Ein Lebensdrama für Betroffene
"Ich war damals 36 Jahre alt. Ich saß hinten im Wagen. Wir kamen von der Straße ab und fuhren mit voller Wucht gegen einen Baum. Seither bin ich ab Brusthöhe komplett gelähmt. Ich sitze im Rollstuhl und brauche täglich Pflege. Mein Leben ist noch lebenswert, aber es ist nichts mehr so, wie es früher einmal war." Carine Nickels erzählt das Erlebte mit gefasster Stimme, auch wenn sie zugibt, vor dem anwesenden Publikum etwas nervös zu sein.
Die mittlerweile 42-Jährige ist Vorstandsmitglied der AVR, der Association des victimes de la route. Sie engagiert sich, damit andere Verkehrsteilnehmer sich verantwortungsvoll benehmen und ihnen ein ähnliches Schicksal erspart bleibt. "Ich kann nur jedem Autofahrer dazu raten, die Regeln zu beachten. Dies gilt vor allem für die Geschwindigkeitsbeschränkungen. Wenn da 50 km/h steht, dann meistens aus gutem Grund."
Betroffene erzählen
Carine Nickels wird demnächst öfters zu sehen sein, und ihre Botschaft auch. Sie hat nämlich aktiv an der neuen Verkehrssicherheitskampagne des Nachhaltigkeitsministeriums und der sécurité routière mitgearbeitet. Im Mittelpunkt steht dabei das Leid der Verletzten. "Wir reden immer von den Verkehrsopfern und meinen eigentlich die Todesopfer“, so Nachhaltigkeitsminister François Bausch. Deshalb wollten wir im Zuge dieser Kampagne mit einem eindringlichen und emotionalen Appell an die Öffentlichkeit gehen und auch das Schicksal der zahlreichen Verletzten zeigen".
Während die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr vergangenes Jahr auf 25 zurückging, gab es einen Anstieg der Leicht- und Schwerverletzten um drei, beziehungsweise sechs Prozent. Dies trotz verbesserter Sicherheitssysteme in den Autos.
Ein wahres Schlachtfeld
Schaut man sich die nackten Zahlen für das vergangene Jahr an, so versteckt sich hinter den Verkehrsunfällen in Luxemburg ein wahres Schlachtfeld: mehr als 1000 Menschen wurden leicht verletzt, 256 erlitten schwere Verletzungen, an deren Folgen sie zum Teil bis zu ihren Lebensende leiden müssen. Für jeden Einzelnen sind es ganz persönliche Dramen. Dabei sind die psychischen Folgen und Traumaerlebnisse, die die Betroffenen oft jahrelang begleiten, noch nicht einmal mitgerechnet. Von den Familienangehörigen, deren Leben sich ebenfalls drastisch ändern kann, nicht zu reden. Die Kampagne, die über sämtlichen Medien verbreitet wird, wurde am 27. September gestartet und erstreckt sich über drei Wochen.
