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Esch: Erste Ideen für Industriebauten auf der Rout Lëns
Lokales 5 1 3 Min. 23.05.2020

Esch: Erste Ideen für Industriebauten auf der Rout Lëns

Die ehemalige Gebläsehalle auf der Industriebrache Lentielle Terres rouges (r. auf dem Bild) könnte in Zukunft eine Art Sporthalle werden.

Esch: Erste Ideen für Industriebauten auf der Rout Lëns

Die ehemalige Gebläsehalle auf der Industriebrache Lentielle Terres rouges (r. auf dem Bild) könnte in Zukunft eine Art Sporthalle werden.
Grafik: Iko Real Estate
Lokales 5 1 3 Min. 23.05.2020

Esch: Erste Ideen für Industriebauten auf der Rout Lëns

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Aus der ehemaligen Gebläsehalle könnte eine Sporthalle werden. So stellen es sich zumindest die Planer der Escher Brache Lentille Terres Rouges vor. Bei der Vorstellung gab es aber auch Zähneknirschen.

Ein Zentrum für urbane Sportarten in der ehemaligen Gebläsehalle, ein „Maison d'hôte“ im früheren Stellwerk oder noch eine Art Markthalle für lokale Produkte im Atelier TT. 

Diese Ideen von Neunutzungen von ehemaligen Industriegebäuden auf der Lentille Terres Rouges wurden am Freitag in einer Marathonsitzung des Escher Gemeinderates gezeigt. 

Dies in diesem Video, das von der Promotorfirma, die das Gelände entwickeln wird, stammt: 

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Viele Zuschauer im Sitzungssaal

Auf diesen Punkt der Tagesordnung hatte nicht nur die Opposition, die schon länger Informationen über die Revalorisierung der Industriebrache fordert, sondern auch ein kleines Dutzend Zuschauer mit Spannung gewartet. 

Dies waren Mitglieder der Vereinigung CNCI, die sich für Industriekultur einsetzt und Ende April zu einem Protest gegen den begonnenen Abriss der Keeseminnen, ein massives Silogebäude auf der Brache, aufgerufen hatte. 


Lokales, Protestaktion, Roud Lens Projekt, Terres Rouges, IKO, Foto: Guy Wolff/Luxemburger Wort
Esch: Bürger wehren sich gegen Abriss der Keeseminnen
Auf der Escher Industriebrache Lentille Terres Rouges wird seit Montag ein massives Industriegebäude, die Keeseminnen, abgerissen. Dagegen protestierten, trotz Corona-Krise, Bürger vor Ort.

Erklärungen vom Stadtarchitekten

Ehe das Video eingespielt wurde, hatte Stadtarchitekt Luc Everling in einer längeren Rede den Stand der Dinge erklärt.

Er betonte, dass er nicht für den Promotor spreche. Dann erinnerte er daran, dass es zahlreiche Vorprojekte für die Brache gegeben habe. 

Viele Ideen, die nie realisiert wurden

Diese reichen vom Neubau des Lycée Hubert Clément (2001), über den Bau der Rockhal (2003) bis zum Bau eines Fußballstadions (2014).

Bei all diesen Projekten sei immer höchstens nur vorgesehen gewesen, die ehemalige Turbinenhalle und das Atelier TT zu erhalten. Aus finanziellen Gründen wurde aber keines dieser Projekte auf der Lentille umgesetzt. 

So sehen die Eisenportale heute aus.
So sehen die Eisenportale heute aus.
Foto: Guy Wolff

Erste Kontakte bereits vor den Wahlen 

2017, noch vor den Gemeindewahlen, habe sich dann ein Promotor, die Firma Iko Real Estate, an die Gemeinde gewandt. Neben den beiden erwähnten Gebäuden wollte er auch die Gebläsehalle und ein Stellwerk erhalten, weil diese interessant für das Projekt sein könnten. 

Nach den Wahlen von 2017 habe der neue Schöffenrat, mit kleinen Änderungen, am Projekt festgehalten. Von einem Erhalt der Keeseminnen sei nie die Rede gewesen, gab der Stadtarchitekt zu verstehen. 

Auch unterstrich er, dass sich während der Diskussionen zum neuen allgemeinen Bebauungsplan (PAG), keiner für den massiven Bau eingesetzt habe. 

Keeseminnen wurden nicht als erhaltenswert eingestuft

Wie in der Ratssitzung zu vernehmen war, wurden die Keeseminnen bisher nie als erhaltenswert betrachtet.
Wie in der Ratssitzung zu vernehmen war, wurden die Keeseminnen bisher nie als erhaltenswert betrachtet.
Foto: Guy Wolff

Dabei sei damals entschieden worden, mehrere Industriegebäude der Brache, die nun auch eine neue Funktion erhalten sollen, als kommunal schützenswert einzustufen.

Eigentlich hätte nun eine öffentliche Informationssitzung stattfinden sollen, um erste Pläne für die Lentille vorzustellen. Sie wurde aber pandemiebedingt vertagt. Dass erste Abrissarbeiten an den Keeseminnen zuvor begonnen haben, sei „unglücklich“. Die Genehmigung hierfür sei aber bereits im August erteilt worden. 

Verkehrsstudie wird durchgeführt

Weiter erklärte der Architekt, dass der neue Stadtteil urbanistisch in den bestehenden Raum passen soll. Dementsprechend werde derzeit eine umfangreiche Mobilitätsstudie durchgeführt. 

Eine große Fußgängerallee als Herz des neuen Viertels 

Auf Basis der Workshops, die 2019 vom Promotor organisiert worden waren, wurde festgestellt, dass der geschichtliche Aspekt stärker betont werden soll, als eingangs vorgesehen, erklärte Everling weiter. 

Weshalb der Promotor ein spezialisiertes Büro aus Paris hinzugezogen habe. Dieses schlägt vor, die ehemaligen Industriehallen miteinander zu verbinden. In Anlehnung an ihre frühere Verbundenheit soll eine „Allée de la culture industrielle" entstehen, eine große Fußgängerallee, die zum Herzen des neuen Viertels werden soll. 

In Zukunft sollen 3000 Einwohner im linsenförmigen Stadtteil wohnen.
In Zukunft sollen 3000 Einwohner im linsenförmigen Stadtteil wohnen.
Foto: Guy Wolff

Ein Neubau über den Keeseminnen

Von den Keeseminnen sei geplant, die großen Eisenportale zu behalten und darüber ein Gebäude einzurichten. Eventuell könnten diese für Co-Working-Zwecke genutzt werden. 

Opposition fühlt sich überrumpelt

Nach all diesen Erklärungen sollte eigentlich eine politische Diskussion stattfinden. Doch Marc Baum (Déi Lénk) kritisierte, dass die Räte mit all diesen Informationen überschüttet wurden und dass ihnen nichts Schriftliches vorliege. Auch erwarte er sich eine politische Erklärung des Schöffenrates. 

Dem stimmten Dan Codello (unabhängig) und Henri Hinterscheid (LSAP) zu. Letzterer sprach von einer „Farce“. Sodass die Diskussion auf eine nächste Sitzung vertagt wurde. Daraufhin machten sich die Mitglieder des CNCI wieder auf den Weg. Wahrscheinlich mit einem kleinen Beigeschmack von „zu wenig“.  

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