Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Endspurt in den Wäldern: Achtung, Baum fällt!
Lokales 10 2 Min. 30.03.2015

Endspurt in den Wäldern: Achtung, Baum fällt!

Ob während der Fahrt auf der Landstraße oder beim Spaziergang durch die Wälder, an vielen Stellen scheint momentan besonders intensiv abgeholzt zu werden. Doch ist das so? Hat das Fällen seine Richtigkeit?

(hip) - Was passiert gerade in den öffentlichen Wäldern? Die Einwohner Luxemburgs können seit ein paar Wochen massive Holzfäll-Arbeiten beobachten. Doch der Eindruck, es werde übertrieben abgeholzt, täuscht. Hier hat alles seine Richtigkeit. 

„Oft sehen die Spaziergänger an den Stellen wo wir arbeiten, nur den aufgewühlten Boden und interpretieren darin eine Spur der Verwüstung“, erklärt Michel Leytem, Oberförster im Bezirk Süden. „Unsere 65 Förster stehen den Bürgern gerne Rede und Antwort. Ein Anruf reicht.

Zwischen Oktober und März darf in den Wäldern Holz geerntet werden, dies besagt eine alte Regel, die aber heute durch die Klimaveränderung kaum noch anwendbar ist. Richtiger heißt es: Zieren noch grüne Blätter die Baumkrone, muss die Motorsäge fern bleiben. Momentan ist also Endspurt angesagt.

Bei den Waldarbeitern herrscht Zeitdruck durch die immer wärmer werdenden Winter. Das Laub fällt erst spät ab. Die Niederschläge nehmen zu. Der Waldboden weicht auf. „Uns fehlt der Frost, damit wir die gefällten Bäume möglichst schonend aus den Wäldern transportieren können. Nicht selten müssen wir das geschlagene Holz bis zu einem günstigeren Moment zurücklassen.“

Es wächst mehr nach, als geerntet wird

Rund 200 000 Kubikmeter Holz werden jährlich in Luxemburg in den öffentlichen Wäldern geerntet und dies unter strenger Überwachung im Sinne einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung. 34 Prozent des Landes sind von Wäldern bedeckt. Im Vergleich zum Volumen der Holzernte, wachsen 440 000 Kubikmeter jährlich nach.

In einem Zeitabstand von zehn Jahren führt die „Administration de la nature et des fôret“ (ANF) ein große Bestandsaufnahme der öffentlichen Wälder durch. „Wo haben sich welche Baumarten weiterentwickelt.

Wie alt sind die Bäume? Stellen sie 
eine Gefahr für den Verkehr oder Spaziergänger dar? Sind sie etwa erkrankt und geschwächt? Daraufhin werden Varianten ausgearbeitet, welche Schritte in den kommenden zehn Jahren unternommen werden müssen,“ erläutert Dr. Frank Wolter, Direktor der Natur- und Forstverwaltung. „Wir verfügen über ein detailliertes Kartenmaterial aus sämtlichen Regionen des Landes und wissen somit, welche Arten wo Wurzeln geschlagen haben.“ 

Selbstgemachte Verjüngung

Erreicht ein Waldgebiet eine gewisse Altersgrenze, kann das Ökosystem zusammenbrechen. Hier macht eine Teilrodung, oder sogenannte Durchforstung des Bestands Sinn.

„Man könnte eine solche Unausgeglichenheit der Altersstrukturen mit der der Demografie der Menschen vergleichen. Irgendwann ist eine Endnutzung erreicht“, so Michel Leytem weiter. Die Durchforstung sei vergleichbar mit dem Zurückschneiden der Obstbäume und Hecken aus dem heimischen Garten. Neue Bäume werden heute allerdings kaum noch gepflanzt.

Auf den freigeschnitten Flächen ist es die Natur selbst , die eine Verjüngung des Baumbestandes regelt. Eine Ausnahme stellt der Bau des Tramdepots in Kirchberg dar. Hierzu musste ein Teil des Niedergrünewalds gerodet werden. Der Bestand wurde in wenigen Kilometer Entfernung durch das Pflanzen von rund 10 000 Bäumen nahe der Ortschaft Ernster kompensiert.

Die Stämme sowie das Holz der Baumkronen werden dann an unterschiedliche, meist ausländische Holzhändler versteigert und landen in der Möbel-, Papier- oder gar Weinfassherstellung. Denn in Luxemburg gibt es kaum noch eine Industrie für den nachwachsenden Rohstoff.




Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Umweltamt: Der Wald ist gestresst
Der Zustand des Waldes in Luxemburg verschlechtert sich weiter. Schuld sind offenbar der Klimawandel und extreme Umwelteinflüsse, die besonders dem heimischen Buchenbestand zusetzen. Nun will die Regierung eine nachhaltigere Bewirtschaftung fördern - auch mit Subventionen für private Waldbesitzer.
Der Zustand der Wälder Luxemburgs war schon mal besser.
Internationaler Tag des Waldes: Der Wald lebt!
Seit den 1970er-Jahren gilt der 21. März als internationaler Tag des Waldes. Mit dem Direktor der Natur- und Forstverwaltung, Fränk Wolter, wirft das "Luxemburger Wort" aus diesem Anlass einen Blick auf die grüne Lunge Luxemburgs.
Die 91.400 Hektar Luxemburger Wald befinden sich etwa zur Hälfte in öffentlicher bzw. privater Hand.