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Eine Obsternte zum Vergessen
Lokales 2 Min. 06.09.2017 Aus unserem online-Archiv
Schlechte Erträge

Eine Obsternte zum Vergessen

Sehr viel weniger Äpfel als im Vorjahr hängen dieses Jahr an den Obstgehölzen.
Schlechte Erträge

Eine Obsternte zum Vergessen

Sehr viel weniger Äpfel als im Vorjahr hängen dieses Jahr an den Obstgehölzen.
Foto: Laurent Ludwig
Lokales 2 Min. 06.09.2017 Aus unserem online-Archiv
Schlechte Erträge

Eine Obsternte zum Vergessen

Diana HOFFMANN
Diana HOFFMANN
So eine schlechte Ernte wie dieses Jahr hatten die Obstbauern seit fast 30 Jahren nicht mehr. Nicht nur die Erträge haben stark gelitten, sondern auch das Aussehen der Früchte. Doch die Landwirte haben keine Zeit zum Trübsal blasen.

(dho) - An den Obstgehölzen in der Anlage von Landwirt Fernand Hilgert in Kehlen hängen dieses Jahr nur vereinzelt Äpfel. Die einen tragen etwas mehr Früchte, die anderen etwas weniger – manche sogar gar keine. „Bei dieser Apfelsorte gibt es einen Totalausfall“, erklärt Franz-Josef Scheuer, Experte beim „Dienstleistungszentrum ländlicher Raum Rheinpfalz“. Er zählt die Äpfel an einem der Gehölze: „21! Gewöhnlich könnten hier 90 bis 100 Früchte hängen.“ Bei vielen Apfelsorten sind die Ernteeinbußen im Vergleich zu der durchschnittlichen Ernte im Vorjahr extrem hoch.

Franz-Josef Scheuer, Experte beim „Dienstleistungszentrum ländlicher Raum Rheinpfalz“ gibt in Kehlen Auskunft über die Apfelerträge.
Franz-Josef Scheuer, Experte beim „Dienstleistungszentrum ländlicher Raum Rheinpfalz“ gibt in Kehlen Auskunft über die Apfelerträge.
Foto: Laurent Ludwig

Dabei waren die Obstbauern im Frühling noch sehr zufrieden. Die Blüten waren wegen der günstigen Witterungsbedingungen Ende März und Anfang April bereits sehr gut gereift. Alles sah gut aus – bis zum 20. April. In dieser Nacht fielen die Temperaturen stellenweise auf Minus sieben Grad. Anschließend folgten noch einmal mindestens drei solcher Frostnächte.

Ganz Mitteleuropa war von dem Frost betroffen und somit auch von den schlechten Erträgen, sowohl für Steinobst, als auch für Kernobst. Wegen des Ausmaßes sprechen Experten gar von einem Jahrhundertfrost. Solch tiefe Temperaturen überleben gereifte Blüten in den meisten Fällen nicht unbeschadet, in vielen Fällen aber auch gar nicht.

Kein perfektes Aussehen

An vielen Früchten der Blüten, die überlebt haben, bildeten sich Frostschäden, sogenannte Stippen. Dies sind kleine, eingesunkene braune Flecken auf der Schale. Durch diese reifen gepflückte Äpfel schneller, was nachteilig für den Verkauf ist. Durch das Eindringen von Feuchtigkeit haben sich aber auch an vielen Früchten Frostplatten, also ein bräunlich-gelblicher Ring unten am Apfel, gebildet.

All dies hat laut Obstbauern aber keinen Einfluss auf den Geschmack, lediglich auf das Aussehen der Früchte, weswegen sie dann schwerer zu vermarkten sind. Der Geschmack der Äpfel dieses Jahr sei jedoch ausgezeichnet. Nur eben die Menge würde sehr viel kleiner ausfallen.

Die Frostplatten an den Äpfeln sehen zwar unschön aus, haben aber laut Experten keinen Einfluss auf den Geschmack.
Die Frostplatten an den Äpfeln sehen zwar unschön aus, haben aber laut Experten keinen Einfluss auf den Geschmack.
Foto: Laurent Ludwig

Mit einem vergleichbaren Ernteausfall hatten es die Obstbauern zuletzt 1991 zu tun. Extreme Wetterverhältnisse, von lang anhaltenden Trockenperioden bis zu heftigen Regenfällen, hätten sich in den vergangenen zehn bis 20 Jahren aber gehäuft. Einen Schutz gegen die Witterung gibt es für die Obstbauern nur bedingt. Ein Netz kann gegen Hagel und Schäden durch Sonne schützen. Auch gibt es eine Frostschutzberegnung, bei der die Pflanzen mit Wasser besprüht werden, sodass sie gefrieren und die Temperatur an der Blüte nicht allzu stark in den Minusbereich fällt. Jedoch wären dafür enorme Wassermassen nötig, die es zumindest nahe dem Feld von Fernand Hilgert nicht gibt.

Starke Einkommenseinbußen für Bauern

Auch eine Versicherung für derartige Ausfälle gibt es nicht. Die Obstbauern müssen dieses Jahr also eine starke Einkommenslücke hinnehmen. Auf die Preise für die Konsumenten würden solche Ausfälle jedoch nicht abgewälzt, so die Obstbauern. Die Äpfel würden in dem Fall mehr als das Doppelte kosten. Niemand würde dann mehr Äpfel kaufen.

Dennoch, Zeit zum Trübsal blasen bleibt den Obstbauern nicht. Zunächst müssen die Äpfel geerntet werden. Anschließend müssen sie sich bereits auf die Ernte im kommenden Jahr vorbereiten. Immer noch würde es dem Boden an Feuchtigkeit fehlen wegen der langen Trockenperiode im Winter. Außerdem müssten nun die Knospen gepflegt und die Anlage gemulcht werden.



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