Esch/Alzette: Streitobjekt Campingplatz
(na) - „Wir werden sicherlich eine Lösung finden“, so schloss Martin Kox seine Rede ab. Der Schöffe hatte am Sonntagmorgen vor der sehr gut besuchten Mitgliederversammlung des „Camping Caravaning Club“ (CCCE), geschätzte 100 Personen, kein leichtes Spiel.
Seit Bürgermeisterin Vera Spautz in ihrer Budgetrede im November angekündigt hatte, dass die Stadt den Campingplatz wieder übernehmen werde, standen die Beziehungen zum Verein, diplomatisch ausgedrückt, nicht zum Besten.
Neue Konvention vom Betreiber verworfen
So erklärte CCCE-Vizepräsident François Nacciareti, dass, nach Kündigung der alten Konvention Ende September durch die Stadt, dem Verein im Dezember eine neue Konvention geschickt wurde. Diese war aber „so redigiert, dass wir sie mit dem allerbesten Willen nicht unterschreiben konnten“.
Präsident René Schulté unterstrich seinerseits, dass der Club 25.500 Euro für Anwaltskosten in seinem Budget für 2016 vorgesehen habe. In einer von Emotionen geprägten Rede ging er auf die Geschichte des Campingplatzes ein.
Seit 35 Jahren Leiter des Campingplatzes
Er erinnerte daran, dass die Gemeinde 1968, fünf Jahre nach der Gründung des Campingplatzes, dem Club dessen Leitung anvertraut habe. Alles, was auf dem Platz aufgebaut sei, sei demnach dem (ehrenamtlichen) Einsatz der CCCE-Mitglieder zu verdanken.
Er selbst sei vor 35 Jahren vom damaligen Bürgermeister Joseph Brebsom gefragt geworden, ob er die Präsidentschaft übernehmen wolle, weil der Verein damals eine interne Krise durchmachte.
Über 25.000 Übernachtungen 2015
Seit den Anfängen des Campingplatzes seien die Einnahmen durch Übernachtungen auch stets gestiegen. 2015 wurden 25.389 Übernachtungen gezählt. Derzeit verfügt der Club auf seinen Konten über 237.400 Euro.
Auch wiederholte Schulté, dass der Club die Gemeinde nie gefragt habe, den Campingplatz zu übernehmen. Lediglich habe man nachgefragt, ob die Gemeinde die Personalkosten nicht übernehmen könnte. Derzeit werden fünf Personen vom Verein beschäftigt.
Gesamter Vorstand neu gewählt
Und um seine Position zu stärken, ließ der Präsident ausnahmsweise nicht nur über die Vorstandsmitglieder abstimmen, deren Wiederwahl die Statuten vorsahen, sondern er ließ den gesamten Vorstand neu stimmen. Und erhielt auch prompt das Vertrauen der Versammlung. Zum Schluss deutete er aber etwas versöhnlich an, dass eine Lösung sich andeuten könnte.
Ebenfalls kritisch gegenüber der Gemeindeführung äußerte sich der Gemeinderat und Präsident des Escher „Syndicat d'initiative et de tourisme“, Mike Hansen. Er versicherte dem Verein, dass er „auf die Solidarität“ des Syndikates zählen könnte.
Den Camping „pushen“
Schöffe Martin Kox erklärte seinerseits, dass es der Gemeinde darum gehe, den Camping „zu pushen“. Deshalb das Projekt mit den Baumhäusern, das eine neue Kundschaft anziehen könnte. Auch erinnerte er daran, dass die Gemeinde bereit sei, 500.000 Euro zu investieren und dass das Tourismusministerium dieselbe Summe in Aussicht gestellt habe.
Koalitionsinterne Diskussion
Weiter erklärte er, dass nach den Ferien eine interfraktionelle Sitzung stattfinden soll, wo beide Koalitionsparteien sich über das Projekt austauschen werden. Es scheint demnach, als habe die LSAP-Déi-Gréng-Koalition noch Diskussionsbedarf in der Frage.
Laut LW-Informationen soll in der Zwischenzeit eine Lösung gefunden worden sein, um das aktuelle Campingpersonal in die von der Gemeinde geplante Struktur zu integrieren. Die Pläne des Schöffenrates sehen vor, dass der Platz in Zukunft vom Cigl betrieben wird.
Wie es aber konkret um diese neuen Pläne und das Baumhausprojekt steht, dazu wollte keiner eine feste Aussage machen. Demnach ist die Angelegenheit, ein Jahr vor den nächsten Gemeindewahlen, in die politische Auseinandersetzung gerutscht. Ob dies dem Campingplatz dienlich sein wird, steht auf einem anderen Blatt.
