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Endlich wieder im Klassensaal
Lokales 21 1 5 Min. 25.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Endlich wieder im Klassensaal

In Feulen kehrten nach zweieinhalb Monaten rund 100 Schulkinder wieder in ihren Klassensaal zurück.

Endlich wieder im Klassensaal

In Feulen kehrten nach zweieinhalb Monaten rund 100 Schulkinder wieder in ihren Klassensaal zurück.
Foto: Nico Muller
Lokales 21 1 5 Min. 25.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Endlich wieder im Klassensaal

Nach zweieinhalb Monaten kehrten die Schüler in ihre Schulen zurück. Das "Luxemburger Wort" war in Feulen, Grevenmacher, Münsbach und Bettemburg dabei.

Von Nico Muller, Volker Bingenheimer, Jeff Wiltzius und Nicolas Anen

Sechs Wochen nach der Ankündigung von Bildungsminister Claude Meisch, die Grundschulen am 25. Mai wieder zu öffnen, war es heute nun so weit. Die bange Frage ist: Befolgen die Kinder die strengen Spielregeln, die die Erwachsenen ihnen im Schulbus, dem Pausenhof, im Klassenraum oder auch etwa beim Toilettengang neuerdings aufzwingen?

7.45 Uhr auf dem Schulhof in Feulen: Überall Barrieren mit Schildern, dahinter eine Lehrperson. Für einen Uneingeweihten scheint das alles ein bisschen verwirrend. Doch es hat System, was man in den folgenden Minuten feststellen kann.

Die Kinder, die nach und nach eintreffen, laufen nämlich zielgerichtet zu der für sie vorgesehenen Barriere, weil sie dort ihren Lehrer – trotz Maske – erkennen. Dies ist denn auch kein Zufall, waren sie doch noch am vergangenen Freitag per Videokonferenz gebrieft worden und wussten also genau, wohin sie mussten.

Vom gemeinsamen Sammelplatz gehen die Kinder dann mit ihrer Lehrperson zum Klassensaal, selbstverständlich eine Gruppe nach der anderen. Alles geht diszipliniert und unaufgeregt über die Bühne, worüber sich Bürgermeister Fernand Mergen, Schuldirektor Gérard Roettgers und Schulpräsidentin Malou Schmartz, die vor Ort die Abläufe verfolgen, freuen: "Wir sind erleichtert, dass alles so reibungslos klappt."

Abstand und Händewaschen

Diszipliniert verhalten sich auch die Schüler der Grundschule Grevenmacher. Auf dem Pausenhof, der in zwei streng getrennte Bereiche unterteilt wurde, tragen die Kinder Masken. Im Klassensaal dürfen sie sie abnehmen. Dort sitzen sie an ihren Tischen mit dem obligatorischen Abstand und müssen regelmäßig die Hände waschen.

Eine neue Erfahrung: Lehren und lernen mit der Mundschutz-Maske.
Eine neue Erfahrung: Lehren und lernen mit der Mundschutz-Maske.
Foto: Guy Jallay

Michèle Silbereisen, die Präsidentin des Schulkomitees, berichtet von unzähligen Stunden, die für Planung und Organisation der Corona-Sicherheitsmaßnahmen nötig waren. "Heute Morgen war ich so aufgeregt, dass ich um 5.30 Uhr aufgewacht bin", sagt sie. 

"Wie Sudoku"

In den fünf Wochen vor der Wiedereröffnung der Schulhäuser mussten die Gänge in Einbahn-Regelung ausgeschildert, farbig gekennzeichnete Zonen ausgewiesen und die Schüler eines Zyklus in kleinere Gruppen eingeteilt werden. Bei dieser Einteilung galt es für die Lehrer, auf viele Anforderungen Rücksicht zu nehmen - zum Beispiel Geschwisterkinder und Maison-relais-Gruppen nicht zu trennen. 

"Es hatte schon etwas von Sudoku", meint Joa Baum, Schuldirektor für die Region Grevenmacher. Vorläufig bis zum Ferienbeginn am 15. Juli gelten die Corona-Vorsichtsmaßnahmen. Schüler, Eltern und Lehrer hoffen, dass sie im neuen Schuljahr nicht mehr nötig sein werden.  


Lokales, Claude Miesch besucht Ribeschpont Schule in Dudelingen, Maske, Maskenpflicht, Schule, Covid-19, Corona, Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort
Claude Meisch: Eine Übergangsphase
Für die Rentrée war Bildungsminister Claude Meisch in der Düdelinger Schule Ribeschpont zu Besuch. Dort betonte er, dass die aktuelle Schulorganisation ein Übergangsmodell darstellt.

Ein geregelter Ablauf in der Gemeinde Schüttringen

7.40 Uhr. Noch zehn Minuten, dann betreten die ersten Schüler die Klasse von Dorian Proietti (31) in Münsbach. "Ich bin sehr glücklich, dass es wieder losgeht. Auch wenn die Vorbereitungen anstrengend waren", freut sich der Grundschullehrer einer Zyklus 4 vom Campus An Der Dällt aus der Gemeinde Schüttringen. 

Bis vergangene Woche hat er seinen Klassenraum auf diesen Augenblick vorbereitet. Darüber hinaus musste ebenfalls das Lernprogramm in den letzten Tagen angepasst werden: "Mit den Schulbüchern werden wir erst mal nicht arbeiten – aus hygienischen Gründen", so Dorian Proietti. Dennoch, der Stundenplan für den ersten Schultag ist entspannt: "Heute erkläre ich meinen zehn Schülern aus der Gruppe A den genauen Schulablauf und unsere internen Regeln." 

