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Ekel-Fotos sollen Raucher schocken
Lokales 2 Min. 13.05.2016 Aus unserem online-Archiv
Tabakgesetz: Verbote werden verschärft

Ekel-Fotos sollen Raucher schocken

Nichts für schwache Nerven: Bald werden Raucherlungen und faule Gebisse die Zigarettenschachteln zieren.
Tabakgesetz: Verbote werden verschärft

Ekel-Fotos sollen Raucher schocken

Nichts für schwache Nerven: Bald werden Raucherlungen und faule Gebisse die Zigarettenschachteln zieren.
Lokales 2 Min. 13.05.2016 Aus unserem online-Archiv
Tabakgesetz: Verbote werden verschärft

Ekel-Fotos sollen Raucher schocken

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Raucher müssen sich ab dem Sommer auf eine Reihe von Einschränkungen gefasst machen: Luxemburg führt Schockbilder auf Zigarettenpackungen ein, außerdem wird das Rauchen im Auto verboten, wenn Kinder mitfahren.

(vb) – Raucher müssen sich ab dem Sommer auf eine Reihe von Einschränkungen gefasst machen: Luxemburg führt Schockbilder auf Zigarettenpackungen ein, außerdem wird das Rauchen im Auto verboten, wenn Kinder mitfahren.

Das Luxemburger Gesundheitsministerium hat besonders Kinder und Jugendliche im Blick, wenn es in diesem Sommer ein neues – strengeres – Tabakgesetz auf den Weg bringt. Die neuen Regeln sollen Jugendliche nicht nur physisch vor dem gesundheitsschädlichen Tabakrauch schützen, auch sollen sie möglichst wenige rauchende Erwachsene zu sehen bekommen – denn Erwachsene sind Vorbilder und die Zigarette verkörperte lange Zeit Freiheit und Unabhängigkeit. Das neue Tabakgesetz, das nach Auskunft des Gesundheitsministeriums noch vor dem 15. Juli dem Staatsrat zur Prüfung vorgelegt werden soll, verschärft deshalb die bestehenden Rauchverbote.

Der Vorentwurf des Gesetzes sieht ein Rauchverbot im Auto vor, wenn Minderjährige mit im Fahrzeug sitzen. Außerdem wird das Rauchen auf Spielplätzen verboten. „Diese Punkte waren ein ausdrücklicher Wunsch der zuständigen Chamber-Kommission“, sagt Monique Putz, Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Einwände lässt sie nicht gelten: „Die Raucher beschweren sich zwar regelmäßig, wenn Rauchverbote ausgeweitet werden, aber hier geht es um verantwortungsvolles Handeln gegenüber Kindern und Jugendlichen.“

Unappetitliche Darstellungen

Schon beim Blick auf die Zigarettenschachtel soll den Rauchern die Lust auf den Glimmstängel verleidet werden. Noch in diesem Jahr – eventuell noch im Spätsommer - werden die Packungen zu einem großen Teil mit Schockbildern und Warnhinweisen bedeckt sein. Faule Zähne, vom Krebs zerfressene Lungen und Porträts aus der Leichenhalle sollen eine abschreckende Wirkung entfalten. Begleitet werden die wenig appetitlichen Darstellungen von Warnungen wie zum Beispiel „Rauchen verursacht Mund-, Rachen- und Kehlkopfkrebs“ oder „Rauchen erhöht das Risiko zu erblinden“.

Die Warnhinweise und Bilder füllen zwei Drittel der Verpackung.
Die Warnhinweise und Bilder füllen zwei Drittel der Verpackung.
Foto: AFP

Gesundheitsministerin Lydia Mutsch begrüßt die kombinierten Warnhinweise mit Schockbildern. „Insbesondere aus der Sicht der Prävention und dem Schutz von Jugendlichen“ seien die aufrüttelnden Botschaften wirkungsvoll. „Die Bilder können dazu beitragen, dass vor allen Dingen junge Leute eher aufs Rauchen verzichten“, sagt Ministerin Mutsch.

Die Bilder und Hinweise werden so groß, dass von dem Markendesign nicht mehr viel zu sehen ist. 65 Prozent der Packung müssen künftig mit Warnungen und Schockbildern bedruckt sein. Derzeit sind es in Luxemburg ein Drittel der Vorderseite und 50 Prozent der Rückseite. 14 verschiedene Warnbilder mit 14 verschiedenen Texten kommen als Erstes auf den Markt. Im Laufe der nächsten Jahre sollen weitere Bilder dazu kommen.

Luxemburg im Rückstand

Die Warnhinweise sind in einer EU-Richtlinie vorgeschrieben, die in den meisten EU-Ländern spätestens am 20. Mai in Kraft tritt. Luxemburg setzt sie mit Verzögerung in nationales Recht um, weil das Gesundheitsministerium die Direktive in ein umfassenderes Tabakgesetz einarbeiten will.

Obwohl das Gesundheitsministerium voll auf Prävention und Raucherentwöhnung setzt, stellen die Tabakakzisen einen wichtigen Teil der Steuereinnahmen dar. 475 Millionen Euro flossen durch den Zigarettenverkauf in die Staatskasse – ein Einbruch im Vergleich zu den Vorjahren. Der Zigarettenkauf am Kiosk oder der Tankstelle ähnelt einem Gang zur Steuerverwaltung: Rund 45 Prozent des Kaufpreises gehen direkt an den Staat.


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Ab dem 1. August wird unter anderem das Rauchen im Auto zum No-Go, wenn Kinder unter zwölf Jahren mitfahren. Weitere Einschränkungen gelten auf Spielplätzen und Sportanlagen.
Ende des Jahres kommen die neuen Zigarettenpackungen mit Schockbildern auch in Luxemburg in die Läden. Damit sollen vor allem Jugendliche davon abgehalten werden, zur Zigarette zu greifen.
ILLUSTRATION - A man holds up a pack of 'Lucky Strike' cigarettes with a shock photo and the warning label 'smoking causes 9 out of 10 cases of lung cancer' in a kiosk in Hamburg, Germany, 26 June 2016. According to a representative survey, the majority of Germany don't believe in the deterring effect of shock photos on packs of cigarettes. Photo:�Daniel Bockwoldt/dpa | usage worldwide
Am Dienstag ist Weltnichtrauchertag. Im Videointerview berichten Bürger, wie Sie zum Thema Tabak stehen. Zwar ist die Zahl der Raucher hierzulande konstant - dennoch soll das Rauchverbot bald verschärft werden.
Jean-Claude Schmit, Direktor der "Santé"
Wie gesund ist Luxemburg? Nun, im Vergleich zu anderen Ländern stehen wir gut da, erklärt der neue Direktor des Gesundheitsamtes, Jean-Claude Schmit. Doch gerade in den Bereichen Krebs, Ernährung und HIV-Infektionen bleibe viel zu tun.
Dr. Jean-Claude Schmit: „Kinder fangen früh an, dick zu werden. Das ist eine beunruhigende Entwicklung.“
Rauchen, Trinken, Sport - die Weltgesundheitsorganisation hat das Gesundheitsverhalten von Jugendlichen in Europa und Nordamerika untersucht. Die Ergebnisse sind zwiespältig.
Die Zahl der Raucher ist in den vergangenen Jahren nicht zurückgegangen. Die Fondation Cancer plädiert daher für höhere Tabakpreise. Besorgt ist sie zudem über die vielen jugendlichen Shisha-Raucher.