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Einwohner "not amused": Pissingen: Flügelschlagen wegen Hähnchenmästerei
Die Hähnchenmästerei ist etwa in Höhe der Abgrenzungshecke (rechts auf dem Bild) des Bauernhofs geplant, unweit der Häuserreihe der Pissinger Duerfstrooss.

Einwohner "not amused": Pissingen: Flügelschlagen wegen Hähnchenmästerei

Foto: Nicolas Anen
Die Hähnchenmästerei ist etwa in Höhe der Abgrenzungshecke (rechts auf dem Bild) des Bauernhofs geplant, unweit der Häuserreihe der Pissinger Duerfstrooss.
Lokales 3 Min. 12.04.2015

Einwohner "not amused": Pissingen: Flügelschlagen wegen Hähnchenmästerei

Pissingen ist nicht das idyllische Bauerndorf, nach dem es aussieht. Zumindest nicht zum aktuellen Zeitpunkt. Mehrere Einwohner wehren sich gegen die Pläne eines Landwirts, eine Hähnchenmästerei direkt an seinem Bauernhof, aber auch unweit einer Häuserreihe zu errichten.

(na) - Pissingen ist nicht das idyllische Bauerndorf, nach dem es aussieht. Zumindest nicht zum aktuellen Zeitpunkt. Mehrere Einwohner wehren sich gegen die Pläne eines Landwirts, eine Hähnchenmästerei direkt an seinem Bauernhof, aber auch unweit einer Häuserreihe zu errichten.

„Es handelt sich nicht um Hühner, sondern um Hähnchen“, wiederholt Landwirt Louis Kauffmann unermüdlich, sobald jemand das Wort „Hühnerstall“ in den Mund nimmt. „Hähnchen gackern nicht und nach 56 Tagen werden sie abgeholt, um geschlachtet zu werden. Hühner hält man 365 Tage im Jahr. Und sie gackern.“

Um ihn herum, vor seinem Bauernhof, steht ein Dutzend Anrainer, Vertreter der Naturverwaltung sowie Bürgermeister Carlo Muller. Letzterer versucht sich als Schlichter zwischen Einwohnern und Landwirt, während die Beamten darum bemüht sind, die emotionsgeladene Diskussion immer wieder auf sachliche Ebene zu bringen. Denn im sonst so friedvollen Pissingen geht es dieser Tage etwas lauter zu. Landwirt Louis Kauffmann plant den Bau einer Lagerhalle sowie von zwei Hähnchenmästereien mit je 6 500 Tieren direkt an seinem Bauernhof, unweit einer rezenten Häuserreihe.

Häuser nur wenige hundert Meter entfernt

Die Tiere sollen als Küken geliefert und nach 56 Tagen Mästung zum Schlachthof gebracht werden. Dann soll auch der etwa 500 Quadratmeter große Stall ausgemistet werden, voraussichtlich etwa fünf Mal im Jahr.

In einer Halle sollen 13 Tiere pro Quadratmeter gehalten werden. Durch Bodenluken sollen sie nach außen gelangen, wo eine Auslauffläche von einem Quadratmeter pro Tier vorgesehen ist. Käfige soll es keine geben. Eine Massentierhaltung „wie bei Wiesenhof“ würde er nie machen, so Kauffmann.

Die Anrainer interessiert in diesem Augenblick aber mehr der mögliche Geruch, der von beiden Ställen ausgehen und gemütliche Abende auf der Terrasse ruinieren könnte. Diese wären in der Tat nur wenige hundert Meter von der Hähnchenmästerei entfernt.

„Schaut euch mal so eine Anlage an“, entgegnet der Landwirt. Oberhalb der Ställe bestehe wohl die Möglichkeit, Lüftungsschächte zu öffnen, doch würden diese nur in geringem Maß benutzt werden, weil die Tiere bei anhaltenden Zuglüften anfällig für Erkältungen seien. Gegenüber der allgemeinen Skepsis schlägt Bürgermeister Carlo Muller vor, einen Ausflug zu einer bereits bestehenden Hähnchenmästerei zu unternehmen.

Pläne juristisch zulässig

Auch stellten der Bürgermeister von Reckingen/Mess sowie die Vertreter der Naturverwaltung klar, dass die Pläne des Landwirts, juristisch gesehen, absolut zulässig seien.

Das Gelände, obwohl es sich direkt hinter der Pissinger Dorfmitte befindet, ist als Grünzone klassiert, und für die dort geplanten Infrastrukturen sei nun mal gesetzlich keine Mindestdistanz zu Häusern vorgesehen.

Aber auch diese Erklärung reicht den Bürgern nicht, die sich um den Wertverlust ihrer Häuser sorgen: „Es geht um die Erbschaft unserer Kinder“, unterstreicht eine Einwohnerin.

Doch die Fronten bleiben verhärtet. Die Einwohner haben bereits einen Brief in der Ortschaft zirkulieren lassen und etwa 40 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Nach der Unterredung auf dem Bauernhof, die am Donnerstagnachmittag stattfand, erwogen einige sogar, sich juristisch beraten zu lassen.

Auch ein Projekt in Ehlingen

„Wir werden uns die Zeit nehmen, die notwendig ist“, so Bürgermeister Carlo Muller, „und versuchen, uns zu arrangieren“. Vorerst werde man den Ausflug zu einer Hähnchenmästerei organisieren, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

Die Hähnchenmästerei in Pissingen ist aber nicht die einzige, mit der der Bürgermeister derzeit befasst ist. Auch in Ehlingen ist ein Projekt gleichen Ausmaßes geplant. Da dieses sich aber außerhalb der Ortschaft befinde, gebe es keinen Widerstand. Dahinter steht das Projekt eines Luxemburger Unternehmens, Hähnchen aus regionaler Herkunft anzubieten. Ob dazu auch Hähnchen aus Pissingen zählen werden, steht derzeit noch in den Sternen.


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