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Eine Ausstellung lässt „Laudato Si" lebendig werden
Lokales 7 6 Min. 29.05.2021

Eine Ausstellung lässt „Laudato Si" lebendig werden

Jang Lamborelle hat einige Zeit in Lateinamerika gelebt - das beeinflusst sein Schaffen.

Eine Ausstellung lässt „Laudato Si" lebendig werden

Jang Lamborelle hat einige Zeit in Lateinamerika gelebt - das beeinflusst sein Schaffen.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 7 6 Min. 29.05.2021

Eine Ausstellung lässt „Laudato Si" lebendig werden

Sarah SCHÖTT
Sarah SCHÖTT
Mit den Bildern von Jang Lamborelle und weiteren Aktionen begeht Luxemburg die „Laudato Si“- Woche 2021.

Ein Bild in Blau- und Lilatönen, darauf eine Figur, die schreit. Ob es sich um einen Menschen handelt oder um einen Baum, bleibt dem Blick des Betrachters überlassen. Passend dazu ein Textausschnitt aus der päpstlichen Umweltenzyklika „Laudato Si“: „Unsere Schwester Erde schreit auf wegen des Schadens, den wir ihr aufgrund des unverantwortlichen Gebrauchs und des Missbrauchs der Güter zufügen, die Gott in sie hineingelegt hat. Wir sind in dem Gedanken aufgewachsen, dass wir ihre Eigentürmer und Herrscher seien, berechtigt, sie auszuplündern.“ 

Mehrere solcher Bilder mit den passenden Auszügen aus dem Text von Papst Franziskus sind bis zum 6. Juni in der Valentiny Foundation in Remerschen ausgestellt. Die Werke stammen von dem luxemburgischen Künstler Jang Lamborelle. 

Mit kritischem Blick 

„Ich kannte ihn schon von einigen anderen Ausstellungen“ erklärt Jean-Louis Zeien, erzbischöflicher Delegierter für nachhaltige Entwicklung und verantwortlich für die Aktivitäten rund um das Papstschreiben „Laudato Si“ im Großherzogtum. Lamborelle habe eine Sensibilität für die Herausforderungen einer ganzheitlichen Ökologie – nicht zuletzt aufgrund seiner persönlichen Erfahrung. Denn der Künstler hat einige Zeit in Guatemala und anderen Ländern Lateinamerikas verbracht und dort mit der indigenen Bevölkerung zusammengelebt, die Menschen und ihre Probleme kennengelernt. „Auch aufgrund seines kritischen Blicks in Auseinandersetzung mit unserer hiesigen Konsumgesellschaft schien er der richtige Mann am richtigen Ort zu sein“, so Zeien weiter. 

Mit den Bildern des Künstlers wurde die Ausstellung „Laudato Si – eng Äntwert op de Kreesch vun der Natur an den Aarmen“ konzipiert. Wie Zeien betont, soll aus dem Dialog der Werke mit den Auszügen aus der Umweltenzyklika ein Dreiklang aus Kunst, Nachhaltigkeit und Spiritualität entstehen. „Unter den Bildern werden Zitate aus Laudato Si hängen, die zu den Bildern passen oder eine gedankliche Weiterführung sind. Zusätzlich wird ein Flyer mit Aussagen von indigenen Völkern zu bestimmten Bildern, die im Zusammenhang mit den Aussagen von Laudato Si stehen, vorrätig sein, die jeder Besucher sich vor Ort mitnehmen kann, um bei seinem Rundgang auch die entsprechenden Zitate in Relation zu setzen.“ 

 

Auf den Ausstellungsraum wurden die Verantwortlichen dabei eher zufällig aufmerksam – denn rund um Remerschen ist – ebenfalls als Teil der Aktivitäten rund um „Laudato Si“ – auch eine Randonnée eucharistique geplant. Eine solche fand bereits im vergangenen Jahr in der Region um Ulflingen statt. „Es war uns klar, dass wir erneut eine solche Tour in einer anderen Region Luxemburgs anbieten wollten. Und dann kam eines zum anderen.“

Nicht nur eine Frage des Wissens   

Neben der Tour und der Ausstellung bieten die Verantwortlichen auch einen Filmabend mit Filmemacher Martin Keßler an. Gezeigt wird sein Film „Count-down am Rio Xingu VII: Kampf um die grüne Lunge der Welt“, im Anschluss gibt es ein Gespräch mit dem Produzenten. 

„Wir bringen es fertig, den Gedanken der Nachhaltigkeit mit Kunst und Religion oder Kunst und Spiritualität ins Gespräch zu bringen. Ich glaube, das wirft auch einen wichtigen neuen Blick darauf. Natürlich ist es wichtig, den Laudato-Si-Gedanken aus einer wissenschaftlichen Perspektive im Sinne der Bewahrung der Schöpfung anzugehen. Gleichzeitig ist es aber nicht nur eine Frage des Wissens, sondern auch eine Frage, was mich motiviert, mich für mehr Nachhaltigkeit im Kontext der Klimakrise einzusetzen. Und da kommt die Spiritualität ins Spiel. Sicherlich wird auch gerade in diesem Kontext die Kunst ein ansprechendes Element sein“, so Jean-Louis Zeien. 

Treffen mit dem Künstler 

Dabei können sowohl Schulklassen als auch Erwachsenengruppen eine Führung durch die Ausstellung buchen. Des Weiteren findet ein „Meet the artist“ statt – als Ersatz für eine Vernissage, die coronabedingt nicht im üblichen Rahmen stattfinden kann (siehe Infobox). „So haben die Leute wirklich die Gelegenheit, dem Künstler zu begegnen, mit ihm zu sprechen und sich auszutauschen.“


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 Zeien wünscht sich, dass die Besucher durch die Ausstellung ein Stück weit sensibler für die Bewahrung der Schöpfung werden. „Sie zeigt die Schönheit dieser Welt, aber auch die Gefahren, denen wir Menschen uns im Umgang mit der Welt und den natürlichen Ressourcen aussetzen. Dass daraus ein Stück weit eine Anregung zum Nachdenken – und nicht nur zum Nachdenken, sondern dann auch zum Handeln entsteht – das wäre schön.“ 

Persönlich schätzt Zeien vor allem die Gegenüberstellung zweier Bilder – das eines schlafenden Babys und das einer verzerrten Fratze mit gespaltener Zunge und Ohrringen, die Euro- und Dollarzeichen darstellen. „Das Bild eines kleinen Babys, was ganz verträumt und unschuldig am Schlafen ist. Das ein Stück weit Einklang, Harmonie, Unberührtheit auf der Welt darstellt. Und demgegenüber das verzerrte Gesicht im Geldrausch des konsumorientierten Menschen. Im Spannungsverhältnis dieser beiden Bilder steht jeder Mensch mehr oder weniger.“ Mit der Ausstellung gelinge idealerweise nicht nur ein Dialog zwischen Bild und Betrachter, sondern auch zwischen verschiednen Bildern und dem Betrachter. Zeien jedenfalls ist sich sicher: „Die Reise nach Remerschen lohnt sich.“

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