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Eklat am Theater Trier: Theaterstück über Tanja Gräff wird gestrichen
Lokales 3 Min. 18.05.2016 Aus unserem online-Archiv

Eklat am Theater Trier: Theaterstück über Tanja Gräff wird gestrichen

Der Fall Tanja Gräff: 2007 war die Studentin spurlos verschwunden, erst 2015 wurde ihre Leiche gefunden.

Eklat am Theater Trier: Theaterstück über Tanja Gräff wird gestrichen

Der Fall Tanja Gräff: 2007 war die Studentin spurlos verschwunden, erst 2015 wurde ihre Leiche gefunden.
Foto: Polizei Trier
Lokales 3 Min. 18.05.2016 Aus unserem online-Archiv

Eklat am Theater Trier: Theaterstück über Tanja Gräff wird gestrichen

Am Trierer Theater war eine Aufführung über den Fall Tanja Gräff geplant. Nach heftiger Kritik entschied Intendant Karl Sibelius jetzt, das Stück aus dem Spielplan zu streichen.

(mz) - Die Empörung war groß, als Leser des Trierischen Volksfreunds von einem Theaterstück über Tanja Gräff erfuhren. Neben kritischen Stimmen verteidigten einige das künstlerische Vorhaben - mit dem Hinweis, die Mutter des Opfers wisse über die geplante Vorführung Bescheid. Das jedenfalls hatte Schauspielchef Ulf Frötzschner bei einer Pressekonferenz gesagt.

Tatsächlich wurde die Mutter über das Theaterstück in Kenntnis gesetzt, zugestimmt hat sie allerdings nie.

Der Rechtsanwalt meldet sich zu Wort

Jetzt hat sich Detlef Böhm, Anwalt von Waltraut Gräff, eingeschaltet:

Tanja Gräff wurde seit dem 7. Juni 2007 vermisst.
Tanja Gräff wurde seit dem 7. Juni 2007 vermisst.
Foto: www.suche-tanja.fh-trier.de

"Sie möchte nicht, dass ihre Tochter beziehungsweise der Fall Tanja Gräff  in einem Schauspielhaus inszeniert wird. Meine Mandantin hat schmerzliche Erfahrungen gemacht und möchte auf keinen Fall, dass ein Theaterstück aufgeführt wird“, schreibt Böhm in einem Brief an Schauspielchef Frötzschner und an Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe.

Rechtlich muss der Anwalt aber nicht gegen das Stück vorgehen. Der Generalintendant des Theaters, Karl Sibelius, hat bereits eingegriffen und das Stück mit dem Tiel "Die rote Wand", das für 2017 vorgesehen war, vom Spielplan genommen.

„Ich musste davon ausgehen, dass die Informationen, die mein Schauspieldirektor bei der Pressekonferenz gegeben hat – die Mutter sei involviert – auch abgesichert sind. Das ist offensichtlich nicht der Fall", begründet er laut "Trierischem Volksfreund" seinen Entschluss. Es liege ihm fern, Frau Gräff zu belasten.

Eine Zustimmung gab es nie

Frötzschner sagt, er habe Waltraud Gräff per E-Mail über seine Pläne informiert, allerdings nicht überprüft, ob sie einverstanden sei.

Dass er keine Antwort erhielt, habe er als Zustimmung gedeutet. „Wenn sie mir geschrieben hätte, dass sie das auf keinen Fall will, hätte ich das sofort abgeblasen“, sagt er der Zeitung.

Die rote Wand - darum geht es

Das Stück "Die rote Wand" sollte im Mai 2017 im Theater Trier aufgeführt werden. Nicht Tanjas Verschwinden und auch nicht ihr Tod am roten Felsen sollten thematisiert werden. Das Stück wollte aufzeigen, wie emotional die Gesellschaft und die Medien auf solche Fälle reagieren. 

Der Fall Tanja Gräff

Hinter diesem Haus lag die Leiche von Gräff acht Jahre lang.
Hinter diesem Haus lag die Leiche von Gräff acht Jahre lang.
Foto: Pierre Matgé

Tanja Gräff verschwand in der Nacht zum 7. Juni 2007 nach einer Sommerfeier an der Hochschule Trier. Erst acht Jahre später, im Mai 2015, fanden Waldarbeiter ihr Skelett unterhalb einer Felswand. Bis dahin hatte die Polizei vier Mal allein den Bereich unterhalb des „roten Felsens“ abgesucht, gefunden hatten die Einsatzkräfte jedoch nichts.  Warum die Studentin gestorben ist, ist weiterhin unklar.

Diese Zeitleiste zeigt, wie die Suche nach Tanja Gräff verlaufen ist.

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