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Ermittlungen konzentrieren sich auf Fahrwerk
Lokales 4 Min. 02.10.2015 Aus unserem online-Archiv
Bauchlandung des Luxair-Flugzeugs am Mittwoch

Ermittlungen konzentrieren sich auf Fahrwerk

Rätselhaft bleibt, warum das Fahrwerk am Ende der Startbahn schon komplett eingefahren war.
Bauchlandung des Luxair-Flugzeugs am Mittwoch

Ermittlungen konzentrieren sich auf Fahrwerk

Rätselhaft bleibt, warum das Fahrwerk am Ende der Startbahn schon komplett eingefahren war.
BeckerBredel
Lokales 4 Min. 02.10.2015 Aus unserem online-Archiv
Bauchlandung des Luxair-Flugzeugs am Mittwoch

Ermittlungen konzentrieren sich auf Fahrwerk

Die Untersuchungen zur Bauchlandung des Luxair-Flugzeugs am Mittwoch in Saarbrücken sind abgeschlossen. Offizielle Bestätigungen gibt es noch nicht, doch der Schlüssel ist das Fahrwerk.

(vb/TJ) - Die vorläufigen Untersuchungen zur Bauchlandung des Luxair-Flugzeugs am Mittwoch in Saarbrücken sind abgeschlossen. Offizielle Bestätigungen gibt es noch nicht, doch der Schlüssel ist das Fahrwerk.

Bereits am Mittwochabend könnte die Luxair und die mit den Ermittlungen betraute Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen die Ursache für das Unglück gewusst haben. Wie das Luxemburger Wort erfuhr, ist eine Mannschaft der Luxemburger Flughafenfeuerwehr zum Flughafen Saarbrücken beordert worden. Mit aufblasbaren Hebekissen - die es in Saarbrücken nicht gibt - haben die Feuerwehrleute die Bombardier Q400 angehoben und aufgebockt.

Danach haben die zwei Experten versucht, das Fahrwerk auszufahren. Dies habe anscheinend tadellos funktioniert. Anschließend sei das beschädigte Flugzeug auf den intakten Rädern in den Hangar gezogen worden.

Fahrwerk zu früh eingefahren?

Beim Start der Q400 in Saarbrücken ist das Einziehen des Fahrwerks offenbar viel zu früh geschehen: Am Ende der 2000-Meter-Startbahn war das Fahrwerk bereits komplett eingezogen.

Normalerweise wird das Fahrwerk nach Angaben von Piloten beim Start erst in einer Flughöhe von über 50 Metern eingefahren. Bei einem Sturz aus dieser Höhe jedoch wäre das Flugzeug beim Aufprall auf den Boden wohl kaum intakt geblieben.

Im Normalfall gibt der Pilot am Steuerknüppel (das kann der Kapitän sein oder sein Copilot) das Kommando, das Fahrwerk einzuziehen, sobald das Flugzeug die erwähnte Höhe oder mehr erreicht hat und der Steigflug sichergestellt ist (Positive Climb).

In Expertenkreisen kursiert derzeit eine mögliche Erklärung für diesen Vorgang: Der Pilot könnte den Fahrwerksschalter bereits vor dem Start auf „Gear Up“ ("Einfahren") gestellt haben. Mit diesem laut dem Hobbypilotenforum „nicht ganz ungefährlichen Trick“ fährt das Fahrwerk sofort ein, wenn die Sensoren eine Entlastung des Fahrwerks feststellen. Bei Bodenunebenheiten könnte dies schon auf der Startbahn passiert sein.

Experten zufolge gibt es keinen Grund, den Hebel in die "Gear Up"-Position zu bringen. Das frühzeitige Einziehen, das in diesem Fall passiert sein könnte, sobald das Flugzeug sich in die Luft erhebt, bringt demnach nichts. Zudem ist der Hebel so positioniert, dass er von Pilot und Copilot gut zu sehen ist, was eine Fehlbedienung ausschließen soll.

Blick ins Cockpit einer Q400. Der Fahrwerkshebel (roter Kreis) ist für Pilot und Copilot gut erreichbar.
Blick ins Cockpit einer Q400. Der Fahrwerkshebel (roter Kreis) ist für Pilot und Copilot gut erreichbar.
Foto: Wikipedia

Doch auch ein technisches Problem kommt in Frage: Bereits 2007 gab es bei Flugzeugen vom Typ Bombardier Q400 Probleme, weil das Fahrwerk zu früh eingezogen wurde.

Die ersten Untersuchungen der Experten in Saarbrücken sind unterdessen abgeschlossen. „Die zwei mit der Untersuchung betrauten Gutachter haben alle Informationen eingeholt. Sie sind derzeit wieder auf dem Weg zurück nach Braunschweig“, sagt Germout Freitag von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU), die den Vorfall analysiert.

Wir suchen nicht nach Schuldigen, wir wollen den Flugverkehr sicherer machen.

Zuvor hatten die zwei Gutachter mit dem Pilot und dem Copilot sowie mit Passagieren gesprochen. Am Donnerstag wurde das beschädigte Flugzeug untersucht. Mit Rückschlüssen auf die Unglücksursache hält sich die BFU strikt zurück: Es werde noch sechs Wochen dauern, bis der Vorbericht fertig ist. Vorher will sich die Behörde noch nicht äußern. „Das wäre verfrüht. Wir suchen zudem nicht nach Schuldigen, wir wollen den Flugverkehr sicherer machen“, sagt Freitag.

Von der Luxair war am Freitagmorgen kein Kommentar zum Ablauf des Unglücks zu bekommen.

Kein geplatzter Reifen

Am Donnerstag war die Aussage eines Passagiers des Unglücksflugs bekannt geworden. Er glaubt, ein Geräusch wie von einem geplatzten Reifen gehört zu haben. Diese Information wurde bisher von der Luxair nicht bestätigt.

Fragen wirft der Umstand auf, dass bei seiner Bauchlandung am Ende der Startbahn das Fahrwerk bereits vollständig eingefahren war. Nach Angaben von Fachleuten dauert es zwischen 10 und 15 Sekunden nach dem Abheben, bis das Fahrwerk komplett eingezogen ist.

Die Startbahn in Saarbrücken ist 2000 Meter lang. Der Flughafen befindet sich auf einer Anhöhe, die von steil abfallenden Hängen begrenzt wird. Wäre das Flugzeug mehrere Hundert Meter weitergeschlittert, wäre es womöglich den Hang hinabgestürzt.

In Saarbrücken wird immer wieder diskutiert, die knapp ausgelegte Start- und Landebahn zu verlängern. Zum Vergleich: Die Startbahn am Luxemburger Flughafen Findel ist 4000 Meter lang. Dies wäre nur unter großem finanziellen Aufwand möglich.

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