Über das Homeschooling aber hat Dorian Proietti eine zwiegespaltene Meinung: "Die Wochen waren eine tolle Erfahrung, aber dennoch: Es reicht damit", sagt er und lächelt.

Es ist fünf vor acht. Bei dem für Eltern abgesperrten Bereich draußen vor dem Campus, steht Xandor Vanderbergh. Der junge Vater hat gerade seinen fünfjährigen Sohn an der Absperrung verabschiedet. Ob er es für gut befinde, dass sein Sohn wieder zur Schule geht: "Ein Risiko besteht immer, aber ich habe vollstes Vertrauen in die Regierung", betont er. So hat er sich an die Anordnungen der Schule gehalten. Denn auch wenn er die gemeinsame Zeit zu Hause sehr genossen habe, für die Kinder wäre das Wiedersehen mit ihren Freunden wichtiger, erklärt er weiter.


Schengen: Unterricht mit Abstand
In Schengen hat man sich auf die Rentrée vorbereitet – gleich drei Schulen sind angepasst worden. Am Montag beginnt für die 460 Schüler ein etwas anderer Schulalltag.

Ganz so positiv wie der Familienvater sieht es Jackye Elombo nicht. Für die Mutter von drei Kindern im Alter von drei, vier und zehn Jahren waren die letzten Tage eine Belastung. "Ich finde es nicht gut, was man hier unseren Kleinen und den Familien zumutet", ärgert sich die Mutter. "Es war für die Kinder sehr stressig."

Kurz nach acht sind die Schulbusse leer. Auch die Eltern haben das Campusgelände in Münsbach wieder verlassen und die Schüler folgten zielgerichtet den Hinweisschildern zu ihren Klassenräumen. Nach diesem gelungenen Ablauf am Montag, war Joa Baum die Erleichterung anzusehen: "Die Vorbereitungen und die Gespräche mit den Elternvereinigungen haben sich ausgezahlt." In wenigen Wochen werden man eine erste Bilanz ziehen können. "Spätestens dann werden wir noch Anpassungen vornehmen", fügt der Direktor hinzu.

Auch in Bettemburg verläuft die Rentrée ruhig

Vor der Kirche in Bettemburg warteten die Kinder, die in der Maison relais oder in der Sporthalle betreut wurden.
Vor der Kirche in Bettemburg warteten die Kinder, die in der Maison relais oder in der Sporthalle betreut wurden.
Foto: Lex Kleren

"Ich freue mich auf die Kinder, als wäre es ein 15. September", sagt Martine Backes, Präsidentin des Schulkomitees der Schoul am Duerf in Bettemburg, kurz vor Schulbeginn. Hier sucht man Absperrungen im Pausenhof vergebens.

Trotzdem halten sich die Schulkinder schön diszipliniert nur bei ihren Klassenkollegen auf, die Eltern bleiben draußen. Der Hof war schon zuvor in verschiedene Zonen eingeteilt, die die Schulkinder kennen, erklärt die Präsidentin des Schulkomitees Martine Backes. 

Der Aufwand in den Vortagen sei mit "vielen Nachtschichten" verbunden worden, sagt sie. Vor allem die Gruppenaufteilung habe viel Zeit gekostet. Letztendlich sei man aber bereit, auch dank guter Zusammenarbeit mit der Maison relais und dem Schuldienst der Gemeinde.  

Kinder erfreuter als Eltern

Etwas mulmig ist Mutter Marta zumute, ihre Tochter Lea freut sich aber auf den Schulanfang.
Etwas mulmig ist Mutter Marta zumute, ihre Tochter Lea freut sich aber auf den Schulanfang.
Foto: Lex Kleren

Freuen auf den Schulbeginn tut sich auch Lea (9). Während ihre Mutter Marta ein wenig ein mulmiges Gefühl hat, ist Lea froh, wieder ihre Freundinnen zu sehen. Ihre Mutter fragt sich, ob es nicht noch zu früh sei. Sie lässt sich aber gerne von der Freude ihres Mädchen anstecken. 

Student am Werk

Amy Kohn wird Kinder in der Sporthalle betreuen.
Amy Kohn wird Kinder in der Sporthalle betreuen.
Foto: Lex Kleren

Neu ist die Situation auch für Amy Kohnen (20). Die Studentin ist eine der zusätzlichen Lehrkräfte, die angeheuert wurde, um die Kinder während den Übungswochen zu betreuen. Sie wartet darauf, dass alle eintreffen, dann geht sie mit den Kindern zur Sporthalle, wo Räumlichkeiten eingerichtet wurden. 

Sie sei schon ein wenig nervös, habe aber bereits als Ersatzlehrerin Erfahrung sammeln können, erzählt sie. 

Auch im Falle von Sara (10) und Mutter Dina, ist der Mutter mulmiger als der Tochter.
Auch im Falle von Sara (10) und Mutter Dina, ist der Mutter mulmiger als der Tochter.
Foto: Lex Kleren

Unter den Schülerinnen, die sie betreuen wird, ist Sara (10). Auch sie freut sich, ihre Klassenkameradinnen wieder sehen zu dürfen. 

Ihre Mutter arbeitet im Schulbereich. Weshalb sie keine andere Wahl gehabt habe, als ihre Tochter für die Übungswochen einzuschreiben.  

"Die Angst ist immer da, aber man muss es positiv sehen", sagt die Mutter. 

Ihre Tochter, deren Augen hinter ihrer bunten Maske lächeln, sieht man aber definitiv keine Angst ab.


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