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Erinnerung an die Opfer des Zweiten Weltkriegs
Lokales 7 3 Min. 10.10.2021
Nationaler Gedenktag

Erinnerung an die Opfer des Zweiten Weltkriegs

Der Gedenktag begann mit einer Zeremonie am Kanounenhiwwel.
Nationaler Gedenktag

Erinnerung an die Opfer des Zweiten Weltkriegs

Der Gedenktag begann mit einer Zeremonie am Kanounenhiwwel.
Foto: Laurent Blum
Lokales 7 3 Min. 10.10.2021
Nationaler Gedenktag

Erinnerung an die Opfer des Zweiten Weltkriegs

Raymond SCHMIT
Raymond SCHMIT
Im Rahmen des nationalen Gedenktags fanden am Sonntag an mehreren Gedenkstätten Erinnerungsfeiern statt.

„Erinnerung ist Pflicht“, diesen Aufruf gab es am Sonntag wiederholt im Rahmen des nationalen Gedenktags. Mit diesem Tag erinnert sich Luxemburg an die Opfer des Zweiten Weltkriegs. Er stand diesmal im Zeichen von zwei Jahrestagen, denn es ist genau 80 Jahre her, dass die Nazis Luxemburg eindeutschen wollten. Vor ebenfalls acht Jahrzehnten, am 16. Oktober 1941, wurden die ersten jüdischen Mitbürger von Luxemburg aus per Zug nach Litzmannstadt verschleppt. Die meisten von ihnen sahen die Heimat nicht mehr wieder.

1946 eingeführt

Der nationale Gedenktag geht auf den 10. Oktober 1941 zurück. Vor genau 80 Jahren, gut ein Jahr nach dem Einmarsch von Hitlers Truppen am 10. Mai 1940, wollten die neuen Machthaber im besetzten Luxemburg eine sogenannte Personenstandsaufnahme durchführen. Im Klartext hieß das, dass die Luxemburger sich im Rahmen einer landesweiten Volksbefragung zum Deutschtum und zur deutschen Sprache bekennen sollten. Für die Nazis ging das Vorhaben gründlich daneben.

Nicht zuletzt dank der gezielten Informationsarbeit der Widerstandsorganisationen bekannte sich eine überwältigende Mehrheit von mehr als 96 Prozent zum Luxemburgischen. Als sich das Fiasko für die Deutschen abzeichnete und weil dieses Ergebnis einer Niederlage gleichgekommen wäre, zog Gauleiter Gustav Simon die Reißleine. Er blies die Aktion ab, noch bevor das Endergebnis der Befragung vorlag.

Eingeführt wurde der nationale Gedenktag 1946, ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. An diesem Tag erinnert sich das Land an alle Einwohner, die während der Naziherrschaft im Widerstand aktiv waren, in Gefängnisse oder Konzentrationslager verschleppt wurden, umgesiedelt oder ab 1942 völkerrechtswidrig in die deutsche Wehrmachtsuniform gezwungen wurden.

Mehrere Gedenkfeiern

Der Gedenktag begann auf dem „Kanounenhiwwel“ in Anwesenheit von Großherzog Henri. Dort wurde der Staatschef bei seinem Eintreffen begrüßt von Parlamentspräsident Fernand Etgen, Premierminister Xavier Bettel, Vizepremier François Bausch, der Bürgermeisterin der Stadt Luxemburg, Lydie Polfer, dem Kommandanten der Armee, General Steve Thull, und Polizeigeneraldirektor Philippe Schrantz. Nachdem der Großherzog einen Kranz am nationalen Solidaritätsdenkmal niedergelegt hatte, entzündete er die ewige Flamme.

Anschließend fand eine weitere Gedenkfeier beim Denkmal für die Opfer der Shoa statt. Hier erinnerten der Präsident des israelitischen Konsistoriums, Albert Aflalo, und Premier Xavier Bettel an die Leiden der jüdischen Bevölkerung während des Zweiten Weltkriegs.

Gedenkplatte für Spanienkämpfer

Gewürdigt wurden im Rahmen des diesjährigen Gedenktags auch die Luxemburger, die während des Spanischen Bürgerkriegs an der Seite der internationalen Brigaden kämpften. Damit ihr Kampf gegen den Faschismus nicht in Vergessenheit gerät, wurde am Sockel der „Gëlle Fra“ eine Gedenktafel enthüllt.


Commémoration Armistice/1. Weltkrieg “Kanounenhiwwel“ Gëlle Fra, Foto Lex Kleren
"Der Hölle entkommen"
Im Alter von 18 Jahren wurde Marcel Goniva in die Uniform der deutschen Wehrmacht gezwungen und an die Ostfront verlegt.

Der Spanische Bürgerkrieg tobte von 1936 bis 1939. Es war der Aufstand spanischer Militärs unter General Francisco Franco gegen die republikanische Regierung Spaniens. Mit der Unterstützung Nazideutschlands konnten die Putschisten den Zusammenbruch der Regierung herbeiführen. Die anschließende Diktatur unter Franco dauerte bis 1975.

Ab 1936 zog es auch viele Luxemburger Einwohner auf die Iberische Halbinsel, um gegen Franco zu kämpfen, obschon ihnen ein Gesetz vom 10. April 1937 eine Einmischung in den Bürgerkrieg ausdrücklich untersagt hatte.

Die internationalen Brigaden wurden am 23. September 1938 aufgelöst. Die insgesamt 102 Luxemburger, die in Spanien in den Krieg gezogen waren, kamen alle unversehrt nach Hause zurück. In der Heimat galten sie lange Zeit als Geächtete. Zudem waren sie während des Zweiten Weltkriegs der Verfolgung durch die Nazis ausgesetzt. Erst 2003 wurden sie rehabilitiert.

In drei Wellen

Bei der Gedenkstätte beim Bahnhof Hollerich erinnert der Präsident der Zwangsrekrutierten, Erny Lamborelle, daran, dass während es Zweiten Weltkriegs die Luxemburger in drei großen Wellen per Zug verschleppt wurden. Opfer der ersten waren ab 1941 Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft, während am 17. September 1942 die 21 ersten von insgesamt 1.148 Familien in die Umsiedlung gebracht wurden, in erster Linie, weil ihre Söhne versucht hatten, sich der Zwangsrekrutierung in die deutsche Wehrmacht zu entziehen. Der Bahnhof war außerdem die erste Station auf dem Leidensweg von über 15.000 jungen Männern und Frauen, die in die Wehrmacht oder den Arbeitsdienst zwangsverpflichtet worden waren.

Eine letzte Gedenkfeier in der Hauptstadt fand beim Hinzerter Kreuz statt. Dort wurden die Gräber gesegnet von Großrabbiner Alain Nakache, der Vorsitzenden des Konsistoriums der Protestantischen Kirche in Luxemburg, Emmanuelle Bauer, und Generalvikar Patrick Muller.

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