Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Ein Monat mit Tram und Funiculaire: "Ich spare 30 Minuten pro Fahrtweg!"
Für viele Passagiere ein Vorteil: In der Tram herrscht im Vergleich zum Bus weniger Gedränge.

Ein Monat mit Tram und Funiculaire: "Ich spare 30 Minuten pro Fahrtweg!"

Foto: Chris Karaba
Für viele Passagiere ein Vorteil: In der Tram herrscht im Vergleich zum Bus weniger Gedränge.
Lokales 15 4 Min. 10.01.2018

Ein Monat mit Tram und Funiculaire: "Ich spare 30 Minuten pro Fahrtweg!"

Diane LECORSAIS
Diane LECORSAIS
Seit dem 10. Dezember fährt die Tram zwischen Luxexpo und Rout Bréck hin und her und die Standseilbahn zwischen Pfaffenthal und Kirchberg auf und ab. Allgemein fällt das Fazit der Passagiere positiv aus - und das der Verantwortlichen sowieso.

(DL) -  Montagmorgen bei der Haltestelle Rout Bréck-Pafendall. Zügig schreiten die Passagiere aus der oberen Funiculaire-Station, um die Tram noch zu erwischen. Wer Pech hat, muss warten – aber höchstens sechs Minuten. Dicht an dicht stehen die Fahrgäste anschließend im Tramfahrzeug. Es fährt sie, in den meisten Fällen, zu ihrem Arbeitsplatz entlang der Avenue Kennedy. Via die Stationen Philharmonie-Mudam, Europaparlament, Coque, Universitéit, Nationalbibliothéik und Alphonse Weicker geht es bis zur Luxexpo. Dann steigen die letzten Passagiere aus.

Unter den Fahrgästen ist an diesem Morgen auch Clothilde aus Metz. Für sie sind die neuen Transportmittel in jedem Fall ein Segen: „Ich gewinne 30 Minuten pro Fahrtweg. Es ist genial“, berichtet sie. Derweil sie zuvor mit dem Zug von Metz zum Hauptbahnhof und anschließend mit dem Bus nach Kirchberg gelangte, fährt sie nun an der Gare centrale mit der Bahn weiter bis nach Pfaffenthal, mit dem Funiculaire hoch und anschließend mit der Tram ins Büro. Dreimal umsteigen statt einmal – dafür aber ein satter Zeitgewinn von 60 Minuten am Tag.

So wie ihr ergeht es auch Samy. Er reist ebenfalls jeden Morgen aus Metz an und fasst zusammen: „Ich gewinne jeden Morgen 20 bis 40 Minuten.“

Weniger begeistert über die neuen Transportmittel ist indes Emma. „Für mich ist es nicht so gut. Ich komme aus Beggen und hatte vorher einen Direktbus. Jetzt muss ich ein- bis zweimal umsteigen. Zeitlich gewinne ich allerdings. In Kirchberg bin ich schneller unterwegs, weil auf der Tramspur kein Verkehr ist“, erzählt sie. Dennoch hat sie einen Verbesserungsvorschlag: „Keine Autos in der Avenue Kennedy, dafür aber sowohl Tram als auch Busse!“

Schon 18.600  Kilometer gefahren

Seit nunmehr einem Monat bedient die Tram die 4,4 Kilometer lange Strecke auf dem Kirchberg-Plateau. 18 600 Kilometer habe das neue Verkehrsmittel zwischen dem 10. Dezember und dem 1. Januar bereits zurückgelegt, erklärt Luxtram-Direktor André Von der Marck. Besonders hoch sei das Passagieraufkommen bei den Stationen Rout Bréck, Alphonse Weicker und Luxexpo. Genaue Passagierzahlen lägen allerdings noch nicht vor, heißt es, erste Daten würden Anfang Februar veröffentlicht. Nur so viel verrät Von der Marck: Die erwartete Passagierzahl von 8 400 Fahrgästen pro Tag habe man schon überschritten.

Bei der CFL hat man hingegen sofort mitgezählt. 117 508 Personen seien zwischen dem 10. und dem 31. Dezember mit der Standseilbahn gefahren, heißt es auf Nachfrage hin. Auf Zahlen zu den beiden zusätzlichen Bahnhaltestellen in Pfaffenthal und Howald warte man indes noch.

Beim Nachhaltigkeitsministerium zeigt man sich einen Monat nach der Inbetriebnahme von Tram, Funiculaire und neuen Bahnhaltestellen ebenfalls zufrieden. „Besonders von den Fahrgästen aus dem Norden des Landes erhalten wir viele positive Rückmeldungen. Sie gewinnen täglich bis zu 60 Minuten“, erklärt Pressesprecherin Dany Frank. Doch auch die Zugpassagiere, die aus dem Süden kommen und nun weiter bis nach Pfaffenthal fahren, würden profitieren.

Des einen Freud, des anderen Leid

„Generell ist der Fahrplanwechsel gut vonstatten gegangen. Wir haben aber auch bemerkt, dass noch Kommunikationsbedarf besteht. So wissen viele Buspassagiere, die bei der Luxexpo aussteigen, nicht, dass sie dort auch auf andere Busse umsteigen können – und nicht zuerst die Tram und dann den Bus nehmen müssen“, so Dany Frank. Handlungsbedarf besteht aber auch noch bei den Verbindungen aus Richtung Osten, wo der Fahrplanwechsel für Kritik gesorgt hat. Hier würde man noch „an verschiedenen Schrauben drehen“.

Schließlich sind da noch die Anwohner des Viertels Kiem. Diese stören sich daran, dass die Busse nun über den Boulevard Konrad Adenauer und damit an ihrem Viertel entlangfahren. Eine Übergangssituation, die sich laut der Ministeriumssprecherin bessern wird, sobald die Tram weiter bis zur Stäreplaz fährt. Auch sollen verschiedene Schülerbusse ihren Terminus künftig bei der Luxexpo haben – und der Boulevard Konrad Adenauer damit wieder entlastet.

Letzte Arbeiten an den Haltestellen

Für die Tram geht es nach der Ankunft bei der Luxexpo wieder zurück Richtung Rout Bréck. Hier steigt Marco aus Düdelingen morgens aus dem Bus aus und in die Tram ein. „Vorher fuhr ich mit dem Zug von Düdelingen zum Hauptbahnhof und nahm anschließend den Bus Nummer 18. Dieser war jedoch immer voll. Das hier ist viel bequemer!“, lautet sein Fazit nach einem Monat.

Die Tram bewegt sich Richtung Rout Bréck. Zwölf Minuten insgesamt dauert die Fahrt. Entlang der Strecke werden hie und da letzte Feinschliffarbeiten vorgenommen. Bis zum 25. Januar sollen laut Luxtram-Direktor Von der Marck an allen Haltestellen die Unterstände stehen – und sämtliche Ticketautomaten funktionieren. Letztere werden zurzeit noch nicht benötigt: Bis zum 31. Januar dürfen alle Passagiere kostenlos mitfahren. Danach gelten in der Tram die regulären Tarife von Bus und Bahn. Der Funiculaire ist und bleibt derweil gratis.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Leitartikel: Weitsicht
Noch immer wird unter Skeptikern über Tram und Co. gelästert, gemeckert und genörgelt. Doch während sich die einen weiterhin beklagen, fahren die anderen längst mit.