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Esch/Alzette: Die Ronn Bréck kehrt zurück
Die Ronn Bréck ist aus dem Escher Stadtbild verschwunden. Doch zwei Teile blieben erhalten. Eines davon wird demnächst an der Rue du 
Stade wieder aufgestellt.

Esch/Alzette: Die Ronn Bréck kehrt zurück

Foto: Interessenverein Esch-Neudorf
Die Ronn Bréck ist aus dem Escher Stadtbild verschwunden. Doch zwei Teile blieben erhalten. Eines davon wird demnächst an der Rue du 
Stade wieder aufgestellt.
Lokales 3 Min. 01.02.2018

Esch/Alzette: Die Ronn Bréck kehrt zurück

Luc EWEN
Luc EWEN
Zwei Teile der 2017 abgetragenen Rundbogenbrücke von Esch-Neudorf sind wieder zu sehen. Eines davon wird als Monument hergerichtet.

Von Luc Ewen

Die Empörung bei manchem Escher war groß, als im April vergangenen Jahres die Ronn Bréck abgerissen wurde. Die Rundbogenbrücke wurde damals in ihre Einzelteile zerlegt und in den Stahlwerken von Differdingen und Belval eingeschmolzen. Ganz? Nein. Einige Teilstücke blieben erhalten.

Eines davon ist der mittlere Teil des Bogens der Ronn Bréck. René Mackel vom Schmelzarbeitermuseum erklärt: „Es war das Stück, das beim Bau der Brücke als letztes eingesetzt worden war und es war auch das Stück, das beim Abriss als erstes wieder entnommen wurde“. Nun liegt es als Ausstellungsstück vor dem Schmelzaarbechtermusee beim Portal Lallingen der ehemaligen Arbedwerke Esch-Schifflingen.

Das obere Bogenteil, das nun Teil der Sammlung des Schmelzaarbechtermusee ist.
Das obere Bogenteil, das nun Teil der Sammlung des Schmelzaarbechtermusee ist.
Foto: Caroline Martin

Ein weiteres Teil der Brücke blieb auf Initiative des Interessenvereins Esch-Neudorf vor dem Einschmelzen verschont. Es handelt sich um Verstrebungen, die die Bogen mit der Brücke verbanden. Am 15. April 2017 berichtete das LW, dass der Interessenverein gemeinsam mit der Stadt einen Standort für diesen Brückenteil gefunden habe. Damals war die Rede von dem kleinen Platz mit rotem Kiesboden zwischen der Rue du Stade und „An der Schneier“ auf dem Galgenberg. Dieser Ort liegt nahe dem Originalstandortes der Brücke.

Standortwechsel

Doch daraus wird nun nichts. Der Projektleiter Jemp Gillen von der Escher Stadtverwaltung erklärt: „Zum Aufrichten des Brückenteils benötigen wir einen Kran. Hätten wir den Roten Platz ,an der Schneier' als Standort zurückbehalten, hätten wir zum Aufrichten des Krans die Rue du Stade ganz sperren müssen. Die ist aber der einzige Zugang für Rettungskräfte zum Emile-Mayrisch-Fußballstadion. Das Risiko wollte niemand eingehen.“

Hier sollte das Monument ursprünglich errichtet werden.
Hier sollte das Monument ursprünglich errichtet werden.
Foto: Luc Ewen

Also wurde ein neuer Standort nur etwa 30 Meter weiter, ebenfalls entlang der Rue du Stade zurückbehalten. Derzeit befindet sich das Brückenteil bereits an seinem künftigen Standort. Doch noch liegt es am Straßenrand. Das wird auch noch längere Zeit so bleiben, denn es gibt noch einiges zu tun. „Wir sind aber in freudiger Erwartung“, scherzt Jemp Gillen.

Zunächst müsse ein Sockel vor Ort gegossen werden. „Der muss dann aushärten“, so der Projektleiter. Dann muss das künftige Monument, das von den Abrissarbeitern eher grob vom Rest der Brücke abgetrennt worden war, an seinem Fuß glatt abgeschnitten werden. Danach kann eine Tragevorrichtung angebracht werden, die später das Brückenteil mit dem Sockel verbinden wird.

Das Brückenteil liegt bereits an seinem künftigen Standort als Monument.
Das Brückenteil liegt bereits an seinem künftigen Standort als Monument.
Foto: Luc Ewen

Erst wenn das Monument steht, kann es mit Sandstrahlen gereinigt werden. Wie und ob das Monument anschließend behandelt wird, etwa mit Lack, das soll dann gemeinsam mit dem Interessenverein geklärt werden. Bis das Monument fertig an Ort und Stelle steht, vergehen wohl noch mehrere Monate. Noch im ersten Halbjahr 2018 soll es jedoch so weit sein.

Die 1927 erbaute Ronn Bréck war einst Teil der Eisenbahnverbindung zwischen den Stahlwerken Terres Rouges und Esch-Schifflingen. Sie war 92 Meter lang und wog 800 Tonnen. Ihr weithin sichtbarer Bogen galt bis zum Abriss im vergangenen Jahr als eines der Wahrzeichen von Esch. Deswegen, und aufgrund ihrer Bauweise wurde die Ronn Bréck oft als Escher Eiffelturm betitelt.

Symbol des Widerstands

Im Zweiten Weltkrieg erhielt sie eine weitere Bedeutung. Um ihrem Missfallen über die Besatzung kund zu tun, hatte die Hausdame einer Neudorfer Familie zu Groussherzoginsgebuertsdag 1941 eine Luxemburger Fahne genäht. Gemeinsam mit einem Kollegen stieg ihr Ehemann am 23. Januar auf die Ronn Bréck und befestigte die Fahne an einem der Bögen. Nur mit Mühe konnten die Besatzer die Fahne wieder entfernen. Die Verantwortlichen entlarvten die Deutschen nie. Daher wurde die Brücke für viele Escher zu einem Symbol für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. So verschenkte der Lehrer Jean Thill 1943 Linolschnitte mit dem Bild der Brücke an seine Schüler.

Nach der Stilllegung der Stahlwerke verlor die Brücke ihre Bedeutung für ihren Eigentümer, den Stahlkonzern ArcelorMittal. Zwar hatte es Verhandlungen über ihren Erhalt gegeben – eine Nutzung als Fuß- und Radweg war im Gespräch –, die öffentliche Hand, die dafür finanziell hätte aufkommen müssen, empfand allerdings die Investition als zu hoch. Im April vergangenen Jahres wurde die Brücke dann abgetragen und eingeschmolzen.

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