern, in denen schon WGs bestehen, von ihrem Recht Gebrauch gemacht, eine Reklamation einzureichen. Sodass in der Ratssitzung im Juli auch einige Häuser vom WG-Verbot befreit werden. 


Lokales, Marc den Barbir, Old Bell Coiffure, Frisör, Esch Alzette, Foto: Guy Wolff/ Luxemburger Wort
Ein Barbier, der die Schere liebt
Im Herrensalon von Marc de Babir läuft einiges anders ab. Was besonders ist und wer der Mann hinter der Maske ist, erzählt er im Interview.

Es brauche eine Lösung auf nationaler Ebene, sagt Georges Mischo noch. Ein Gesetz sei „unbedingt notwendig“. 

Die Doktorandin, deren gescheiterter Umzug Anlass für den Facebook-Post war, konnte ihrerseits doch noch ein neues Heim finden, wie Benoît Majerus am Dienstag zu berichten wusste. Dies allerdings in Düdelingen. 

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Das besondere Klassenzimmer
In der International School in Differdingen fehlten aufgrund der Covid-Bestimmungen Klassenräume. Ein Busunternehmen lieferte die Lösung.
Lokales, Ecole internationale Differdingen nutzt Busse als Klassensaal, Sales Lentz, Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort
Ein Barbier, der die Schere liebt
Im Herrensalon von Marc de Babir läuft einiges anders ab. Was besonders ist und wer der Mann hinter der Maske ist, erzählt er im Interview.
Lokales, Marc den Barbir, Old Bell Coiffure, Frisör, Esch Alzette, Foto: Guy Wolff/ Luxemburger Wort