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Ein Rüpel in der Opferrolle
Lokales 2 Min. 17.10.2018

Ein Rüpel in der Opferrolle

Ein Rüpel in der Opferrolle

Foto: Pierre Matgé
Lokales 2 Min. 17.10.2018

Ein Rüpel in der Opferrolle

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Im Prozess um einen Raubüberfall auf ein älteres Ehepaar im Jahr 2008 in Bereldingen ist am Mittwoch der erste von fünf Angeklagten zu Wort gekommen.

Zum zweiten Tag infolge erläuterte am Mittwoch das inzwischen 85-jährige Opfer die bedrückenden Details des außerordentlich brutalen Raubüberfalls, dem sie und ihr bereits 2014 verstorbener Gatte vor zehn Jahren in ihrer gemeinsamen Wohnung in Bereldingen zum Opfer fielen.


Ebenso mutig und bestimmt, wie sie am Dienstag die vier anwesenden Angeklagten als Täter identifiziert hatte, schritt sie am Mittwoch nach ihrer Aussage mit festem und musterndem Blick an zwei der Beschuldigten vorbei. Wie wenig ebenbürtig diese der alten Dame sind, zeigte sich sofort. Sendy M., der das räuberische Team zusammengestellt hatte, senkte genau wie Amandine U., die beim Überfall als Lockvogel agiert hatte, sofort das Haupt und beide richtete den Blick starr auf den Boden. 


305.000 Euro Schadensersatz gefordert


Dass sie sich nicht mit dem alleinigen Strafmaß für die Beschuldigten zufriedengeben würde, hatte zuvor bereits ihr Anwalt klargestellt: Als Nebenkläger forderte er eine Schadensersatzzahlung in einer Höhe von mehr als 305.000 Euro von den fünf Beschuldigten.


Das Urteil ergeht am 17. Oktober.
Täter schlagen älteres Ehepaar in eigener Wohnung nieder
Nach einem außerordentlich brutalen Raubüberfall am 23. Dezember 2008 in Bereldingen wird nun, fast zehn Jahre später, fünf Franzosen der Prozess gemacht.


Sendy M., der gestern als erster der vier im Prozess anwesenden Angeklagten zu Wort kam, machte einen sehr aufgekratzten Eindruck. Er sei geständig, betonte er immer wieder: “Was ich getan habe, ist geschehen”. Er habe zwar nicht immer die Wahrheit gesagt, jetzt mache er aber reinen Tisch. 


Dass Sendy M. immer nur genau das gestehe, was ihm auch nachgewiesen werden könne, hatte der leitende Ermittler bereits in seinen Ausführungen dargelegt. Und diesen Eindruck sollte der 41-jährige Franzose auch auf der Anklagebank weiter vermitteln.


So bemühte er sich vehement darum, seine eigene Rolle herunter zu spielen - teilweise widersprach er dabei eigenen, wenige Minuten zuvor im Gerichtssaal getätigten Aussagen. Vor allem aber stand seine Selbstdarstellung im strikten Widerspruch zu den Aussagen beider Opfer nach der Tat.


Mit dem "Homejacking-Bausatz" nach Luxemburg


So wurde der “kleine Dicke” von diesen als waschechter Rüpel bezeichnet. Er selbst meinte hingegen, er sei beim Überfall nett und zuvorkommend gegenüber den Opfern gewesen. Und: “Ich bin zwar kein Heiliger und ich bin es nie gewesen. Aber ich würde doch niemals alte Leute schlagen.”


Im Prozess gab ein Kriminalermittler gestern die Aussagen der Angeklagten im Polizeiverhör wieder.
Mutmaßlicher Tippgeber identifiziert, aber nicht überführt
Nach einem brutalen Raubüberfall am 23. Dezember 2008 in Bereldingen wird nun fünf Franzosen der Prozess gemacht. Der Fall scheint klar, doch eine Frage bleibt offen: Wer war der Auftraggeber?


Für den Rest stellte er sich als einen Soldaten des Auftraggebers dar. Er habe von diesem einen fertigen “Homejacking-Bausatz” erhalten und nichts mehr getan, als dessen Befehle auszuführen. Er habe aus Angst vor Kenan D. gehandelt, nicht um sich selbst zu bereichern. 


Am Donnerstag werden auch die anderen Angeklagten zu Wort kommen. 


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