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Ein Konzept mit Haken
Lokales 3 Min. 15.03.2012

Ein Konzept mit Haken

Luxembourg rocks! Hal Flavin gehören zu dem Besten, was Luxemburg in puncto Musik derzeit zu bieten hat.

Ein Konzept mit Haken

Luxembourg rocks! Hal Flavin gehören zu dem Besten, was Luxemburg in puncto Musik derzeit zu bieten hat.
Carlos Almeida
Lokales 3 Min. 15.03.2012

Ein Konzept mit Haken

Die Initiative ist lobenswert: Mit dem „Sonic Visions“-Festival will die Rockhal zusammen mit ihren Partnern ein Konzept etablieren, das einerseits den Brancheninsidern eine Austauschplattform bietet, anderseits aber auch jungen, talentierten Bands den Sprung ins Musikgeschäft ermöglichen soll.

(ham) - Die Initiative ist lobenswert: Mit dem „Sonic Visions“-Festival will die Rockhal zusammen mit ihren Partnern ein Konzept etablieren, das einerseits den Brancheninsidern eine Austauschplattform bietet, anderseits aber auch jungen, talentierten Bands den Sprung ins Musikgeschäft ermöglichen soll.

Der erste Teil ihres Vorhabens ist gelungen, konnte die diesjährige Ausgabe doch mit interessanten Konferenzen und Zusammenkünften punkten. Was den zweiten Teil anbelangt, so muss die Rockhal aber noch etwas am Feintuning arbeiten. Denn die große Liebe ist es zwischen dem „Sonic Visions“ und dem breiten Publikum noch nicht.

Visionen haben sie, die 19 Bands und Künstler, die sich am Wochenende beim „Sonic Visions“-Festival in der Escher Rockhal präsentierten. Weit entfernt von jeglicher 08/15-Kost, bewiesen sämtliche Bands, dass sie nicht in eine der zahlreichen Schubladen gesteckt werden können, die seit jeher dem Geschäft mit der Musik ihren Stempel aufdrücken.

Indie-Rock ist tot, schrieb vor zwei Jahren der bekannte Autor und Musik-Redakteur Albert Koch. In dem Abgesang auf Underground-Musik bemängelte der Redakteur des Musikexpress vor allem den Wandel der Indie-Branche hin zum Mainstream. Nun scheint der Herr Koch aber die Bindung zu seinen Wurzeln als Fanzine-Schreiber alternativer Untergrund-Bands verloren zu haben.

Die Szene ist lebendig wie eh und je. Bestes Beispiel sind die zahlreichen Grassroots-Initiativen und Sprungbrett-Festivals, die – teils staatlich gefördert, teils privat subventioniert – vielen jungen Künstlern bei ihren ersten Gehversuchen wichtige Starthilfe leisten. Das „Sonic Visions“-Festival geht noch einen Schritt weiter: Die Rockhal-Verantwortlichen geben vielversprechenden Bands nicht nur die Möglichkeit, sich einem breiten Publikum zu präsentieren, sondern sie bringen die Musiker bei Konferenzen, Showcases und zwanglosen Happenings am Rande des Festivals auch mit den Machern der Branche zusammen.

Zusätzliches Bonbon

Und für letztere gibt es, quasi als zusätzliches Bonbon, auch noch interessante Vorträge dazu, z. B. zu Finanzstrategien, Urheberrechtsfragen oder Marketing-Instrumente. Als Key-Note-Speaker konnte sogar Carl Leighton-Pope verpflichtet werden, der sich als Konzertagent und Manager u. a. von Bryan Adams, den Dire Straits oder Michael Bublé hervortun konnte. „Showcases, conferences, panels“, so der Untertitel des Festivals, bei dem die Macher werben: „Entdecke neue Talente, erfahre mehr über die Musikbranche und tausche dich mit Kollegen und Gleichgesinnten aus“.

Zusammengeschlossen hat sich die Rockhal dazu mit den Verantwortlichen des Italia New Wave Love Festival und dem dänischen Spot Festival. Das Resultat: eine Win-Win-Situation für alle beteiligten Parteien. Auf der Haben-Seite für Rockhal, Spot und Co. stehen der Erfahrungsaustausch und die Möglichkeit, auf breitere Ressourcen zurückgreifen zu können. Die teilnehmenden Bands hingegen bekommen wertvolle Starthilfe und ein Schaufenster, in dem sie sich einem internationalen Publikum präsentieren können. Und die Fans erhalten, wie im Falle des diesjährigen Festivals in Luxemburg, 19 talentierte, teils unkonventionelle Bands quasi zum Nulltarif: sieben Euro für zwölf Stunden Musik vom Feinsten. Leider geht die Rechnung nicht ganz auf.

Während der Konferenz seitens der Brancheninsider, Booking-Agenten und Musikjournalisten recht viel Interesse entgegen gebracht wurde, blieben die Fans dem Schaulaufen größtenteils fern. So kam es, dass am Freitagabend die in den USA viel beachteten Silversun Pickups aus Kalifornien statt vor gewohnt prall gefüllter Kulisse vor nur etwa 50 Zuschauern ihren Shoegaze-Sound zum Besten gaben. Umso beachtlicher war es, dass Brian Aubert, Nikki Monninger, Christopher Guanlao und Joe Lester sich nicht von den äußeren Umständen beeinflussen ließen und den Anwesenden ein erstklassiges Privat-Konzert zum Besten gaben.

Vielversprechend waren in dieser Hinsicht auch die Auftritte von „The Asteroids Galaxy Tour“ aus Dänemark mit einer eigensinnigen aber mitreißenden Kombination aus Funk, Folk, Soul und pumpenden, psychedelischen Beats sowie Hal Flavin, den Electro-Rockern aus Luxemburg, deren perfekt abgestimmter, unwiderstehlicher Electro-Pop durchaus mehr Beachtung seitens der heimischen Musikfans verdient hätte.