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Eine Geige, ein Verkauf, aber kein Geld

Eine Geige, ein Verkauf, aber kein Geld

Foto: Shutterstock
Lokales 2 Min. 14.06.2018

Eine Geige, ein Verkauf, aber kein Geld

Wegen Vertrauensmissbrauchs musste sich ein Geigenbauer und -händler vor Gericht verantworten. Er hatte ein Instrument an sich genommen und verkauft, der Eigentümerin jedoch kein Geld gegeben.

(SH) - Mit dem Verkauf einer hochwertigen Geige beschäftigten sich die Richter des Bezirksgerichtes Luxemburg kürzlich. Das Musikinstrument, gebaut um das Jahr 1800 von Giovanni Battista Ceruti, war einem Geigenbauer und -händler 2003 anvertraut worden. Dieser, damals in der Schweiz sesshaft, ab 2004 dann in Italien, sollte es für rund 100.000 Euro verkaufen und das Geld der Eigentümerin übergeben. Die Frau hat jedoch auch heute, 15 Jahre später, noch keinen Cent gesehen. Dabei soll das Instrument mittlerweile einem Experten zufolge 220.000 Euro wert sein.

„Wir hatten keine Frist für den Verkauf vereinbart“, sagte die Eigentümerin der Geige vor Gericht. Der Händler habe sie über Jahre hinweg hingehalten und ihr „plausible Erklärungen“ gegeben, warum das Instrument noch nicht verkauft worden sei. Dies war auch im Jahr 2011 der Fall, als die Eigentümerin den Händler in Rom besuchte. Ihre Geige habe sie dort nicht zu Gesicht bekommen, allerdings hatte sie damals einen neuen Kaufvertrag mit dem Geigenbauer unterschrieben, „damit die Papiere nach so langer Zeit wieder in Ordnung sind“, betonte sie und erklärte, sich nicht bewusst gewesen zu sein, dass dies ein anderer Vertrag war als noch acht Jahre zuvor bei der Übergabe. Auch hatte ihr der Händler 2011 ein Violoncello mitgegeben – als Provision, bis die Geige verkauft sei.

Was die Eigentümerin nicht wusste: Der Händler hatte die Geige bereits 2006, also fünf Jahre vor dem Aufstellen des neuen Vertrages, für 57.000 Euro nach Japan verkauft, und auch das Violoncello gehörte ihm nicht. Dies sollte die Frau herausfinden, als die Polizei 2013 vor ihrer Tür stand und nach dem Instrument fragte. „Ich erfuhr dann, dass ich nicht die Einzige war, die sich in solch einer Situation befand“, so das Opfer.

Mehrere Vorfälle

Darauf angesprochen sprach der Angeklagte von „vielen Problemen“. Es sei damals Usus gewesen, Instrumente zum Verkauf an sich zu nehmen, ohne gleich Verträge zu unterzeichnen. Er sei ein international anerkannter Geigenbauer und habe weitaus wertvollere Instrumente bekommen als die Geige, über die nun verhandelt wird.

Weil es an der Schweizer Grenze zunehmend zu Problemen gekommen sei, sei er 2004 nach Italien gezogen. Eine schlechte Buchführung habe dann jedoch 2006 oder 2007 dazu geführt, dass es finanziell nicht gut gelaufen sei. Zudem sei er ins Visier der italienischen Polizei geraten. Diese hätten mehrere Instrumente beschlagnahmt, die er bis heute nicht wiederbekommen habe.

Der Angeklagte gestand vor Gericht, die Ceruti-Geige verkauft, der Eigentümerin jedoch kein Geld gegeben zu haben. Er stritt jedoch ab, dass ihm das Instrument in Luxemburg übergeben worden sei. Beim Untersuchungsrichter hatte er noch von einer Übergabe im schweizerischen Chaux-de-Fonds gesprochen, nun von Brüssel. Dies ist insofern von Bedeutung, da das Luxemburger Gericht nur dann zuständig ist, wenn der Gesetzesverstoß – der Vertrauensbruch – auch im Großherzogtum begangen wurde. Für die Vertreterin der Staatsanwaltschaft stellt sich diese Frage nicht. „Das Opfer hat stets von einer Übergabe im Konservatorium gesprochen. Diesen Aussagen kann man Glauben schenken“, erklärte sie.

Obwohl das Instrument bereits 2003 an den Händler übergeben worden war, könne man auch nicht von einer Verjährung sprechen. Denn die Verkäuferin habe erst 2013 von dem Vertrauensmissbrauch erfahren. Bis dahin habe sie dem international anerkannten Händler vertraut. Seither wurde dieser auch bereits in der Schweiz wegen Vertrauensmissbrauchs verurteilt. Weitere Verfahren gegen ihn laufen. In Luxemburg riskiert der Angeklagte nun eine 15-monatige Haftstrafe sowie eine angemessene Geldbuße. Urteil am 27. Juni.

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