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Eine grüne Welle für den Bus
Lokales 4 Min. 03.08.2019 Aus unserem online-Archiv

Eine grüne Welle für den Bus

Freie Fahrt an allen Kreuzungen: Ein neues System soll Bussen auf wichtigen Verkehrsachsen stets grüne Ampeln bescheren.

Eine grüne Welle für den Bus

Freie Fahrt an allen Kreuzungen: Ein neues System soll Bussen auf wichtigen Verkehrsachsen stets grüne Ampeln bescheren.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 4 Min. 03.08.2019 Aus unserem online-Archiv

Eine grüne Welle für den Bus

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Ein Pilotprojekt in Frisingen soll dem öffentlichen Transport an Kreuzungen durchgehend grüne Ampeln gewähren - mit entsprechendem Zeitgewinn gegenüber dem Individualverkehr.

Das Großherzogtum gilt, zumindest bei jenen, die sich alltäglich ihren Weg durch den Verkehr bahnen, als Stauland schlechthin. Da der Zähfluss vorrangig durch zu hohes Verkehrsaufkommen entsteht, besteht eine der Herausforderungen darin, Menschen vom Individualverkehr wegzubringen und vom öffentlichen Transport zu überzeugen.

Das kann nur dann funktionieren, wenn dieser auch tatsächlich attraktiver wird. Ein Weg zu diesem Ziel besteht darin, die Fahrt mit dem Bus schneller zu gestalten. Das geschieht bereits jetzt, indem man Busse an vielen Orten auf einer eigenen Spur am zäher fließenden Verkehr vorbeileitet. Doch erstens müssen sie auch dann an Verkehrsampeln halten und zweitens sind Busspuren weder überall möglich noch sinnvoll.

Nur noch grüne Ampeln

Eine Lösung, die das Mobilitätsministerium ins Auge fasst, besteht darin, Bussen auf bestimmten Strecken eine grüne Welle zu verschaffen. In anderen Worten: Sobald sich ein Bus einer Kreuzung auf 500 Meter nähert, schaltet die Ampel für ihn auf Grün, bis er die Kreuzung überquert hat.

„Wir wollen, dass jemand, der den Bus nimmt, weiß, dass er nicht im Stau stehen wird“, betont Mobilitätsminister François Bausch. „Die zur Verkehrsführung eingesetzte Technik hat sich in den letzten Jahren sehr stark weiterentwickelt. Das Mittel zum Zweck ist ein System, bei dem der Bus Kontakt zur Ampel aufnimmt und sich so quasi ankündigt.“


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Moderne Telekommunikationstechnologie wird somit mit ebenso modernen Informatiksystemen verknüpft. Wo früher recht störungsempfindliche und wartungsintensive Induktionsschleifen in die Fahrbahn verlegt wurden, soll es nun digitale Funktechnik regeln.

Das hat entscheidende Vorteile. Durch die direkte Verbindung wird die Steueranlage nämlich nicht nur informiert, dass sich ein Bus nähert, sondern auch darüber, in welche Richtung er die Kreuzung nach einem Abbiegemanöver verlassen wird.

Durch die Funkübertragung kann das Signal auch über eine weitaus größere Distanz gesendet werden. So soll die Kontaktaufnahme zwischen dem Bordcomputer im Bus und der Ampelsteuerungsanlage über weit mehr als 500 Meter erfolgen. Die Ampel wird zudem über die genaue Fahrgeschwindigkeit informiert oder etwa darüber, ob der Bus vor der Ampel noch eine Haltestelle anfährt.


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Die gesammelten Informationen, die vom Bus ab einem vorbestimmten Punkt aus gesendet werden, erlauben es, die genaue Ankunftszeit an der Kreuzung zu ermitteln. Daraus ergibt sich dann auch, wie lange zuvor eine Grünphase eingeleitet wird, damit der Bus, ohne anhalten zu müssen, die Knotenpunkte überqueren kann. Darüber hinaus erkennt die Anlage auch selbst, wie effizient ihre Einstellungen sind und die Qualität der Buspriorisierung kann angepasst werden.

Frisingen als perfekter Kandidat

„Wir sind jetzt dabei, ein Pilotprojekt an der Hauptkreuzung von Frisingen vorzubereiten“, führt François Bausch aus. „Das ist eine komplizierte Kreuzung mit einer hohen Zahl von Bussen, die tagtäglich durchfahren – darunter auch Expresslinien. Für uns ist der Standort auch wegen des nahe liegenden Park&Ride-Parkplatzes von Bedeutung.“

Aus Richtung Frankreich führt eine getrennte Busspur zur Kreuzung im Ortskern. Aus Hellingen, Aspelt und Schlammesté fahren Busse jedoch weitestgehend im Mischverkehr. „Im gemischten Verkehr ist es denn auch besonders interessant, dem Bus Vorfahrt zu geben“, unterstreicht Bausch.

Ohne weitere bauliche Veränderungen an der Kreuzung würde dies den Plänen zufolge erlauben, aus Richtung Hellingen durchschnittlich 70 Sekunden einzusparen, aus Richtung Aspelt 35 Sekunden und zu Spitzenverkehrszeiten eben wesentlich mehr.

„Das gilt dann nur für diese eine Kreuzung“, hebt Minister Bausch hervor. „Ziel ist es aber, mittelfristig sämtliche Ampelanlagen auf der N 3 mit dem System auszurüsten. Addiert man die Wartezeit pro Ampel, rechnet sich das dann substanziell.“

Ab Januar 2021

Das Pilotprojekt in Frisingen soll rechtzeitig für Januar 2021 betriebsbereit sein. Dann wird nämlich schrittweise die landesweite Reorganisation der Buslinien umgesetzt. Sobald das System seine Effizienz in Frisingen unter Beweis gestellt habe, soll die N 3 auf ganzer Länge umgerüstet werden.

„Die Idee hinter dem Pilotprojekt ist natürlich, die gesammelten Erfahrungen an anderen Orten im Land zu nutzen“, bekräftigt François Bausch. „Vorrangig dort, wo es Expresslinien gibt. Für den Bus soll die Priorisierung ein Quantensprung sein.“ Derzeit fasst das Ministerium 80 Standorte im Land ins Auge, die für das System infrage kommen (siehe Kasten unten).

Die freie Fahrt für Busse hat allerdings auch einen Preis: Der Kostenpunkt für die Umrüstung einer Ampelanlage liegt bei 4.500 Euro. Ist eine Neuprogrammierung nicht automatisch vorgesehen, fallen weitere 5.000 Euro an. Pro Bus kostet die Umrüstung des Bordcomputers rund 2.000 Euro.



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