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Eine außergewöhnliche Dürre
Lokales 2 Min. 08.09.2020 Aus unserem online-Archiv

Eine außergewöhnliche Dürre

Staubige Angelegenheit: Die Landwirte haben bereits drei trockene Jahre hinter sich.

Eine außergewöhnliche Dürre

Staubige Angelegenheit: Die Landwirte haben bereits drei trockene Jahre hinter sich.
Guy Wolff
Lokales 2 Min. 08.09.2020 Aus unserem online-Archiv

Eine außergewöhnliche Dürre

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Laut Agrarminister Romain Schneider wird sich die Landwirtschaft an die Folgen des Klimawandels anpassen müssen.

Die durch den Klimawandel bedingten sommerlichen Trockenperioden könnten die luxemburgische Landwirtschaft nachhaltig verändern. Dies geht aus der Antwort von Landwirtschaftsminister Romain Schneider (LSAP) auf eine parlamentarische Frage der beiden DP-Abgeordneten Gusty Graas und André Bauler hervor.

Viertes Dürrejahr in Folge

Laut Schneider sind die Messungen der Wetterstationen, die von der Verwaltung der technischen Agrardienste (ASTA) betrieben werden, eindeutig: Luxemburg ist im vierten Jahr in Folge von einem zum Teil erheblichen Niederschlagsdefizit betroffen. Die vier Referenzstationen in Asselborn, Küntzig, Grevenmacher und Remich geben darüber detailliert Aufschluss. Mit Ausnahme von Asselborn ist das Defizit an den anderen drei Stationen sogar deutlich ausgeprägter als in den drei Vorjahren.

Laut Schneider sind insbesondere der Süden des Landes und das Moseltal von der Trockenheit betroffen, der nördliche Teil des Landes erlebt hingegen „nur“ eine vergleichbare Dürre wie in den Vorjahren. Alles in allem müsse man laut dem Landwirtschaftsminister aber in diesem Jahr von einer außergewöhnlichen Dürre sprechen.


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Keine Futterreserven

Für die Landwirte bedeutet dies in erster Linie einen eklatanten Mangel an Viehfutter. Die Versuchsfelder der ASTA zeigen bei den ersten drei Grasschnitten des Jahres ein Defizit von rund zehn Prozent im Vergleich zum bereits schwachen Vorjahr. Wegen der anhaltenden Trockenheit dürfte der vierte Schnitt kaum noch etwas einbringen.

Hinzu kommt, dass das Grünland je nach regionaler Lage in der Praxis ohnehin weniger Futter hergibt als die Versuchsfelder der ASTA. Weil die bestehenden Futterreserven kaum vergrößert werden konnten, geht Schneider davon aus, dass eine Reihe von landwirtschaftlichen Betrieben jetzt bereits auf die für die Winterperiode vorgesehenen Reserven zurückgreifen muss. 

Eine weitere Alternative besteht im Zukauf von Futter, allerdings steht der Markt hier unter Druck, weil die gesamte Großregion von der Problematik betroffen ist. Dies gilt auch für Stroh, das anstelle von Heu oder Silomais verfüttert werden kann. Eine weitere Möglichkeit besteht im Anlegen von Zwischenfrucht. Allerdings bleibt der Ertrag auch dort ohne Niederschlag eher mäßig.

Neue Sorten, mehr Variabilität 

Dass die Landwirtschaft langfristig umplanen muss, dessen ist man sich bei der ASTA bewusst. Im Zuge der Anpassungsstrategie an den Klimawandel, welche die Regierung 2018 verabschiedete, wird vor allem der Anbau von neuen, resistenteren Sorten ins Spiel gebracht. Dazu gehören die Saat-Luzerne oder Alfalfa, Süßgräser, Sorghumhirse oder noch Soja und Sonnenblumen. Laut Schneider käme ebenfalls eine schnellere Fruchtfolge und eine breiter gestreute Fruchtvariabilität infrage. All diese Maßnahmen könnten aber den fehlenden Niederschlag nicht zu 100 Prozent ersetzen, so noch Schneider.                       

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