Esch/Alzette: LSAP: Die Gründe einer Niederlage
(na) - „Viele Leute hatten ein Problem mit uns und wollten uns ihr Vertrauen nicht mehr schenken“, resümierte am Samstag der Präsident der Escher LSAP-Sektion, Fritz Remackel, das Resultat der Gemeindewahlen aus Sicht seiner Partei.
Dabei hätten weniger die anderen Parteien die Wahlen gewonnen, als die LSAP sie verloren, urteilte er. Wie aus den internen Rechnungen hervorgehe, hätten im Vergleich zu 2011 um die 1 500 Wähler der sozialistischen Partei den Rücken gekehrt.
Gründe dafür nannte Fritz Remackel mehrere. Darunter, dass die LSAP-Mannschaft seit 2000 quasi unverändert geblieben ist.
Der Streit in der Partei...
Auch der interne Streit sollte nicht ohne Folgen bleiben. Dieser gipfelte im Parteiaustritt vom früheren Schöffen Dan Codello kurz nach den Wahlen. Sowohl Fritz Remackel wie die ehemalige Bürgermeisterin Vera Spautz, führten den Ursprung des Streites auf die interne LSAP-Wahl von 2013 zurück.
Damals war der Schöffenposten von Vera Spautz neu zu besetzten. Spautz war Bürgermeisterin geworden, nachdem ihre Vorgängerin, Lydia Mutsch, als Gesundheitsministerin in die Regierung einzogen war. Codello hatte sich durchgesetzt, obwohl Bofferding ein besseres Wahlresultat erreicht hatte und laut Vera Spautz die „natürliche Gewählte“ war. „Das ist in unserer Partei geschehen. Nicht die CSV hat ihn dort hingestellt“, so Spautz am Samstag in Bezug auf Codello.
...und im Schöffenrat
Der Streit im Schöffenrat eskalierte so, dass manche Entscheidungen nicht mehr gemeinsam, sondern in den Büros von den anderen LSAP-Schöffen Jean Tonnar oder Henri Hinterscheid genommen werden mussten, erzählte Spautz noch.
Auch seien während dem Wahlkampf gezielt Falschmeldungen verbreitet worden, bedauerte sie, wie zu Beispiel, dass in Wobrécken statt der Schule ein Flüchtlingsheim gebaut werden solle.
„Wer kann uns schon in Esch etwas anhaben“
Ein weiterer Grund für das schlechte Resultat, sei, dass die LSAP sich zu sicher gefühlt habe. „Wer kann uns schon in Esch etwas anhaben“, habe man gedacht, so Fritz Remackel.
„Wir haben den demografischen Wandel verpennt“, meinte seinerseits Henri Hinterscheid. Esch sei jünger geworden, doch habe man sich nur ungenügend an diese neue Bevölkerungsgruppe gewendet.
Ratsmitglied Mike Hansen hob seinerseits hervor, dass seit der Wahlniederlage eine neue Dynamik in der Partei zu spüren sei. Diese gelte es nun voranzutreiben, um bei den Wahlen 2023 wieder vorne beizumischen, unterstrichen mehrere Redner. „Wenn es denn solange dauert“, meinte dazu Henri Hinterscheid, der Zweifel an der Kohäsion der neuen Dreierkoalition hegte.
Änderungen in drei Jahren
Die Rückkehr der Escher LSAP an die Macht soll dank einem Zehn-Punkte-Plan gelingen, der von Rätin Taina Bofferding vorgetragen wurde. Vorgesehen ist unter anderem die Gründung eines neuen „Comité“, bessere Öffentlichkeitsarbeit oder Teambuilding. Eine erste Einladung zum „Chrëschtmaart“ folgte sogleich.
Doch sieht dieser Plan auch eine Erneuerung im Gemeinderat vor. Hier soll in drei Jahren Vera Spautz, ihre Aufgabe als Sprecherin abgeben. Offiziell vermerkt wurde es nicht, doch ist davon auszugehen, das diese Rolle für Taina Bofferding bestimmt ist.
In der zweiten Hälfte der Mandatsperiode soll es nach einem Rotationsprinzip zu Wechsel bei den LSAP-Ratsmitglieder kommen, damit neue Gesichter nachrücken können. Namen wurden allerdings nicht genannt.
Während der Diskussion, machten sich zwei Personen dafür stark, dass die Rolle der Fraktionssprecherin sofort wechseln solle. In diesem Zusammenhang hatten zuvor Mike Hansen und Nando Pasqualoni argumentiert, dass eine Erneuerung alleine mit einer personellen Neubesetzung nicht getan sei. So wurde der Zehn-Punkte-Plan bei nur einer Enthaltung angenommen.
