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Esch/Alzette: "Es muss nicht immer Mudam sein"
Lokales 12 3 Min. 12.05.2015

Esch/Alzette: "Es muss nicht immer Mudam sein"

Eine bunte Künstlergruppe haucht einem Haus aus dem Jahr 1891 in Esch/Alzette mit viel Farbe, Energie und unterschiedlichen Kunststilen neues Leben ein.

(AH) - Eine bunte Künstlergruppe haucht einem Haus aus dem Jahr 1891 in Esch/Alzette mit viel Farbe, Energie und unterschiedlichen Kunststilen neues Leben ein. Seit fünf Jahren steht das Haus leer. Bevor die Abrissbirne in wenigen Wochen zuschlägt, feilen 33 Künstler in den verlassenen Gemäuern an einem gemeinsamen Kunstprojekt, das „Quartier3“.

Man nehme ein altes Haus, das kurz vor dem Abriss steht, eine bunte Truppe motivierter Künstler, die vor Ideen und Tatendrang nur so strotzen und eine geballte Ladung Kreativität: schon steht das Konzept für eine Kollektivausstellung der besonderen Art. Das Haus „Quartier3“ in Esch/Alzette ist eine Künstlerinitiative, die von Théid Johanns, einem alten Meister in der Luxemburger Kunstszene, ins Leben gerufen wurde. Ein Happening, das im Ausland bereits seit Jahren seine Früchte trägt.

114 Jahre alt ist das Haus auf Nummer drei in der Rue Quartier in Esch/Alzette, in dem eine Gruppe von 33 Künstlern seit einigen Wochen ihrer Fantasie und Kreativität freien Lauf lassen. 1891 wurde es gebaut. Wenn man bedenkt, dass der Großteil der Stadt Esch/Alzette erst um 1900 gebaut wurde, ist das Haus ein wahres Urgestein und eines von vielen, schönen alten Häusern in Esch/Alzette, dessen Fassade klassiert worden ist, im Inneren jedoch veraltet und heruntergekommen ist. Seit fünf Jahren steht das Haus leer. Bald schon soll es entkernt werden und in das Bauprojekt einer neuen Wohnanlage integriert werden. Bevor es soweit ist, toben sich aber erstmals Künstler in den leeren Gemäuern aus und nutzen diese als Bühne ihrer Ausdruckskraft.

„Die Gelegenheit, Projekte wie das „Quartier3“ realisieren zu können, sind von großem Mehrwert für die Luxemburger Kunstszene. Sie ermöglichen Kunstschaffenden aller Art einem interessierten Publikum ihre Werke in leer stehenden Häusern zu präsentieren, bevor diese abgerissen werden. Die Freiheit, die man hier bei der Arbeit hat, ist sensationell. Man kann sich richtig austoben und braucht keine Angst zu haben, etwas schmutzig oder kaputt zu machen“, erklärt Théid Johanns.

Unterschiedliche Kunstformen

Jeder Künstler ist für seinen eigenen Ausstellungsraum verantwortlich und kann ihn gestalten, wie er will: mit Skulpturen, Malerei, Zeichnungen, Kunstobjekten, Installationen, Projektionen, Poésie, Schriftzügen und Monumentalmalerei.

Bereits im Mai vergangenen Jahres nutzten eine Reihe von Künstlern und Kunstliebhabern die Räumlichkeiten der „Galerie Bradtke“ im hauptstädtischen Bahnhofsviertel, um ihnen wenige Tage vor dem Abriss noch einmal Leben einzuhauchen. „Le dernier tango à la gare“ nannte sich die Kunstausstellung, die mit über 400 Besuchern zu einem grandiosen Erfolg führte. „Dies zeigt, dass die Nachfrage für solche Projekte in Luxemburg stetig wächst. Ich habe bei der Ausstellung in der ,Galerie Bradtke' mitgearbeitet und wollte solch eine Kollektivausstellung schnellst-möglich wiederholen, da sie eine Bereicherung für jeden Künstler darstellt. Ziel war es das Ganze im Süden des Landes, in Esch/Alzette, zu wiederholen, denn wir brauchen solche Veranstaltungen hier im ,Minett'. Leider finden die meisten Events dieses Genres immer nur im Zentrum des Landes statt. Dabei wäre es so wichtig, das Image von Esch/Alzette wieder aufzuwerten und wegzukommen, von dem klischeehaften Denken, es sei eine Stadt der Kriminalität und Reibereien“, unterstreicht Théid Johanns.

Eine gemeinsame Künstlerinitiative

Am Projekt sind Künstler jeden Alters und jeden Stils beteiligt. Genau darin sieht Théid Johanns einen großen Vorteil: „Künstler sollen aus ihren egozentrischen Diva-Ecken herauskommen und ihr Können zu gemeinsamen Künstlerinitiativen beitragen. Es ist für jeden, der sich an solch einem Gemeinschaftswerk beteiligt, eine Herausforderung und gleichzeitige Bereicherung. Man bekommt ein direktes Feedback von anderen Künstlern, tauscht sich aus und stimuliert sich gegenseitig. Es muss nicht immer Mudam sein, damit es von wahrer Größe ist. Man kann durchaus auch Kunstprojekte starten ohne Budget, die genau soviel Aufmerksamkeit und Wertschätzung erlangen“, gibt der Künstler zu verstehen. Auf drei Stockwerken bieten sich dem Besucher unterschiedlich gestaltete Räume, die von Konzeptkunst bis hin zu dekorativer Kunst reichen. Es ist für jeden Kunstliebhaber etwas dabei.

Vernissage am 15.  Mai

Am Freitag, dem 15. Mai, findet ab 18 Uhr in der rue Quartier in Esch/Alzette die Vernissage zur Kollektivausstellung „Quartier3“ statt. Die Kunstausstellung ist am Samstag, dem 16. Mai, Sonntag, dem 17. Mai und den beiden darauffolgenden Wochenenden jeweils von Freitags bis Sonntags von 14 bis 22 Uhr geöffnet.


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