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Ein Polizeirevier im Parkhaus: "Äddi Gliesenerstrooss"
Lokales 16 6 Min. 09.03.2015 Aus unserem online-Archiv

Ein Polizeirevier im Parkhaus: "Äddi Gliesenerstrooss"

Nach 37 Jahren schließt das Polizeikommissariat im Parkhaus.

Ein Polizeirevier im Parkhaus: "Äddi Gliesenerstrooss"

Nach 37 Jahren schließt das Polizeikommissariat im Parkhaus.
Guy Jallay
Lokales 16 6 Min. 09.03.2015 Aus unserem online-Archiv

Ein Polizeirevier im Parkhaus: "Äddi Gliesenerstrooss"

Es wird schon eine Umstellung sein: Seit 1978 war das Hauptquartier der Polizei in einem Parkhaus in der Rue Glesener untergebracht. Hier ist am 16. März endgültig Schluss. Bereits am Mittwoch übernimmt die „Rue Curie“. 37 Jahre lassen 
allerdings viel Platz für Erinnerungen.

Von Steve Remesch

Wer Boulevard  Royal hört, denkt an Banken. Kommt die hauptstädtische Rue Glesener zur Sprache, führt kein Gedanke an der Polizei vorbei – unweigerlich. Seit 37 Jahren befindet sich hier das Zentralkommissariat der hauptstädtischen Polizei.

Carlos Brück: „Et wier net fir laang, soten se mer 1978, ech sollt meng Këschte besser net ze vill auspaken“.
Carlos Brück: „Et wier net fir laang, soten se mer 1978, ech sollt meng Këschte besser net ze vill auspaken“.
Guy Jallay

Carlos Brück ist heute Chef des Einsatzzentrums. Für seine Kollegen gilt er als Dinosaurier, als Urgestein aus der „Gliesenerstrooss“. Er hat lange Jahre seiner Berufskarriere in der Hauptstadtwache verbracht – war auch anderweitig im Einsatz, kehrte dann aber wieder zurück.

„Ech sinn 1978 direkt vun der Arméi heihinner komm“, erinnert er sich. Am 1. Juli trat er den Dienst an. „Ech sinn dobäi komm, se hu mer gesot, du gees mat dem op Patrouille an dat war et och schonn“. Dass er schließlich auch nach 37 Jahren noch in der Rue Glesener sein würde, das hätte er sich damals nicht träumen lassen. Schließlich sei es nur ein Provisorium, hieß es damals. „Et wier net fir laang, soten se mer“, erzählt Brück. „Ech sollt meng Këschte besser net ze vill auspaken“.

Heute packt er wieder Kisten, denn diese Woche zieht das „Lima“-Revier ein für allemal aus. Die Polizisten ziehen in das moderne, kernsanierte und ausgebaute, ehemalige Gendarmerie-Gebäude in der Rue Marie et Pierre Curie am Verlorenkost. 

„Lima“ steht im Fliegeralphabet für den Buchstaben „L“, wie Luxemburg. Es ist der Rufname aller regulären Polizeieinheiten aus der Hauptstadt. „De Lima“, so wird das Hauptquartier von den Polizisten genannt, befindet sich seit jeher im dritten Stockwerk des Gebäudes. Es ist jener Teil des Reviers, der Tag und Nacht lebt.

„Dat war näischt schéines“

In den vergangenen 40 Jahren hat sich die Fassade des Gebäudes kaum verändert. Es sieht aus wie viele andere funktionelle und mit wenig Charme behaftete Sechziger- oder Siebzigerjahre-Gebäude, die bereits aus dem Stadtbild verschwunden sind. Doch der Grund, warum die Polizeiwache in der Rue Glesener besonders hässlich ist, liegt darin, dass es ursprünglich als Parkhaus gebaut wurde. „Dat war näischt schéines“, heißt es immer wieder. 

Nach und nach wurden auf den oberen Etagen Mauern eingezogen. Zu Beginn gab es lediglich vier Gruppenbüros und einige wenige kleine Räume. Teilen mussten sich die damals rund 50 Beamten des Einsatzzentrums das Gebäude zunächst mit einer Versicherungsgesellschaft und der „Zone Bleue“. Dazu kamen eine Opferschutzorganisation, die Verkehrspolizei, die „Police spéciale“, die „Section de Recherches“, die Regionaldirektion und später auch die Spezialeinheit „Groupe d'Intervention de la Police“. Im Erdgeschoss befand sich zudem ein Nähatelier. 

20 Jahre lang die Stimme aus dem Radio: "Trafic Info Live mam Chefinspekter Armand Jaminet aus de PC vun der Stater Police".
20 Jahre lang die Stimme aus dem Radio: "Trafic Info Live mam Chefinspekter Armand Jaminet aus de PC vun der Stater Police".
Guy Jallay

„Virdru ware mer an der Arsenalstrooss“, erinnert sich Armand Jaminet, der 1973 in den Polizeidienst trat. Dort wo einst die Arsenalstraße war, ist heute die Avenue Emile Reuter in der Oberstadt. Der Name Armand Jaminet dürfte vielen ein Begriff sein, weil er 20 Jahre lang die Radiostimme der hauptstädtischen Polizei war. Seit acht Jahren ist er in Rente. „Ech hunn eppes flottes fir iech, mir kréien eppes richteg flottes, eppes riesegrousses, op der Gare“, erinnert er sich an die feierlichen Worte seines damaligen Chefs „Big George“ Rauchs. „Dräi, véier Stäck a laang“.

In der Rue de l'Arsénal standen den Beamten nur knapp drei Arbeitszimmer und ein Empfangsraum zu. Die Freude über den Platzgewinn ist 1978 dementsprechend groß. Mit den Jahren wird es dann allerdings schnell enger. „Et war einfach net praktesch dat Ganzt“, meint Armand Jaminet. „Et ass een eenzege laange Schlauch“. 

