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Eine römische Villa unter dem Merterter Schloss?
Lokales 1 3 Min. 30.07.2015 Aus unserem online-Archiv
Ausgrabungen an der Mosel

Eine römische Villa unter dem Merterter Schloss?

Die Grabungen werden im Garten rechts neben dem Schloss und hinter dem Vorschulgebäude durchgeführt.
Ausgrabungen an der Mosel

Eine römische Villa unter dem Merterter Schloss?

Die Grabungen werden im Garten rechts neben dem Schloss und hinter dem Vorschulgebäude durchgeführt.
Irina Figut
Lokales 1 3 Min. 30.07.2015 Aus unserem online-Archiv
Ausgrabungen an der Mosel

Eine römische Villa unter dem Merterter Schloss?

Ab kommender Woche beginnen nahe dem Merterter Schloss, wo die neue "Précoce" entstehen soll, archäologische Ausgrabungen. Die Mitarbeiter des Centre national de recherche archéologique (CNRA) hoffen, dort Teile einer größeren römischen
 Villa zu finden.

(if) - Römische Überreste, Gräber mit mysteriösen Skeletten und jede Menge ausgeschaufelte Erde: Ab kommender Woche könnte es in Mertert nahe dem historischen Schloss in der Rue du Parc spannend zugehen. Im Vorfeld des Baus einer neuen „Précoce“ für die Ortschaft wird das Centre national de recherche archéologique (CNRA) dort im Auftrag der Gemeinde Ausgrabungsarbeiten durchführen. Die aus dem Jahr 1979 stammende Vorschule soll bekanntlich einem neuen Gebäude weichen. Doch einfach gebaut werden kann es vorerst nicht – zunächst muss der Boden auf mögliche Überbleibsel aus der antiken und mittelalterlichen Zeit überprüft werden. 

Auf dem Gelände neben dem Schloss soll eine neue Vorschule mit der integrierten „Maison relais“ entstehen.
Auf dem Gelände neben dem Schloss soll eine neue Vorschule mit der integrierten „Maison relais“ entstehen.
Irina Figut

Dass die Suche ihre Früchte tragen wird, darin ist Matthias Paulke, Mitarbeiter am CNRA und verantwortlich für die Grabungstechnik, überzeugt. Er wird die Grabungsarbeiten im Garten rechts neben dem Schloss und hinter dem Vorschulgebäude auf einer Fläche von ungefähr 700 Quadratmetern leiten. Das archäologische Potenzial der möglichen Funde sei groß, sagt Paulke. „Wir vermuten, dort Teile einer römischen Villa zu finden.“

Ähnlich der Villa Rustica in Echternach

Dabei handelt es sich nach den Angaben des Archäologen vermutlich um ein größeres landwirtschaftliches Anwesen aus der Römerzeit, wie man es auch aus Echternach kennt. Dort, am Rande der Abteistadt, befinden sich nämlich die Überreste einer der größten römischen Villen Luxemburgs, die zwischen der Mitte des ersten und dem späten vierten Jahrhundert errichtet wurde. Dass so eine oder eine ähnliche Anlage in Mertert existiert haben könnte, darauf deuten laut Matthias Paulke mehrere Indizien hin: „Das Gelände am Schloss ist hochwasserfrei und nach Südosten ausgerichtet. Darauf haben die Römer immer geachtet“, so der Experte. Bis zu sechs Hektar könne die Fläche so einer Villa einnehmen; im Mittelpunkt habe damals ein landwirtschaftlicher Betrieb gestanden, erklärt Paulke. Zur Domäne gehörten neben dem Hauptgebäude auch zahlreiche andere Bauten, wie etwa Wirtschaftsgebäude, Ateliers, Ställe und mehrere andere Nebengebäude. Die Vermutung läge nahe, dass der Schlossbereich ebenfalls Teil der Anlage gewesen sei. Und: „Die Reste dieser Villa gibt es vermutlich auch unter dem Merterter Park“, so Paulke. 

So oder ähnlich könnte auch die römische Villa in Mertert ausgesehen haben:

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Mit geophysikalischen Messungen will der Grabungstechniker diese These nun belegen. Das einzige Problem: die vielen Störquellen. Messungen wurden bereits im Jahr 1998 erschwert. Als im Rahmen eines Immobilienprojektes an der Kreuzung Rue du Parc / Rue du Port (die jetzige Bauruine) Überreste von zwei früheren Merterter Kirchen und einem römischen Bau ans Tageslicht kamen, sei versucht worden, so eine geophysikalische Messung durchzuführen. Die Ergebnisse seien aber nicht auswertbar gewesen, erinnert sich Matthias Paulke. Das Gelände sei mit den sogenannten Zeltheringen, den Metallankern von Zelten übersäht, die aus der Zeit des intensiven Campings in der Umgebung stammen.

Gräber aus dem Frühmittelalter

Bereits 1998 waren am Standort mehrere Sarkophage mit Gebeinen entdeckt worden, deren zeitliche Zuordnung jedoch nicht eindeutig geklärt werden konnte.
Bereits 1998 waren am Standort mehrere Sarkophage mit Gebeinen entdeckt worden, deren zeitliche Zuordnung jedoch nicht eindeutig geklärt werden konnte.
LW-Archiv

Außerdem erwartet Paulke, bei den Ausgrabungen auf Gräber aus der merowingischen Zeit (5. - frühes 7.Jahrhundert n. Chr.) zu stoßen, die in der Geschichte für ihre aufwendigen Bestattungen bekannt ist. Bereits Ende der 1990-er Jahre waren am Standort mehrere Sarkophage mit Gebeinen entdeckt worden.

Bis zum Ende des Jahres sollen die Arbeiten andauern. Mindestens einmal werden sie aber unterbrochen: In dieser Zeit wird das alte Gebäude der „Précoce“ abgerissen. Beeinträchtigungen für die Anwohner bestehen keine. Wer allerdings am Ende hofft, dass die Befunde vor Ort erhalten werden, wird enttäuscht sein. „Es wird  nichts erhalten bleiben. Es handelt sich um ein öffentliches Bauprojekt und hier muss die Archäologie der modernen Raumplanung weichen“, sagt Paulke. „Die archäologischen Überreste werden jedoch aufs genaueste für die Nachwelt dokumentiert.“ Was die Grabungen in Mertert den Staat kosten werden, dazu will Paulke keine Angaben machen.


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