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Eklat im Gemeinderat Diekirch: Ein kinoreifer Abend
Lokales 3 Min. 14.06.2017 Aus unserem online-Archiv

Eklat im Gemeinderat Diekirch: Ein kinoreifer Abend

Am 20. Juni öffnet das neue "Ciné Scala" in Diekich seine Türen.

Eklat im Gemeinderat Diekirch: Ein kinoreifer Abend

Am 20. Juni öffnet das neue "Ciné Scala" in Diekich seine Türen.
Foto: John Lamberty
Lokales 3 Min. 14.06.2017 Aus unserem online-Archiv

Eklat im Gemeinderat Diekirch: Ein kinoreifer Abend

John LAMBERTY
John LAMBERTY
Am 20. Juni öffnet in Diekirch ein neuer Kinokomplex seine Türen. Ist die Freude darüber im Rathaus ungeteilt, so sorgte das Vorgehen der Gemeindeführung mit Blick auf die Übernahme desselben am Dienstag aber für den demonstrativen Rückzug der Opposition vom Ratstisch.

(jl) -  Es war kurz vor 21 Uhr als sich am Dienstagabend die Vertreter von CSV, DP und „Déi Gréng“ plötzlich erhoben und unmittelbar vor der Abstimmung über einen Erwerb des neuen Kinokomplexes gegenüber der „Al Seeërei“ wortlos den Diekircher Gemeinderatssaal verließen.

Ein demonstrativer Protestakt, der eine sichtlich verdutzte LSAP-Mehrheit allein zurückließ. So stumm war es während der anderthalb Stunden zuvor dagegen nicht zugegangen. In einer gemeinsamen Stellungnahme hatte die Opposition ihrem Ärger über die Gemeindeführung da noch deutlich Luft gemacht.

Opposition zieht wortlos von dannen

Nachdem zunächst ausdrücklich betont worden war, dass alle Fraktionen von Anfang an hinter dem Bau eines neuen Kinokomplexes gestanden hätten, monierten im Anschluss aber sämtliche Sprecher das Vorgehen des Schöffenrats mit Blick auf die Umsetzung und die nun geplante Übernahme des Kinos durch die Gemeinde.

Sei zunächst beabsichtigt gewesen, mit der Auslagerung des Baus an die Gesellschaft „Kino Dikkrich Sàrl“ auch die Betreibung und damit alle direkten und indirekten Kosten in private Hände zu legen, so habe der Schöffenrat in der Folge einen kompletten Paradigmenwechsel vollzogen, indem man den Komplex über einen Pachtvertrag mit Kaufoption plötzlich doch in Eigenregie – und mit sämtlichen finanziellen Risiken – betreiben wollte, wie CSV-Rat Paul Bonert die Entstehungsgeschichte skizzierte.

Und nun solle die Opposition, nachdem der Gemeinderat durch die Vergabe des Baus von jeglichem Gestaltungseinfluss ausgeschlossen worden sei, dem Kauf eines Kinos zustimmen – ohne das Objekt jemals von innen gesehen zu haben, ohne vom Schöffenrat transparent informiert worden zu sein und vor allem ohne den Kaufpreis zu kennen, könne dieser doch offenbar erst nach Abnahme der Arbeiten auf Basis der genauen 
Investitionen ermittelt werden.

CSV: "Eine Katze im Sack"

Das nenne man wahrhaftig eine „Katze im Sack“, wie Paul Bonert meinte, der aber aufgrund zweier 
zuvor vom Schöffenrat beantragter Expertisen von einem Kaufpreis (samt Innenausstattung) von rund acht Millionen Euro ausging.

DP-Rat Jemp Thill hielt die Expertisen aufgrund fehlender Details und abweichender Schätzmethoden dagegen nicht wirklich für aufschlussreich. Er sprach denn auch von einer finanziellen Blindfahrt, der man unmöglich guten Gewissens zustimmen könne.

Für Ärger sorgte bei der Opposition zudem, dass bereits etliche Zeit vor der Abstimmung des 
Gemeinderats über die Übernahmemodalitäten eine parteipolitische Vermarktung des Kinos angelaufen sei, weshalb „Déi Gréng“-Rat Fränk Thillen auch von einem „LSAP-Kino“ sprach.

LSAP verwahrt sich gegen Kritik

Bürgermeister Claude Haagen zeigte sich von der harschen Kritik derweil bass erstaunt, schließlich sei der Pachtvertrag mit Kaufoption seinerzeit ebenso wie alle notariellen Akten im Gemeinderat, teils gar mit Zustimmung der Opposition, votiert worden, während auch die Baupläne in der Bautenkommission vorgestellt worden seien, wo ja ebenfalls alle Parteien vertreten seien. Von mangelnder Transparenz könne demnach wohl kaum die Rede sein.

Hätte die Opposition das Kino im Laufe der Arbeiten begutachten wollen, hätte man sich eben an den privaten Besitzer wenden sollen, der über den Zugang zu seinem Gebäude zu entscheiden habe, so Haagen. Klar sei zudem von Anfang an gewesen, dass man mit der Vergabe des Bauauftrags 
natürlich auch die Umsetzungshoheit in andere Hände abgebe.

Diese Entscheidung sei aber richtig gewesen und auch völlig gesetzeskonform durchgeführt worden, schließlich hätte die Gemeinde doch gar nicht über das nötige Know-How verfügt, um 
ohne professionelle Hilfe aus dem Kinomilieu – und damit sozusagen ohne Einbeziehung der Konkurrenz – ein eigenes Lastenheft zu erstellen und auszuschreiben, so der Bürgermeister.

Haagen: "Zu früh für Preisspekulationen"

Was den Kaufpreis angeht, so sei es zudem voreilig aufgrund der Expertisen über Beträge zu spekulieren, könne der Endpreis eben erst nach Ermittlung des konkreten Invests und auf Basis der vom Gemeinderat gewählten Erwerbsoption verhandelt und festgelegt werden.

Der Schöffenrat bleibe somit bei dem Vorschlag, den 
Kinokomplex in einem gestreckten Kauf in fünf Ratenzahlungen zu erwerben, dies mit der Auszahlung der ersten Rate zum ersten Trimester 2018. Bis dahin werde eine Pacht gezahlt. Ein Vorschlag, der im Anschluss – nach dem Abzug der Opposition vom Ratstisch – also einstimmig von der LSAP-Mehrheit bewilligt wurde.

Am 20. Juni kann das neue 
Diekircher „Ciné Scala“ somit nun seine Türen öffnen. Dramen und Komödien dürften demnach in der Sauerstadt auf dem Spielplan bleiben. Und sei es auch nur auf der Kinoleinwand ...


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