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Eine Machete und viel Verwirrung
Das Urteil ergeht am 17. Oktober.

Eine Machete und viel Verwirrung

Foto: Pierre Matgé
Das Urteil ergeht am 17. Oktober.
Lokales 2 Min. 21.09.2018

Eine Machete und viel Verwirrung

Ein junger Mann wird mit einer Machete schwer verletzt. Die Hintergründe der Tat beschäftigten über vier Jahre nach dem Vorfall die Kriminalkammer des Gerichtes.

31. August 2014, 3.20 Uhr: Aus dem Escher Krankenhaus erfolgt ein Notruf. Eine Person sei schwer verletzt zur Notaufnahme gebracht worden. Der Patient weist tiefe Schnittwunden an der Wange, am Thorax, im Hüftbereich, am rechten Arm und der linken Hand auf. Diese sollen ihm mit einer Machete zugefügt worden sein. Ein Drittel seines Blutes hat der Patient verloren. Eine Amputation des rechten Unterarms kann vermieden werden. Ohne die schnelle ärztliche Versorgung hätten die Verletzungen jedoch tödlich enden können, so ein Gerichtsmediziner.

Erst acht Minuten nach dem Anruf aus dem Krankenhaus meldet sich ein Zeuge bei der Polizei. Er berichtet von Blutspuren vor Escher Gaststätten. Als die Polizei vor Ort ankommt, sind jedoch kaum noch Zeugen aufzufinden. Dies, obwohl sich zum Zeitpunkt des Vorfalls 15 bis 20 Personen – die meisten kapverdischer Abstammung – vor den Cafés befunden haben sollen. Zudem sind die Aussagen jener Personen, die etwas zu dem Vorfall sagen können – oder wollen –, auch vier Jahre nach der Tat noch derart unterschiedlich, dass sie es kaum zulassen, Schlüsse zu ziehen.

In dieser Woche mussten sich dennoch zwei Brüder wegen versuchten Totschlags vor Gericht verantworten. Während das Opfer, das zurzeit eine fünfjährige Haftstrafe absitzt und aufgrund seiner Verwicklung in Drogenaffären und weitere Gewalttaten im Escher Bandenmilieu der Polizei bestens bekannt ist, erklärte, grundlos von den Brüdern angegriffen worden zu sein, behauptete der ältere der Angeklagten das Gegenteil. Das Opfer habe ihm gedroht und einen Faustschlag verpasst. Er habe dann die Machete, die auf dem Boden gelegen habe, genommen, um sich zu verteidigen. Er habe in Panik gehandelt.

Mangel an Beweisen

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft gestand dem Angeklagten die Selbstverteidigung zu. Diese würde allerdings nicht erklären, warum er seinem Opfer noch nachgelaufen sei und zugestochen habe, nachdem dieses bereits schwer verletzt die Flucht ergriffen habe.

Er forderte eine zehnjährige Haftstrafe gegen den 23-Jährigen, widersetze sich jedoch nicht dagegen, diese integral zur Bewährung auszusetzen. Der Beschuldigte habe bereits acht Monate in Untersuchungshaft verbracht und sich vor und nach diesem Vorfall nie etwas zuschulden kommen lassen.

Der jüngere Bruder sei unterdessen freizusprechen, es gebe nämlich keine handfesten Beweise dafür, dass er am Tatort präsent war. Gegen ihn hatte während der Ermittlungen gesprochen, dass er sich gemeinsam mit seinem Bruder ins Ausland abgesetzt hatte. Vor Gericht erklärte der 22-Jährige, ihm und seinem Bruder sei von Seiten des Opfers gedroht worden. Er hätte Luxemburg aus Angst verlassen.

Das Urteil ergeht am 17. Oktober.


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