Die ersten Frauen im Dienst

„De ganze Betrib hat deemools just dräi oder véier Schreifmaschinnen“, blickt Carlos Brück zurück. Kopien wurden gleich beim Tippen mit Kohlepapier erstellt. Fünf oder sechs auf einmal. „Dann hues de missen op d'Taste schloe wéi en Ochs, datts de d'Schrëft iwwerhaapt duerchkritt hues“, lacht Carlos Brück. 

Déi eeler Beamten hunn sech deemools scho gréisser Suerge gemaach, datt iergendwann emol eng Fra hire Chef si kéint. Dat war scho komesch.

Stichwort Schreibmaschine: Sehr schwer taten sich Polizisten offenbar damit, als Anfang der achtziger Jahre die ersten Frauen zur Polizei kamen. „Dat war eng reng Männerdomaine“, so Carlos Brück. „Déi eeler Beamten hunn sech deemools scho gréisser Suerge gemaach, datt iergendwann emol eng Fra hire Chef si kéint. Dat war scho komesch“. 20 Beamtinnen hatten 1979 ihre Ausbildung am Herrenberg begonnen und traten 1982 den Polizeidienst an.

Da habe es zunächst eine gewisse Skepsis gegeben, meint auch Armand Jaminet. „Déi wäerte jo net dobanne sëtze bäi der Schreifmaschinn a mir kënnen d'Nues duerhalen, gouf deemools gesot“. Als die Polizistinnen dann kamen, sei aber alles anders gewesen. „Déi wollte guer net dobanne sëtze, déi wollten eraus. Déi hu matgemaach an ugepak. Do war d'Äis du ganz séier gebrach an se waren akzeptéiert“. 

Probleme mit der Sicherheit

Das Revier hatte weniger schönere Seiten. „Et war ëmmer nëmmen e Parkhaus“, sagt Carlos Brück. „Ënne stinn op dräi Stäck Privatautoen. Do konnt ee ni wësse, wien wéini eran an erausgaangen ass“. Auch dort, wo die Dienstautos abgestellt waren, hätten oft Türen offengestanden. „Dat ass keng Sécherheet fir eng Police“, unterstreicht Carlos Brück. „Et ass eigentlech Chance, dat ni eppes geschitt ass.

Schwierige Situationen habe man beispielsweise erlebt, als einmal kurdische Demonstranten die Polizeiwache belagerten. „Do huet op all Eck a bäi all Dier missen ee stoen“, erklärt Brück. „Do geet et duer, datt eng Privatpersoun an d'Parkhaus oder erausfirt, da stinn d'Paarten op“. Es wäre sicher auch nicht schwer gewesen, die gesamte Polizeibelegeschaft im Gebäude zu blockieren: Es hätte gereicht, mit Autos die Garagenausfahrt zu blockieren.

"Dee Service, deen ëmmer rulle muss"

Im Erdgeschoss des Gebäudes in der Glesenerstraße soll in Kürze ein Nachbarschaftskommissariat eingerichtet werden.
Im Erdgeschoss des Gebäudes in der Glesenerstraße soll in Kürze ein Nachbarschaftskommissariat eingerichtet werden.
Guy Jallay

Doch das ist nun vorbei. Das neue „Lima“-Gebäude am Verlorenkost ist bezugsfertig. Am Montag und Dienstag werden die Tagesschichten nach bzw. vor ihrem Dienst umziehen. Sie werden von modernen und funktionellen Räume erwartet, auf dem neuesten Stand der Technik und den modernsten Sicherheitsstandards entsprechend. Für eine Woche wird von beiden Dienststellen aus gearbeitet. Die Nachtschicht folgt am Wochenende. Am 16. März gilt für die Glesenerstraße „Lima, terminé!“

„Mir sinn dee Service, deen ëmmer rulle muss“, bekräftigt der „Lima“-Chef. „Ob mer lo vun der Gliesenerstrooss an den Asatz fueren oder aus der Curie, dat ännert net vill“. Es sei eben eher für den Bürger, dass sich etwas ändere. „D'Leit sinn zënter iwwer 30 Joer gewinnt, d'Police an der Gliesenerstross ze fannen“. Ganz aus dem Gebäude wird die Polizei allerdings vorläufig auch nicht verschwinden. Im Erdgeschoss soll ein „Commissariat de Proximité“ entstehen.

„Et ass scho komesch, dann einfach d'Dier zouzespären, an da 
war et dat mam Kommissariat am 
Parkhaus“, seufzt Carlos Brück. Er könnte eigentlich schon in Rente sein. Doch offensichtlich mag er, was er tut. Deshalb trotzt die Freude über den Neuanfang auch der Nostalgie.

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Police.lu
  • Ab Mittwoch in der Rue Curie

Diese Woche zieht das Hauptstadtrevier der Polizei in der Rue Glesener um. Wer Anzeige erstatten oder aus einem anderen Grund die Polizei aufsuchen will, kann das bis Dienstag an der gewohnten Adresse tun. Ab Mittwoch wird der Dienst im neuen, moderneren Gebäude in der Rue Marie et Pierre Curie in Verlorenkost aufgenommen. Mit dem Bus ist die neue Wache über die Linie 13 ab der Haltestelle „Lavoisier“ zu erreichen. Das „CI Luxembourg“ bleibt auch weiterhin über die Telefonnummer 4997-4500 zu erreichen. Für Notfälle gilt immer die 
Notrufnummer 113.




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Reportage neit Police-Gebei - Verluerekascht - Rue Marie et Pierre Curie - Photo : Pierre Matge