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"Ein krasser Fall von häuslicher Gewalt"
Lokales 2 Min. 11.10.2018 Aus unserem online-Archiv

"Ein krasser Fall von häuslicher Gewalt"

Das Urteil ergeht am 8. November.

"Ein krasser Fall von häuslicher Gewalt"

Das Urteil ergeht am 8. November.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 2 Min. 11.10.2018 Aus unserem online-Archiv

"Ein krasser Fall von häuslicher Gewalt"

Weil er seine Partnerin geschlagen und vergewaltigt haben soll, riskiert ein Mann eine zehnjährige Freiheitsstrafe. Dies obwohl der Angeklagte und das Opfer die Vorfälle abstreiten.

(SH) - „Ich will, dass er nach Hause kommt und dass meine Tochter mit ihrem Vater aufwächst. Und ich will weitere Kinder mit ihm.“ Der Frau, deren Partner sich derzeit vor Gericht verantworten muss, weil er sie im Juni vergangenen Jahres geschlagen und vergewaltigt haben soll, waren die Emotionen am zweiten Verhandlungstag zwischenzeitlich deutlich anzusehen.

Zuvor und danach wirkte sie deutlich kontrollierter, auch wenn ihr Blick immer wieder in Richtung des Angeklagten glitt. Dass dieser sie geschlagen habe, verneinte sie, dies obwohl die vorsitzende Richterin ihr deutlich erklärt hatte, dass sie bei einer Falschaussage vor der Kriminalkammer – etwa um ihren Partner zu decken – eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahre riskiere.

Diverse Verletzungen

Die Verletzungen, die im Juni 2017 im Krankenhaus in Kirchberg festgestellt worden waren - und von denen zumindest einige den Gerichtsmedizinern zufolge durch Schläge verursacht wurden - hätte sie sich bei einem Sturz aus dem Wagen zugezogen. Sie hätte unter Drogeneinfluss gestanden und habe deshalb am Tag vor ihrer Aufnahme in der Klinik einfach aus dem Fahrzeug springen wollen. Ihr Partner hätte noch versucht, sie zurückzuhalten, es sei ihm aber nicht mehr gelungen, sodass sie auf dem Boden gelandet sei.


Gericht - Prozesser - Photo : Pierre Matgé
Mutmaßlicher Vergewaltiger vor Gericht
Er soll seine Partnerin geschlagen und vergewaltigt haben, streitet jedoch alles ab. Dennoch muss sich ein 30-jähriger Mann nun vor Gericht verantworten. Am Donnerstag wird das Opfer aussagen.

Als die Richterin sie darauf hinwies, dass eine Zeugin bereits Tage zuvor Verletzungen im Gesicht der Frau beobachtet hatte, kam ein gewisser Ibrahim ins Spiel. Dabei soll es sich um einen Ex-Freund der Frau handeln, der zwar in Liège wohnt, im Juni vergangenen Jahres jedoch rein zufällig zeitgleich mit dem Paar auf Besuch in Luxemburg war. Dieser soll sie auf einem Parkplatz gegenüber des Bahnhofs geschlagen haben.

Weiter sagte sie, sie habe im Juni, als sie ihren Partner angezeigt hatte, gelogen, wohl weil sie unter Drogeneinfluss stand. Er hätte ihr aber nie etwas getan.

Angeklagter streitet ab

Der Angeklagte selbst stritt ab, seine Frau je geschlagen zu haben. Lediglich einmal sei es zu solch einem Vorfall gekommen, dies sei jedoch in Liège gewesen und er hätte sie auch nicht richtig geschlagen. Er bestätigte den Sturz aus dem Wagen und die Schläge durch den Ex-Freund. Von einem Treppensturz, den er vor einem Jahr noch als Grund für die Verletzungen angegeben hatte, wollte er nichts mehr wissen.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft sprach von einem heftigen Fall von häuslicher Gewalt und von einem Opfer, das dem Täter vollkommen hörig ist. Dass die Frau denke, die Beziehung noch retten zu können, sei für solche Fälle typisch. Er folgte der Meinung der Gerichtsmediziner, die darauf hingewiesen hatten, dass einige der Verletzungen, die das Opfer aufwies, zu unterschiedlichen Zeitpunkten entstanden seien.

Wegen Körperverletzung, Vergewaltigung, Freiheitsberaubung, Folter sowie Drogenkonsums und -handels forderte er eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren gegen den Angeklagten.

Das Urteil ergeht am 8. November.


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