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Eine Schlägerei, zwei Geschichten
Lokales 2 Min. 19.06.2019 Aus unserem online-Archiv

Eine Schlägerei, zwei Geschichten

Nach dem Diskobesuch waren die Angeklagten in der hauptstädtischen Rue de Bouillon aneinandergeraten.

Eine Schlägerei, zwei Geschichten

Nach dem Diskobesuch waren die Angeklagten in der hauptstädtischen Rue de Bouillon aneinandergeraten.
Foto: Steve Remesch
Lokales 2 Min. 19.06.2019 Aus unserem online-Archiv

Eine Schlägerei, zwei Geschichten

Zwischen Gang-Angriff und grundloser Gewalt: Die Aussagen der drei angeklagten Polizisten und jene ihrer Kontrahenten, drei Soldaten und zwei Zivilisten, stehen in striktem Widerspruch zueinander.

(str) - Man könnte meinen, es ginge um zwei komplett verschiedene Auseinandersetzungen: Im Prozess um eine Schlägerei am Valentinstag 2016 in der hauptstädtischen Rue de Bouillon kamen am Mittwoch erstmals die acht Angeklagten zu Wort. Dabei erzählten die drei Polizisten eine ganz andere Geschichte wie drei Soldaten und zwei Zivilisten, mit denen sie aneinandergeraten waren.

Zu Zweit seien sie nach dem Discobesuch im M-Club zum Parkplatz Bouillon gegangen, so die Polizisten. Dann habe jemand sie von der anderen Straßenseite aus als „sales flics de Differdange“ bezeichnet. Sie hätten diese und andere Beleidigungen ignoriert, dann sei aber ein Mann auf sie zugelaufen, habe einem von ihnen einen Faustschlag verpasst. Ein zweiter junger Mann habe dem anderen Beamten Fußtritte verpasst.


Nach Dienstschluss hatten Polizisten am 14. Februar 2016 eine Diskothek in der hauptstädtischen Rue de Bouillon aufgesucht. Stunden später kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung.
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Nach einem Discobesuch geraten in der hauptstädtischen Rue de Bouillon am Valentinstag 2016 Polizisten und Soldaten aneinander. Nun hat ihre Schlägerei ein Nachspiel vor Gericht.

Beide Polizisten bestreiten, selbst zugeschlagen zu haben. Einen der Täter habe man als mutmaßliches Mitglied einer Gang erkannt, deshalb sei man von einem Gang-Angriff ausgegangen.

Der dritte Polizist sei per Zufall am Ort des Geschehens vorbeigefahren. Er sei eingeschritten, als er gesehen habe, wie Angreifer einen Kollegen am Boden zusammengetreten hätten, so der Beamte.

Holzprügel zur Verteidigung

Später habe er dann gemerkt, dass er seinen Dienstausweis verloren habe – den man dann holen wollte. Da man das Wort „Messer“ vernommen habe, habe man als Verteidigungswaffe einen Axtstiel mitgenommen – mit diesem aber weder gedroht noch zugeschlagen.

Dass man sich, als die Polizeisirenen aus der Ferne zu hören waren, vom Ort des Geschehens entfernt habe, sei aus Angst vor „disziplinarischen Repressalien“ geschehen. Ein anderer Polizist sagte, man sei gar nicht weggegangen, das Aktionsfeld habe sich nur weiter auseinandergezogen.


„Ich dachte, er wäre tot“
Im Prozess um eine gewaltsame Auseinandersetzung zwischen Polizisten, Soldaten und Zivilisten nach einem Diskobesuch, wurden am Dienstag Zeugen angehört.

Daran, wegen des mutmaßlichen Gang-Angriffs die Polizei zur Hilfe zu rufen, habe keiner gedacht. Die ebenfalls angeklagten Kontrahenten – Soldaten und Zivilisten – bestätigten die Aussagen der Zeugen vom Vortag.

Einer betonte, er habe sehr wohl gesagt, „Dir sidd Flicke vun Déifferdeng“ – dies aber nur, weil er sich gewundert habe, dass Polizisten zum M-Club-Klientel gehören würden. Ein zweiter, der sagte, er habe hiervon nichts mitbekommen, erklärte, er sei auf die andere Straßenseite gegangen, um dort eine Zigarette zu schnorren. Dann sei er aber von den drei Männern, die sich später als Polizisten herausstellten, angegangen und niedergeschlagen worden.

Diffsiders: 13-jährige Mädchen auf Facebook

Auch die mutmaßliche Gang und die eventuelle Zugehörigkeit der Angeklagten waren in der Sitzung wiederholt ein Thema. Einer der Beschuldigten erklärte dem Richter, es gebe keine solche Gang, es sei nur so, dass sich manchmal Jugendliche als Diffsiders bezeichnen würden, um damit ihre Herkunft aus Differdingen darzustellen.

Ein anderer Angeklagter bemerkte, Diffsiders sei eine Bezeichnung, die 13-jährige Mädchen auf Facebook benutzen würden, wenn sie Selfies veröffentlichen würden. Jener Mann, den die Polizisten als Gangmitglied erkannt haben wollen, erklärte, er stamme aus Petingen.

Der Prozess geht am Donnerstagvormittag weiter. Nach den Plädoyers der Verteidiger wird die Staatsanwaltschaft ihren Strafantrag stellen.


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