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Ein Schwein im Maisfeld
Lokales 2 Min. 10.09.2019

Ein Schwein im Maisfeld

Einem leckeren Maiskolben kann kein Wildschwein widerstehen.

Ein Schwein im Maisfeld

Einem leckeren Maiskolben kann kein Wildschwein widerstehen.
Foto: Anouk Antony
Lokales 2 Min. 10.09.2019

Ein Schwein im Maisfeld

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Landwirte beklagen hohe Ausfälle durch Wildschäden in Maisfeldern.

Die Zeitung „Lëtzeburger Bauer“ hat das leidige Thema Wildschaden kürzlich wieder ins Rampenlicht gerückt. Noch nie sei der entstandene Schaden, insbesondere in den Maiskulturen, so hoch gewesen wie in diesem Jahr. Eine Feststellung, die Camille Schroeder, Präsident der Baueren-Allianz, bestätigt. „Die Schäden sind enorm, die Wildschweinpopulationen sind extrem hoch. Es muss einfach etwas geschehen“, so Schroeder.

Verhaltene Kritik übt Schroeder dabei auch an den Jägern, die nicht alle mit demselben Eifer zu Werke gehen würden. „Einige nehmen ihre Pacht sehr ernst und reduzieren die Bestände regelmäßig, andere warten lieber bis Herbst, um dann bei den traditionellen Treibjagden über gut gefüllte Jagdlose zu verfügen. Das Problem ist, dass die Wildschweinrotten sehr mobil sind und mehrere Kilometer am Tag zurücklegen. Die Probleme verlagern sich dann von einem Jagdlos ins andere.“


03.07.2019, Bayern, Landsberg am Lech: Junge Wildschweine fressen in einem Wildgehege. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Wildschweinjagd: Bisherige Befunde negativ
Am zweiten Tag der Drückjagd schießen die Jäger zwei weitere Tiere. Die Tests auf Afrikanische Schweinepest bei den fünf am Donnerstag erlegten Tieren sind negativ.

Futter in rauen Mengen

Allerdings ist das Problem zu einem guten Teil auch hausgemacht: Immerhin sind die Wildschweine seit Tausenden von Jahren in luxemburgischen Wäldern unterwegs, der Mais kam aber erst Ende der 1960er-Jahre. So hat sich die Gesamtanbaufläche von insgesamt 7 473 Hektar im Jahre 1990 auf 15 876 Hektar im Jahre 2018 etwas mehr als verdoppelt. Dementsprechend höher fällt auch das Schadenspotenzial aus. Seitdem können die intelligenten Borstentiere sich das ganze Jahr über laben: Im Frühjahr steht der Weizen in der sogenannten Milchreife sowie der Raps als Futter zur Verfügung, im Sommer bietet der Mais Nahrungsgrundlage und Sichtschutz.

Als weitere Faktoren kommen die Eichen- und Buchenmast im Herbst sowie zunehmend milde Winter hinzu. Junge und schwache Tiere überleben dann und können sich im darauffolgenden Jahr fortpflanzen. Zudem verlieren die Tiere, die wahre Allesfresser sind, zunehmend die Scheu vor dem Menschen und wagen sich auch in bewohnte Gebiete, obwohl sie ursprünglich eigentlich Waldbewohner sind.

Das Problem besteht aber nicht nur in Luxemburg, sondern wird europaweit beobachtet. So waren die Wildschweine in Dänemark oder Schweden bereits ausgerottet, konnten sich dort aber dank ihrer Anpassungsfähigkeit wieder ansiedeln. Experten raten dazu, Schneisen quer zur Saatrichtung in den Maisfeldern anzulegen und genügend Abstände zu den Waldrändern einzuhalten. Bei Versuchsstudien in Deutschland wurde der entstehende wirtschaftliche Ausfall durch das Freilassen der Flächen mit den positiven Effekten verglichen: Die Resultate waren durchgehend positiv.

Schneisen und Elektrozäune

Zudem könnten Elektrodrähte die Tiere vor dem Eindringen in die Felder abhalten. Laut Schroeder sind diese Maßnahmen aber nicht ausreichend oder aber schlicht unzumutbar: „Wir müssten dann ab dem ersten Saattag um das gesamte Feld zwei Drähte spannen und diese unter Strom setzen. Zudem müssen die Drähte permanent überprüft werden, damit diese auch funktionsfähig bleiben und nicht kurzgeschlossen werden. Eine Heidenarbeit“, so Schroeder. Auf Mais als Futterpflanze hingegen kann die Landwirtschaft laut Schroeder nicht verzichten: „Für diese energiereiche und schnell wachsende Pflanze gibt es in Luxemburg einfach keine Alternative. Ohne Mais würde die Viehhaltung unbezahlbar“. Ein Großteil der Maisproduktion landet allerdings in den Becken der Biogasanlagen. Ob dies vernünftig ist, lässt Schroeder offen: „Die Regierung hat diese Programme gefördert und die Bauern haben eben darauf reagiert, indem sie Mais produzieren“, so Schroeder.


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